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Vernetzung von natur- und geisteswissenschaftlichen Ansaetzen

17.03.2000 - (idw) Universität Potsdam

Vernetzung von natur- und geisteswissenschaftlichen Ansaetzen
Deutsche Forschungsgemeinschaft bewilligt Universitaet Potsdam erste Forschergruppe

An der Universitaet Potsdam haben jetzt die ersten Projekte der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) neu bewilligten Forschergruppe "Konfligierende Regeln" ihre Arbeit aufgenommen. Die DFG stellt der Potsdamer Hochschule bis laengstens 2006 pro Jahr einen Betrag von jeweils mehr als einer Million Mark fuer die Forschungen in der Kognitionswissenschaft zur Verfuegung. Damit koennen zwoelf neue Arbeitsplaetze fuer junge Wissenschaftler in Potsdam finanziert werden. Es ist der Universitaet Potsdam damit zum ersten Male gelungen, erfolgreich als Traegerhochschule eine Forschergruppe bei der DFG zu beantragen. An der interdisziplinaeren Forschergruppe sind mehr als 25 Wissenschaftler aus Linguistik, Informatik, Physik und Psychologie beteiligt.
Schon in ihrer Gruendungsphase hat die Universitaet Potsdam die Kognitionswissenschaft, also die Untersuchung der menschlichen Denkleistungen, zu einem ihrer Profilbereiche gemacht. Seit 1994, dem Jahr der Bewilligung des Innovationskollegs "Formale Modelle kognitiver Komplexitaet", foerdert auch die DFG diese interdisziplinaere Forschung in Potsdam mit erheblichem finanziellen Aufwand. Besonders hervorzuheben ist die Vernetzung von natur- und geisteswissenschaftlichen Ansaetzen. So untersucht eines der Forschungsprojekte mit den neuesten in der nichtlinearen Physik entwickelten Methoden die Reaktionen des Gehirns auf verschiedene Typen von sprachlichen Mehrdeutigkeiten. Daraus hoffen die Wissenschaftler Rueckschluesse darauf ziehen zu koennen, wie das Gehirn ganz allgemein Sprache verarbeitet.
Die Themenstellung "Konfligierende Regeln" greift aktuelle Trends in Psychologie, Sprach-wissenschaft und Informatik bei der Untersuchung menschlicher geistiger Leistungen auf. Nicht nur bei bewussten Entscheidungen, sondern auch bei unbewussten Prozessen, wie zum Beispiel dem Sprachverstehen, scheint das menschliche Denken von verschiedenen generellen Strategien bestimmt zu sein, die einander im Einzelfall widersprechen koennen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Forschergruppe werden sich besonders intensiv mit der Frage beschaeftigen, wie diese Konflikte in der Kognition geloest werden.
Beispielsweise vertritt die Sprachwissenschaft aufbauend auf Erkenntnissen zur Lautstruktur die These, dass Konflikte zwischen sprachlichen Regeln mit einer "lexikographischen" Strategie aufgeloest werden: Das jeweils staerkste relevante Prinzip setzt sich durch. Unter der Bezeichnung "Take the Best"-Strategie ist dies auch in der Psychologie in Forschungen zur begrenzten Rationalitaet aktuell. Neben der Frage, unter welchen Bedingungen das Gehirn diese Strategie einsetzt, stellt sich auch das Problem, wie sich Konfliktloesungsstrategien in ein allgemeines Modell des menschlichen Denkens einpassen. Die Potsdamer Psychologie wird sich dieser Frage am Beispiel der Faehigkeit von Menschen zum logischen Denken zuwenden. In enger Zusammenarbeit mit der Sprachwissenschaft wird die Informatik neue Methoden zur maschinellen Verarbeitung von konfligierenden Regeln und von Regelpraeferenzen entwickeln.
Die neue Forschergruppe steht in der Kontinuitaet des im Jahre 2000 auslaufenden Innovationskollegs, und es ist gelungen, unlaengst berufene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den kognitionswissenschaftlichen Schwerpunkt zu integrieren. Die Forschergruppe vertieft die Beziehungen der Universitaet Potsdam zum Max-Planck-Institut fuer neuropsychologische Forschung. Alle Arbeitsgruppen sind international mit den jeweils fuehrenden Hochschulen in Nordamerika und Europa vernetzt.
Hinweis an die Redaktionen:
Fuer weitere Auskuenfte steht der Sprecher der Forschergruppe, Prof. Dr. Gisbert Fanselow, telefonisch unter 0331/977-2016 oder per E-Mail unter fanselow@rz.uni-potsdam.de gerne zur Verfuegung.

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