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Über Parteimitglieder, Kaliningrad und die Amischen - Preise für Jenaer Politologen-Nachwuchs

19.04.2002 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Jena (16.04.02) Die in diesem Jahr erstmals verliehenen Examenspreise des Instituts für Politikwissenschaft der Uni Jena gehen an Dr. Andreas Hallermann, Andreas Eis und Guido Müntel. Sie wurden am gestrigen Donnerstag während des Tags der Politikwissenschaft im Beisein des ehemaligen Bundesinnenministers und CDU-Vorsitzenden Dr. Wolfgang Schäuble an die drei jungen Wissenschaftler verliehen. Schäuble war Ehrengast der Veranstaltung und hielt unmittelbar darauf eine Rede über die Osterweiterung der Europäischen Union. Gleichzeitig feierte das Institut für Politikwissenschaft sein 10-jähriges Jubiläum.

Die Examenspreise sind mit jeweils 250 Euro für die beste Staatsexamens- und für die beste Magisterarbeit sowie mit 500 Euro für die beste Dissertation dotiert. Sie wurden vom Förderverein des Instituts für Politikwissenschaft gestiftet und werden vom Institut verliehen.

Dr. Andreas Hallermann erhielt seinen Preis für die Arbeit "Parteimitglieder in Thüringen: Profil und Partizipation", die er am Lehrstuhl für Deutsche Regierungssysteme im Europäischen Vergleich von Prof. Karl Schmitt anfertigte. Dr. Hallermann untersuchte erstmals parteiübergreifend die Unterschiede in den politischen Aktivitäten der Mitglieder von CDU, SPD, PDS, FDP und Bündnis 90 / Die Grünen. Dazu befragte er eine große Anzahl von Mitgliedern. Es gelang ihm dabei, eine statistisch untermauerte theoretische Erklärung für diese Unterschiede zu finden.

Guido Müntel untersuchte in seiner Magisterarbeit mit dem Thema "Kaliningrad vor der EU-Erweiterung. Erfordernis, Möglichkeiten und Probleme einer Kooperation der EU mit Russland" die Rolle Kaliningrads in einer künftigen EU. Seine Arbeit fertigte er am Lehrstuhl für Außenpolitik und Internationale Beziehungen bei Prof. Helmut Hubel an. Das Gebiet um Kaliningrad, dem ehemaligen Königsberg in Ostpreußen, wird nach der Osterweiterung vollständig von der Europäischen Union eingeschlossen sein und keine Landverbindung mehr zu Russland haben (Fachwort für solche Gebiete: Enklave). Das wirft eine Reihe wirtschaftlicher und sozialer Fragen auf. Neben vielfältigen Chancen für Russland und die EU birgt das Gebiet aber auch politische und Sicherheitsrisiken. Müntel setzt sich in seiner Arbeit für eine Zusammenarbeit mit Russland und für eine Öffnung der Enklave hin zu Europa ein. Die fundierte Arbeit des jungen Wissenschaftlers hat ihm bereits mehrfach Einladungen zu Tagungen im Ausland und Stipendien beschert. Müntel plant, die Arbeit zu einer Dissertation auszubauen.

Die Staatsexamensarbeit von Andreas Eis widmete sich dem Thema "Kulturelle und politische Identität deutschsprachiger Minderheiten in Nordamerika. Der Gemeinschafts- und Politikbegriff der Amischen". Er fertigte seine Arbeit am Lehrstuhl für Politische Theorie und Ideengeschichte von Prof. Klaus Dicke an. Die Amischen sind eine ursprünglich aus Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz stammende religiöse Gemeinschaft, die vor Verfolgungen nach Amerika flüchtete. Dort haben sie sich ihre altertümlichen Bräuche und auch die deutsche Sprache bewahrt. Eis untersuchte - ungewöhnlich für eine Staatsexamenarbeit - ein Jahr lang in den USA die Originalquellen. Seine Arbeit informiert detailliert über die Amischen und zeigt den Wert von Theorien über die politische Eingliederung von Minderheiten. Gleichzeitig zeigt sie aber auch die Grenzen dieser Theorien im Hinblick auf Multikulturalität, politische und gesellschaftliche Vielfalt.

Weitere Informationen: Friedrich-Schiller-Universität Jena, Institut für Politikwissenschaft, Professur für Didaktik der Politik, Ernst-Abbe-Platz 8, 07743 Jena, Prof. Carl Deichmann, Tel. 0 36 41 / 94 54 90, Fax 03641 / 94 54 92, E-Mail: s8deca@uni-jena.de

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