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Nierentransplantation: zum Routineeingriff geworden - Modell für interdisziplinäre Zusammenarbeit

07.04.2000 - (idw) Charité-Universitätsmedizin Berlin

AUS DER MEDIZIN FÜR DIE MEDIEN 9-2000

Am Campus Mitte der Charité ist am 8. März die 500. Niere transplantiert worden. Empfängerin war eine 21 Jahre alte Frau, die seit ihrer Kindheit nierenkrank war und seit vier Jahren mit der Dialyse ("Künstlichen Niere") behandelt werden mußte. Ihr Vater hat ihr eine Niere gespendet, die ihm mit der schonenden, minimal-invasiven ("Schlüsselloch"-) Operationstechnik entnommen wurde. Vater und Tochter sind wohlauf und haben die Klinik inzwischen verlassen.
Nierentransplantationen werden an der Charité seit Ende der 60ger Jahre, zunächst in Zusammenarbeit mit der Urologischen Klinik im Krankenhaus Friedrichshain durchgeführt. Anfang der achtziger Jahre wurde diese Kooperation eingestellt und seither arbeiten auf diesem Feld drei Kliniken der Charité erfolgreich zusammen: Die "Klinik für Urologie", die "Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Nephrologie" und die "Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Nephrologie". Sie erwarben speziell Erfahrungen
-mit der Organtransplantation bei inzwischen 300 Kindern und Jugendlichen,
-mit der Verpflanzung von Nieren lebender Spender und
-mit der minimal-invasiven Technik zur Entnahme der Nieren von Lebendspendern.
Die Bereitschaft zur Lebendspende bei Nierentransplantationen wächst ständig. So stammen von den 500 übertragenen Nieren schon 86 Organe von Lebenden. Obwohl die Gewebeübereinstimmung (HLA-Matching) zwischen Spender und Empfänger bei Lebendspenden meist geringer ist als bei der Verwendung von Leichennieren, sind die Langzeitergebnisse nach Lebendspende besser. Dies hängt wahrscheinlich mit der Tatsache zusammen, daß bei Lebendspenden, die direkt nach Entnahme übertragen werden, lange Kühlzeiten und Transportwege entfallen. Die Niere nimmt gewöhnlich sofort ihre Funktion auf und produziert Harn, während Leichennieren oft erst mit Verzögerung zu arbeiten beginnen. Die Entnahme der Nieren durch Laparoskopie bei lebenden Spendern ist am Campus Mitte der Charité bisher 12 mal vorgenommen worden. Komplikationen traten in keinem Fall auf, weder beim Spender, noch an der entnommenen Niere, noch beim Empfänger. Das kosmetisch günstigere Operationsergebnis, kürzere Liegezeiten im Krankenhaus, weniger Schmerzen und frühere Rückkehr an den Arbeitsplatz sprechen für diese Technik, die aber nicht bei allen Spendern, insbesondere nicht bei stark übergerwichtigen möglich ist.
Auch am Campus Virchow-Klinikum der Charité werden Nieren verpflanzt. In der "Klinik für Allgemein-, Visceral- und Transplantationschirurgie"sind seit 1988 317 Nieren zum Teil in Kombination mit anderen Organen transplantiert worden: So erhielten 92 Patienten eine Niere zusammen mit einer Bauchspeicheldrüse und bei weiteren 31 Nierenempfängern wurde gleichzeitig eine Leber übertragen. Außerdem wurden 37 Organe von Lebenden verpflanzt.
Die Zusammenarbeit der beiden Standorte und der Fortschritt auf dem Gebiet der Transplantation werden durch die ständige, gemeinsame, interdisziplinäre Transplantationskonferenz gefördert, die alle 14 Tage stattfindet.
Silvia Schattenfroh
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Charité
Medizinische Fakultät der
Humboldt Universität zu Berlin

Dekanat
Pressereferat-Forschung
Dr. med. Silvia Schattenfroh
Augustenburger Platz 1
13353 Berlin

FON: (030) 450-70 400
FAX: (030) 450-70-940

e-mail: silvia.schattenfroh@charite.de
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