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Von Hormonen, Naturstoffen und Robotern / Verleihung der Inhoffen-Medaille und der Förderpreise

09.03.2000 - (idw) Gesellschaft für Biotechnologische Forschung mbH (GBF)

Die Entwicklung von Hormontherapien, Empfängnisverhütung und Entzündungshemmstoffen wären ohne die Forschungsarbeiten von Prof. Dr. Dr. h.c. Rudolf Wiechert kaum möglich gewesen. Für seine herausragende wissenschaftliche Leistung in der Steroidchemie für die Pharmaforschung erhielt der ehemalige Forschungsdirektor der Schering AG, Berlin, in diesem Jahr die mit 5000 Mark dotierte Hans Herloff Inhoffen-Medaille. Die Auszeichnung der Technischen Universität Braunschweig und des Fördervereins der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF) wurde am 9. März um 15 Uhr im Rahmen der öffentlichen Inhoffen-Vorlesung verliehen.

Steroide sind eine Stoffklasse, zu der zum Beispiel Hormone gehören, die für die Empfängnisverhütung eingesetzt werden. Wiecherts Arbeiten führten zur Markteinführung einer Reihe von Arzneimitteln für eine Hormontherapie von Männern und Frauen. Dies führte zu neuen Erkenntnissen über die Wirkungsweise von Hormonen und für die Behandlung von Prostatakrebs. Viele Jahre forschte er darüber hinaus an entzündungshemmenden Steroiden, die im Gegensatz zu Cortisonpräparaten kaum Nebenwirkungen haben und sich daher auch zur Behandlung von Hautkrankheiten bei Kindern und schwangeren Frauen eignen.

Rudolf Wiechert wurde am 3. März 1928 in Stendal geboren. Ab 1949 studierte er Chemie an der FU Berlin, wo er 1956 promovierte. 1957 wechselte er zur Schering AG. Hier begann seine Karriere als Steroidforscher. Heute zählt er zu den führenden Forschern auf diesem Gebiet. Er ist Erfinder oder Miterfinder von mehr als 300 Patenten.

Im Rahmen der Veranstaltung zeichnete der Förderverein der GBF herausragende Doktorarbeiten aus: Preisträger in diesem Jahr sind Dr. Armin Bauer und Dr. Ursula Deiters. Die Förderpreise sind mit je 4000 Mark dotiert und sollen die gute Zusammenarbeit der TU Braunschweig und der GBF bei der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses in den modernen Biowissenschaften dokumentieren.

Dr. Armin Bauer beschäftigte sich mit der chemischen Herstellung von Epothilon, das als mögliches Krebsmittel interessant ist. Epothilone sind Naturstoffe, die GBF-Forscher vor einigen Jahren in einer Gruppe von Bodenbakterien - den Myxobakterien - entdeckten. Die Arbeiten von Bauer trugen ganz wesentlich zu der ersten vollständigen Synthese eines Epothilons in Europa bei. Seine Arbeit liefert damit vielversprechende neue Forschungsperspektiven, um Epothilon-Varianten mit günstigen Eigenschaften für einen möglichen therapeutischen Einsatz zu finden. Dokumentiert wird dies durch Veröffentlichungen in renommierten wissenschaftlichen Journalen. Bauer studierte und promovierte an der TU Braunschweig und arbeitet jetzt für die Aventis AG.

Wie ein bakterieller Wirkstoff weiße Blutkörperchen anlockt und so zum Beispiel die Wundheilung beschleunigt, konnte die Biologin Dr. Ursula Deiters in ihrer Doktorarbeit bei der Arbeitsgruppe Immunbiologie der GBF zeigen. Die Substanz - das MALP-2 - wird von einer Gruppe sehr kleiner Bakterien, den Mykoplasmen, gebildet. Sie ist mittlerweile zum Patent angemeldet und soll insbesondere bei älteren Patienten und Diabetikern mit verzögerter Wundheilung eingesetzt werden. Ursula Deiters hat darüber hinaus noch eine zweite mögliche Anwendung entdeckt: Bei einer Blutvergiftung mit bestimmten Bakterien schwächt MALP-2 die Wirkung des Bakteriengiftes Endotoxin ab, das sonst zu hohem Fieber, Schock und Tod führen kann.

Neben den Förderpreisen wurde auch der Fritz-Wagner-Preis 2000 vergeben, eine mit 1000 Mark dotierte Auszeichnung des gleichnamigen Fonds zur Förderung der Biotechnologie. Preisträger ist Dr. Gerhard Kauer von der GBF. Der Wissenschaftler beschäftigte sich mit Automatisierungstechniken für die Genomanalyse. Insbesondere die Vorbereitung von Erbmaterial und die anschließende Analyse (Sequenzierung) sind sehr arbeitsintensiv. Kauer gelang es, die bisher eingesetzten Verfahren durch den Einsatz von Robotern weiter zu automatisieren. Er erreichte dadurch einen Kosten- und Qualitätsvorteil - für die Forschung ebenso interessant wie für die Industrie. Einige der entwickelten Techniken sind zum Patent angemeldet.

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