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Zwei Milliarden Menschen leben in Wassermangelgebieten

21.03.2000 - (idw) Universität Kassel

Zwei Milliarden Menschen leben heute in Wassermangelgebieten. Doppelt so viele werden es im Jahr 2025 sein, falls die Entwicklung weitergeht wie bisher. Auf dem zweiten "World Water Forum", das noch bis morgen - dem "Welttag des Wassers" - in Den Haag tagt, legten Wissenschaftler der Universität Gesamthochschule Kassel (GhK) diese Ergebnisse einer neuen weltweiten Studie vor. Danach werden überall auf dem Globus viele Flüsse durch enorme Wasserentnahmen überbeansprucht. Städte, Industrien, Bewässerungslandwirtschaft und ganze Staaten geraten in erhebliche Konkurrenz um die knappe Ressource Wasser. Die Studie - "World Water in 2025" - wurde im Rahmen der Hintergrundanalysen der "Weltkommission für Wasser im 21. Jahrhundert" durch das Zentrum für Umweltsystemforschung an der Kasseler Universität angefertigt.

Kassel/Den Haag. Zwei Milliarden Menschen leben heute in Wassermangelgebieten. Doppelt so viele werden es im Jahr 2025 sein, falls die Entwicklung weitergeht wie bisher. Auf dem zweiten "World Water Forum", das noch bis morgen - dem "Welttag des Wassers" - in Den Haag tagt, legten Wissenschaftler der Universität Gesamthochschule Kassel (GhK) diese Ergebnisse einer neuen weltweiten Studie vor. Danach werden überall auf dem Globus viele Flüsse durch enorme Wasserentnahmen überbeansprucht. Städte, Industrien, Bewässerungslandwirtschaft und ganze Staaten geraten in erhebliche Konkurrenz um die knappe Ressource Wasser. Die Studie - "World Water in 2025" - wurde im Rahmen der Hintergrundanalysen der "Weltkommission für Wasser im 21. Jahrhundert" durch das Zentrum für Umweltsystemforschung an der Kasseler Universität angefertigt.

Im Zentrum für Umweltsystemforschung wurde ein neuartiges Computer-Modell namens "WaterGAP" entwickelt und für die Berechnungen in der nun vorgelegten Studie verwendet. Dieses Modell verknüpft Bevölkerungs-, Wirtschafts-, Wassernutzungs- und Abflussdaten aller Flusseinzugsgebiete weltweit, um die derzeitige globale Wasserversorgung abzuschätzen und Prognosen über deren Entwicklung zu erstellen. Danach werden heute für verschiedene Verwendungszwecke jährlich auf der Erde etwa 3600 Kubikkilometer Wasser des Süßwasserkreislaufes genutzt. Es wird erwartet, dass dies bis zum Jahr 2025 auf 4100 Kubikkilometer ansteigt.

Die Zukunftsaussichten der Wasserversorgung unterscheiden sich regional sehr stark:
· In Westeuropa und anderen OECD Ländern sinkt die Wassernutzung weiter. Dennoch bleibt der Druck auf die Wasserressourcen und damit auf Ökosysteme in einigen Flüssen sehr hoch, wie beispielsweise in der Elbe oder im nordamerikanischen Rio Grande.
· In West- und Zentralafrika wird sich der Wasserbedarf bis zum Jahr 2025 mehr als verdoppeln. Der öffentliche Sektor in diesen Regionen wird sich der Herausforderung stellen müssen, die Infrastrukturen zur Deckung des Bedarfes auszubauen.
· In Asien beobachtet man schon heute Wasserknappheit in weiten Teilen des Kontinents. Diese wird aufgrund der anhaltend zunehmenden Wasserentnahmen weiter verstärkt.

Insgesamt leben derzeit weltweit zwei Milliarden Menschen - also jeder Dritte - in Wassermangelgebieten, also in Flusseinzugsgebieten unter hohem "Wasserstress". Ein Flusseinzugsgebiet wird von den Autoren der Studie als unter hohem "Wasserstress" eingestuft, wenn 40 % oder mehr des jährlichen Abflusses und erneuerbaren Grundwassers zur Nutzung entnommen wird. Wenn die derzeitigen Trends sich fortsetzen, so könnten bis zum Jahr 2025 bereits vier Milliarden Menschen - d.h. dann jeder Zweite - betroffen sein.

Wichtig ist auch der internationale Aspekt des Problems - denn weltweit befinden sich 40% der gesamten Landoberfläche in Flusseinzugsgebieten, die in zwei oder mehr Staaten liegen. Die Studie geht davon aus, dass ein Drittel dieser Fläche bis zum Jahr 2025 von hohem Wasserstress betroffen sein wird. Daher kann die Konkurrenz um die Ressource Wasser auch zu weiteren Spannungen zwischen Nationen führen.

Die Studie wurde von Prof. Dr. Joseph Alcamo, dem Leiter des Zentrum für Umweltsystemforschung an der Universität Kassel, sowie Thomas Henrichs und Thomas Rösch vorgelegt. Alcamo: "Unsere Studie verdeutlicht, dass eine Fortsetzung der derzeitigen Entwicklungen nicht vertretbar sein kann. Um eine Verschärfung der heute schon absehbaren Krisen durch Wasserknappheiten zu verhindern, müssen wir bald handeln." Unter anderem empfiehlt die Studie, die Effizienz in der Wassernutzung weiter zu steigern - beispielsweise den Wasserverlust durch undichte Stellen in den Verteilungssystemen zu verringern, Wasserrecycling in Kraftwerken und Industrie weiter zu intensivieren und den Einsatz von hocheffizienten Bewässerungssystemen zu fördern.

In der Studie wird aber vor allem betont, dass Steigerungen der Effizienz alleine nicht ausreichen werden. Vielmehr ruft sie dazu auf, die Art und Weise wie wir Wasser nutzen, grundlegend zu überdenken - dies könnte, zum Beispiel, eine Umstrukturierung des Elektrizitätssektors weg von kühlungsintensiven thermischen Kraftwerken hin zu wassersparsamen Kraftwerkstypen oder alternativen Energieträgern beinhalten. Grundlegende Reformen sind vor allem auch im landwirtschaftlichen Bereich notwendig, denn weltweit werden 70% der Wasserentnahmen zur Bewässerung verwendet. So wird in der Studie bezweifelt, dass ausreichend Wasser zur Deckung einer zunehmenden Nachfrage nach Fleischprodukten zur Verfügung steht. Denn steigender Wohlstand steigert auch den Fleischverbrauch, und dies erfordert vermehrten Anbau von Viehfutter auf bewässerten Flächen vor allem in den Entwicklungsländern. Es stellt sich insgesamt die Frage, ob es möglich ist, verstärkt von künstlich auf natürlich bewässerte Landwirtschaft umzusteigen.

Alcamo/Th/Tr/bar
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Kontakt und weitere Informationen:
Prof. Dr. Joseph Alcamo, Telefon: (0561) 804-3266 oder -2231,
E-mail: alcamo@usf.uni-kassel.de

Internet-Info zum Thema: www.usf.uni-kassel.de/usf/aktuell/worldwater.htm
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