Studium, Ausbildung und Beruf

web uni-protokolle.de
 powered by
NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenSamstag, 20. Dezember 2014 

Kinderärzte bekämpfen Allergien und Asthma

06.04.2000 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse und Erfahrungen aus der Praxis rund um Lungenkrankheiten, Allergien und Asthma im Kindesalter stehen im Mittelpunkt der gemeinsamen Jahrestagung der Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie (GPP) und der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie (GPA). Die Veranstaltung mit zahlreichen Hauptvorträgen, 33 Kurzvorträgen und über 70 Posterpräsentationen dient sowohl zur Fortbildung der Fachärzte als auch zu ihrer Schulung in neuen Techniken und zum Erfahrungsaustausch zwischen niedergelassenen Kinderärzten.

Bochum, 606.04.2000
Nr. 88

Kinderärzte bekämpfen Allergien und Asthma
Neue Methoden für Diagnostik und Therapie
Fortschritte in der Tuberkulose-Forschung


Neue wissenschaftliche Erkenntnisse und Erfahrungen aus der Praxis rund um Lungenkrankheiten, Allergien und Asthma im Kindesalter stehen im Mittelpunkt der gemeinsamen Jahrestagung der Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie (GPP) und der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie (GPA). Die Veranstaltung mit zahlreichen Hauptvorträgen, 33 Kurzvorträgen und über 70 Posterpräsentationen dient sowohl zur Fortbildung der Fachärzte als auch zu ihrer Schulung in neuen Techniken und zum Erfahrungsaustausch zwischen niedergelassenen Kinderärzten. Bei einer Ausstellung der pharmazeutischen Industrie haben die ca. 1000 Teilnehmer außerdem die Möglichkeit, sich über neue Medikamente zu informieren.

Globalisierung und Resistenz der Bakterien fördern Tuberkulose

Ein erstes Hauptthema der Tagung sind Lungeninfektionen mit Tuberkulosebakterien. Die seit Jahrhunderten als Schwindsucht bekannte "klassische" Tuberkulose, die durch sogenannte "typische" Tuberkulosebakterien ausgelöst wird, ist wieder auf dem Vormarsch: Die Globalisierung, die Einwanderung aus tuberkulosegefährdeten Gebieten der Welt und besonders auch die zunehmende Resistenz der Erreger gegen Antibiotika begünstigen ihre Ausbreitung. Weniger gefährlich als diese "typischen" Bakterien sind die "atypischen", die jedoch gerade für Kinder und ältere Menschen mit schwacher Immunabwehr ein Risiko darstellen. Auf diesem Gebiet gibt es große medizinische Fortschritte: Zum einen hat sich die Diagnose der Tuberkulose wesentlich verfeinert, zum anderen können Ärzte Immunmangelerkrankungen heute frühzeitig entdecken und Risikopersonen besser schützen. Einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der Tuberkulose leistete der Pariser Wissenschaftler Dr. Casanova: Er entdeckte einen speziellen Immundefekt, der die betroffenen Patienten nahezu ausschließlich für Tuberkelbakterien anfällig macht, und wird auf der Tagung darüber berichten.

Asthmarisiko: frühzeitig erkennen, effektiv vorbeugen

Das kindliche Asthma, eine der allergischen Erkrankungen, an denen mittlerweile jedes vierte Kind leidet, stellt einen zweiten Schwerpunkt der Veranstaltung dar. In den letzten Jahren ist die Vorhersagbarkeit des Bronchialasthmas bei Säuglingen und Kleinkindern besser geworden: Naheliegender Weise erlaubt die erbliche Vorbelastung dem Arzt Rückschlüsse auf ein Risiko - leiden Eltern oder Geschwister an einer allergischen Erkrankung, erhöht sich das Risiko für ein Kind. Aber auch beim Patienten selbst können die Ärzte mittlerweile Faktoren ausmachen, die ein Risiko anzeigen und eine frühzeitige Prophylaxe und Therapie ermöglichen. Neue Untersuchungen beschäftigen sich auch mit dem Einfluss des früheren Lebenswandels auf die Entstehung von Allergien und Asthma: Während z. B. das Leben auf einem Bauernhof und eine antroposophische Lebensweise das Risiko verringern, wird es durch Zigarettenrauchexposition erhöht. Ein besonderes Interesse der Wissenschaftler gilt auch der Rolle von Virusinfektionen bei der Asth-ma--entstehung. Die meisten Viren sind hier zwar harmlos; eine Bochumer For-schergruppe hat jedoch herausgefunden, dass das sogenannte RSV-Virus das Abwehrsystem so beeinflussen kann, dass die Entstehung von Allergien begünstigt wird.

Schulung in neuen Methoden

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse aus Deutschland, Österreich und der Schweiz betreffen zumeist die bessere Diagnostik von Bronchialasthma. So ist es z. B. möglich, aus der Ausatemluft Rückschlüsse auf eine Entzündung in den Bronchien zu ziehen, Atemstörungen bei Kindern zu untersuchen und bessere Therapieformen zu entwickeln. Der Notwendigkeit einer steten Fortbildung, die diese Vielzahl neuer Erkenntnisse mit sich bringt, begegnet die Tagung mit verschiedenen Arbeitsgruppen: Hier können die Teilnehmer z. B. neue Formen von Allergie-Hauttests kennen lernen, sich über die Hyposensibilisierungstherapie informieren und die Durchführung der Lungenfunktion bei Kindern lernen.

Forum für Spezialisten

Die Tagung bietet außerdem den relativ wenigen niedergelassenen Kinderärzten, die sich auf die Behandlung von Lungenleiden und Allergien spezialisiert haben, ein dringend benötigtes Forum, in dem sie ihre Standards vergleichen, Praxiserfahrungen austauschen und auch Fragen der Wirtschaftlichkeit diskutieren können. Kontakt zwischen der pharmazeutischen Industrie und den Medizinern soll eine Industriemesse herstellen, auf der allergologisch und pneumologisch tätige Firmen neue Entwicklungen und Produkte vorstellen und die Ärzte darüber informieren.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Christian Rieger, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des St. Josef-Hospitals, Klinikum der Ruhr-Universität-Bochum, Alexandrinenstr. 5, 44791 Bochum, Tel. 0234/509-2610, Fax: 0234/509-2612

uniprotokolle > Nachrichten > Kinderärzte bekämpfen Allergien und Asthma

ImpressumLesezeichen setzenSeite versendenDruckansicht

HTML-Code zum Verweis auf diese Seite:
<a href="http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/57861/">Kinderärzte bekämpfen Allergien und Asthma </a>