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Abstand der Erwerbstätigenquoten nimmt weiter zu

13.04.2000 - (idw) Institut für Wirtschaftsforschung Halle

Der Abstand der Erwerbstätigenquoten zwischen Ost- und Westdeutschland hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen, und dieser Prozess wird sich auch in Zukunft noch fortsetzen. Der Abstand betrug 1999 etwa 7,5 Prozentpunkte, wenn man einmal die Personen, die im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen gefördert wurden, außer Betracht lässt. Bis zum Jahr 2001 wird sich dieser Abstand auf etwa 9 Prozentpunkte erhöhen.
Erschienen in: IWH-Wirtschaft im Wandel 5/2000 oder unter www.iwh.uni-halle.de)

Der Abstand der Erwerbstätigenquoten zwischen Ost- und Westdeutschland hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen, und dieser Prozess wird sich auch in Zukunft noch fortsetzen. Der Abstand betrug 1999 etwa 7,5 Prozentpunkte, wenn man einmal die Personen, die im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen gefördert wurden, außer Betracht lässt. Bis zum Jahr 2001 wird sich dieser Abstand auf etwa 9 Prozentpunkte erhöhen.
Berücksichtigt man allerdings, dass in Ostdeutschland zuletzt knapp die Hälfte der öffentlich geförderten Personen auf der Grundlage von Lohnkostenzuschüssen für Wirtschaftsunternehmen (SAM OfW) tätig war, dann relativiert sich das Bild ein wenig. Auf der Basis dieses Instruments konnten bis Juli 1999 alle Personen gefördert werden, die vor einer Neueinstellung arbeitslos gemeldet waren, sofern der einstellende Betrieb in einem Zeitraum von 6 Monaten vor der Einstellung seine Belegschaftsstärke nicht reduziert hatte und eine betriebsgrößenabhängige Höchstzahl von SAM-OfW-Geförderten nicht überschritt. Da die Förderrestriktionen relativ gering waren, ist davon auszugehen, dass das Instrument bei einem Großteil der Neueinstellungen in Anspruch genommen wurde, auch wenn die Einstellung ohnehin erfolgt wäre. Im Umfang dieser Mitnahmeeffekte wäre die Zahl der Erwerbstätigen im ersten Arbeitsmarkt nach oben zu korrigieren. Über das quantitative Ausmaß solcher Mitnahmeeffekte liegen allerdings keine verlässlichen Schätzungen vor.
Hinzu kommt, dass in Ostdeutschland ein deutlich höherer Prozentsatz von Erwerbstätigen einer Vollzeit-Erwerbstätigkeit nachgeht als dies im Westen der Fall ist. In der Erwerbstätigenquote ist jede Person berücksichtigt, die mindestens eine Stunde pro Woche einer Erwerbstätigkeit nachgeht. Die höhere Erwerbstätigenquote in Westdeutschland erklärt sich somit auch aus einem vergleichsweise hohen Anteil geringfügig Beschäftigter. Zu den Ursachen für die in Ostdeutschland niedrigere Quote der teilzeit und geringfügig Beschäftigten kommt unter anderem in Betracht, dass das Einkommen aus solchen Tätigkeiten auf Lohnersatzeinkommen wie beispielsweise die Sozialhilfe angerechnet wird. Es ist durchaus denkbar, dass sich die davon ausgehenden negativen Arbeitsanreize angesichts der hohen Zahl von Lohnersatzeinkommensbeziehern in Ostdeutschland in nennenswertem Umfang auf die Erwerbstätigenquote auswirken.

Hilmar Schneider
Institut für Wirtschaftsforschung Halle
Abteilung Arbeitsmarkt
Tel. (0345) 77 53 770
(his@iwh.uni-halle.de)
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