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"Fachstelle für Sekundärrohstoffe" an der Universität Bern gegründet

22.03.2000 - (idw) Universität Bern

Industrie, Forschung und Behörden wollen beim nachhaltigen Einsatz von Rohstoffen enger zusammenarbeiten. Zu diesem Zweck hat die "Schweizerische Studiengesellschaft für mineralische Rohstoffe" in Bern eine neue "Fachstelle für Sekundärrohstoffe" gegründet. An der Universität Bern diskutierten Vertreter aus der Forschung und Praxis, was bisher erreicht worden ist und welche Ziele noch anzustreben sind.

Hoch- und Tiefbau sind gefordert

upb. Industrie, Forschung und Behörden wollen beim nachhaltigen Einsatz von Rohstoffen enger zusammenarbeiten. Zu diesem Zweck hat die "Schweizerische Studiengesellschaft für mineralische Rohstoffe" in Bern eine neue "Fachstelle für Sekundärrohstoffe" gegründet. An der Universität Bern diskutierten Vertreter aus der Forschung und Praxis, was bisher erreicht worden ist und welche Ziele noch anzustreben sind.

Gemischte Bauabfälle lassen sich nicht direkt verwerten, erst der kontrollierte Rückbau und die gezielte Aufbereitung einzelner Abfallsorten haben in den vergangenen Jahren den Weg zur Verwertung mineralischer Bauabfälle geöffnet. Die Verwertung erfasst aber laut Dr. Hans-Peter Fahrni vom Buwal vorläufig nur einen kleinen Teil des Potentials bei den mineralischen Bauabfällen. So gelangen höchstens 25 % aller mineralischen Bauabfälle wieder in den Wirtschaftskreislauf zurück.

Beton und Asphalt

Von Bedeutung ist das Recycling insbesondere bei Strassenaufbruch und Ausbauasphalt. Betonbruch als Zuschlagstoff könnte beispielsweise bis zu 20 % des frischen Kies ersetzen. Die heute vorhandenen technischen Möglichkeiten zum Verwerten mineralischer Bauabfälle werden aber nur sehr beschränkt genutzt. Billige Primärrohstoffe und eine nicht allzu teure Entsorgung der Abfälle behindern das Recycling.

Die neue "Fachstelle für Sekundärrohstoffe" soll dazu beitragen, natürliche Rohstoffe schonender einzusetzen und Nebenprodukte von industriellen Verfahren wie Schlämme, Gläser, Aschen usw. als Rohstoffe sinnvoll und möglichst umfassend wiederzuverwenden. Dadurch können Material-Kreisläufe konsequenter geschlossen und unerwünschte Abfallprodukte möglichst vermieden werden.

Eine Wachstumsbranche

Der Einsatz von Sekundärrohstoffen ist laut Fachleuten eine Wachstumsbranche. In der Schweiz betragen die jährlich anfallenden Mengen an mineralischen Bauabfällen einige Millionen Tonnen. Der begrenzte Deponieraum, die damit verbundenen Kosten und die im Leitbild der schweizerischen Abfallwirtschaft angestrebte Verwertung schaffen hier Handlungsbedarf, wie Diskussionsleiter Prof. Peter Baccini (EAWAG) darlegte.

In einer Podiumsdiskusssion verwiesen Vertreter der Bau- und Zementwirtschaft unter anderem darauf, wie unregelmässig Abfallmengen anfallen. Bei allen Massnahmen müsse immer die Wirtschaftlichkeit gewährleistet sein. Es sei natürlich schwierig, in Grenzregionen reziklierten Kies abzusetzen, wenn frischer Kies im nahen Elasss billiger zu haben ist. In solchen Fällen müsse eine Unternehmung flexibel handeln können. Oft fehlten für Bauabfälle auch einfach die Abnehmer. Oder es gibt den Fall, dass ein begehrtes Produkt einfach nicht erhältlich ist: "Ich finde beispielsweise nirgends Torf-Ersatz?" bedauerte der Chef eines Landschaftsbaubetriebs. Wie Prof. Tjerk Peters von der Universität Bern erläuterte, sind konstante Abfallmengen von Grossbaustellen wie etwa vom NEAT-Tunnelbau zu erwarten; 10 % des NEAT-Ausbruchs würden als Feinanteil anfallen, der wiederverwertet werden könne. Zu diesem Fragenkomplex gab BUWAL-Vertreter Fahrni zu bedenken, der Handel mit Altstoffen sei immer ein schwankender Markt gewesen, das zeige sich auch bei Altpapier und Altspneus.

Probleme mit Altlasten

In der Diskussion schälte sich heraus, dass Grossfirmen mit schwankenden Abfallmengen besser zu Rande kommen können als kleine und mittlere Betriebe. Bedauert wurde, dass die genaue chemische Charakterisierung, eine Voraussetzung bei der stofflichen Verwertung, aber oft umgangen wird und Abfallstoffe oft relativ billig in Deponien abgelagert werden, statt sie gegebenenfalls der Sondermüllverwertung zuzuführen.

Richtige und gute Information vorausgesetzt, dürfte es gelingen, die Wiederverwertung von Sekundärrohstoffen in der Bauwirtschaft (Kies, Asphalt und und Beton), im Stahlbau (Autos) und in der Spezialitätenchemie in den Griff zu bekommen. Bei den vielen Altlasten gibt es allerdings noch erhebliche Probleme. Hier müsse "von Fall zu Fall" untersucht werden, ob eine Wiederaufbereitung oder eine Endversorgung der Abfälle sinnvoller ist.

Die neue "Fachstelle für Sekundärrohstoffe" in Bern dient Industrie, Forschung und Behörden als gemeinsame lnformationsplattform. Sie sammelt und vermittelt Informationen, führt Bewertungen und Expertisen durch und organisiert Forschungs- und Entwicklungsaufträge.

Kontaktadresse

Fachstelle für Sekundärrohstoffe:
Dr. phil.-nat. Urs Eggenberger
Mineralogisch-petrographisches Institut
der Universität Bern
Tel. 031/631 87 98
Fax 031/631 48 43
E-mail: rohstoff@mpi.unibe.
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