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RUB-Studie befragt Bürger zur Kriminalität

28.03.2000 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Wie sicher fühlen sich die Bochumer in ihrer Heimatstadt? Fürchten sie, Opfer eines Verbrechens zu werden? Versuchen sie sich durch bestimmtes Verhalten zu schützen? Diesen und anderen Fragen rund um die Kriminalitätsfurcht sind RUB-Kriminologen um Prof. Hans-Dieter Schwind (Juristische Fakultät, Lehrstuhl für Kriminologie, Strafvollzug und Kriminalpolitik) in einer repräsentativen Befragung der Bochumer Bevölkerung 1999 nachgegangen. Ergebnis: Obwohl die Gewaltkriminalität seit 1987 stark zugenommen hat, sind die Unsicherheitsgefühle der Bürger nicht gestiegen.

Bochum, 28.03.2000
Nr. 75


Unsicherheitsgefühle in Bochum nicht gestiegen
Frauen und ältere Menschen haben mehr Angst
RUB-Studie befragt Bürger zur Kriminalität


Wie sicher fühlen sich die Bochumer in ihrer Heimatstadt? Fürchten sie, Opfer eines Verbrechens zu werden? Versuchen sie sich durch bestimmtes Verhalten zu schützen? Diesen und anderen Fragen rund um die Kriminalitätsfurcht sind RUB-Kriminologen um Prof. Hans-Dieter Schwind (Juristische Fakultät, Lehrstuhl für Kriminologie, Strafvollzug und Kriminalpolitik) in einer repräsentativen Befragung der Bochumer Bevölkerung 1999 nachgegangen. Ergebnis: Obwohl die Gewaltkriminalität seit 1987 stark zugenommen hat, sind die Unsicherheitsgefühle der Bürger nicht gestiegen. Und das obwohl ihre Einschätzung der Häufigkeit schwerer Gewalttaten zu hoch lag (etwa Tötungsdelikte, 250fach zu hoch).

Fahrräder und Autos werden immer gut abgeschlossen

Die Furcht vor Gewalttaten kann sich in verschiedenen Bereichen ausdrücken: sowohl in Einschätzungen als auch in Gefühlen und im Verhalten. Ein Großteil der Bochumer Befragten schätzt, dass die Kriminalität bundesweit in den letzten fünf Jahren zugenommen habe. Im eigenen Wohngebiet glaubten sie aber eher an eine Stagnation der Kriminalität. Nichtsdestotrotz fühlten sich fast die Hälfte der Befragten (48,3%) 1999 nachts außerhalb der Wohnung in der eigenen Wohngegend "sehr unsicher" oder "ziemlich unsicher". Frauen und ältere Menschen leiden stärker unter Unsicherheitsgefühlen als Männer und jüngere Personen. 22,4 Prozent der Befragten hielten es für wahrscheinlich, im nächsten Jahr einer Raubtat zum Opfer zu fallen, bezogen auf Diebstahl, Einbruch oder Körperverletzung waren es um die 30 Prozent. Diese Furcht schlägt sich auch im Verhalten der Bochumer nieder: In der Stadt scheint es selbstverständlich zu sein, PKW und Fahrräder immer abzuschließen, sowohl 1987 wie auch 1999 gaben über 90 Prozent der Stu-dienteilnehmer an, dies zu tun. Der Trend, Türen und Fenster durch zusätzliche Sicherungen zu schützen, hat dagegen von 44,5 Prozent 1987 auf 33,3 Prozent 1999 abgenommen. Über die Hälfte der Befragten (54,7%) meidet (wie auch schon 1987: 52,0%) bestimmte Gegenden ihrer Stadt grundsätzlich, was wiederum auf Frauen häufiger zutrifft (60,2%) als auf Männer (48,9%). 45,5 Prozent weichen herumstehenden Jugendlichen aus, 38,2 Prozent gehen Ausländern aus dem Weg.

Opfer müssen Straftat bewältigen

Die Studie berücksichtigt neben den Einschätzungen, den Gefühlen und dem Verhalten der Bürger auch ihre eigene Erfahrung: Hat jemand, der schon einmal Opfer einer Straftat war, mehr oder weniger Furcht vor der Kriminalität? 26,5 Prozent der Befragten gaben an, in den letzten fünf Jahren einer Straftat zum Opfer gefallen zu sein. Diese Gruppe glaubte zwar eher als die Gruppe der Nicht-Opfer, erneut Opfer zu werden, fühlte sich aber insgesamt nicht unsicherer. Dieses Gefühl hängt aber damit zusammen, ob die erlittene Straftat bewältigt war oder nicht. Personen, bei denen die Bewältigung misslungen war, hatten ein stärkeres Un-sicher-heitsgefühl als Nicht-Opfer.

Straßenlaternen beruhigen Anwohner

Die Wissenschaftler interessierten sich auch dafür, ob ökologische Gesichtspunkte die Kriminalitätsfurcht der Bevölkerung beeinflussen. Sie fragten die Bochumer z. B. nach ihrer Zufriedenheit mit der Helligkeit der Straßenbeleuchtung. Es stellte sich heraus, dass ein Viertel der Befragten die Beleuchtung in ihrer Wohngegend als "zu dunkel" empfinden, 6,6 Prozent sogar als "viel zu dunkel". Gut zwei Drittel (67,6%) der Teilnehmer fanden sie "hell genug" (1987 waren das noch 79,5%). Befragte, denen die Straßenbeleuchtung nicht hell genug war, äußerten dabei verstärkte Unsicherheitsgefühle. Die kostenbedingte Reduzierung der Straßenbeleuchtung in den letzten Jahren erscheint so in einem problematischen Licht.

Verkehrsrüpel, Müll und kaputte Telefonzellen stören

In der Befragung wurden die Bürger außerdem um eine Einschätzung bestimmter Verfallserscheinungen ihres sozialen Umfelds gebeten. 39,6 Prozent der Bochumer empfanden undisziplinierte Autofahrer als "großes Problem" oder sogar "sehr großes Problem". Ebenso sehr stören zerstörte Telefonzellen, Schmutz und Müll ein knappes Viertel der Befragten (24,2% bzw. 22,6%). Leerstehende Gebäude und Autowracks hingegen sind für die Mehrheit der Bochumer Bürger "kein Problem". Interessanterweise sehen ältere Leute und Nicht-Deutsche die Sache gelassener als Jüngere und Deutsche.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Hans-Dieter Schwind, Juristische Fakultät der Ruhr-Universität-Bochum, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-25245, Fax: 0234/32-14-328

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