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Damit Pillen wirksamer werden - Neue Technologie für die Pharma-Industrie

06.03.2000 - (idw) Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Den mit 10.000 DM dotierten "Preis für Pharma-Technik" für das Jahr 1999 erhielt eine Arbeitsgruppe des Fachbereichs Pharmazie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Die WissenschaftlerInnen haben ein Modell zur Optimierung der Wirk-samkeit bestimmter Problemarzneistoffe entwickelt, das vor allem in der pharmazeutischen Industrie breite Anwendung finden kann. Für die Versuchsreihen notwendige Geräte haben sie - mit finanzieller Unterstützung des BMBF und der DFG - selbst konstruiert. Demnächst werden entsprechende Patente angemeldet.

Industrie-Manager verschenken kein Geld. Wenn sie Preise vergeben, versprechen sie sich was davon. Anfang Februar 2000 entschied das Preisrichterkollegium des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie (BPI) e. V. und der Zeitschrift "die pharmazeutische Industrie" ("pharmind") über den "Preis für Pharma-Technik" 1999 und sprach ihn einer Gruppe hallescher NaturwissenschaftlerInnen für die aus jahrelanger Forschungsarbeit hervorgegan-gene Veröffentlichung über die "Entwicklung eines Bioadhäsionsmodells auf der Basis der Quarzmikrobalance für die Charakterisierung pharmazeutischer Vehikelsysteme" in "pharmind" zu.
Worum geht es bei diesem Projekt der Arzneimittelforschung? Bestimmte gut wirksame Medikamente werden aufgrund ihrer Eigenschaften nicht aus dem Magen-Darm-Trakt resorbiert, das heißt sie gelangen nicht in die Blutbahn und damit nicht zur Wirkung. Um diese Medikamente in Tablettenform oral anwenden zu können, braucht man effektive pharmazeutische Zuberei-tungen (Vehikel). Diesem Zweck dient das prämierte Bioadhäsionsmodell, mit dem maßgeschneiderte Vehikel für nicht resorbierbare Medikamente entwickelt werden können.
Mit Hilfe einer Reihe selbstgebauter Geräte (deren Wert bei je 60 bis 100.000 DM liegt) wurde von den halleschen WissenschaftlerInnen ein Modell konstruiert, mit dem die Adhäsion (= Bindung) von Arzneiformulierungen an die Darmschleimhaut simuliert werden soll. Dies wird durch goldbeschichtete Quarze realisiert, die mit einer Lipiddoppelschicht belegt sind. Dabei dienen die Quarze als Modell der Magenschleimhaut.

Neben der vorrangig medizinischen Anwendung (besonders in der Transplantationsmedizin), kann die QMB-Technik in fernerer Zukunft eventuell auch für kosmetische Zwecke genutzt werden. Mehrere Firmen der Pharma-Industrie haben bereits großes Interesse an der Übernahme der konkreten Ergebnisse dieser Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Vehikeloptimierung in ihre Produktionslinien signalisiert. Trotz der damit verbundenen Kosten wird deshalb auch schon die Anmeldung entsprechender Patente vorbereitet.
Die Anfänge des Forschungsprojekts reichen bis 1993 zurück. Damals stellten der hallesche Pharmazeut Prof. Dr. Reinhard Neubert und der Magdeburger Elektroniker Prof. Dr. Peter Hauptmann den entsprechenden Antrag an das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), der genehmigt und dessen Realisierung finanziell unterstützt wurde. Inzwischen laufen die Forschungen weiter unter der Schirmherrschaft der Deutschen Forschungsgemein-schaft (DFG); die Arbeitsgruppe wurde mit den Pharmazeuten Dr. Gerd Bendas, Dipl.-Pharm. Annegret Hildebrand, dem Chemiker Dr. Maik Liebau und dem Biochemiker Doz. Dr. Ulrich Rothe verstärkt - alle gemeinsam bilden das Autorenteam der oben genannten Publikation.

Dr. Margarete Wein


Nähere Informationen:
Prof. Dr. Reinhard Neubert
Institut für Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie
Wolfgang-Langenbeck-Straße 4
06099 Halle (Saale)
Telefon: 0345 / 552 50 00
Fax: 0345 / 552 72 92
e-mail: neubert@pharmazie.uni-halle.de
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