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Internationale Konferenz zur Gentherapie der Haut bringt 300 Gäste aus 20 Ländern nach Essen

14.04.2000 - (idw) Universität Essen (bis 31.12.2002)

Rund 300 Wissenschaftler aus 20 europäischen und außereuropäischen Ländern sowie Vertreter von Gesundheits- und Patentbehörden sind heute (Freitag,
14. April) und morgen in Essen versammelt, um aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse über die Gen-Technologie und die Gen-Therapie der Haut auszutauschen, aber auch, um über ethische und patentrechtliche Probleme und die Risiken für die Patienten zu diskutieren. Es ist das erste Symposium dieser Art in Deutschland. Organisatoren sind der Direktor der Hautklinik des Essener Universitätsklinikums, Professor Dr. Manfred Goos, und Privatdozent Dr. Ulrich Hengge.

98/2000
14. April 2000

Die Gentherapie ist eine junge Forschungsrichtung, bei der die benötigten Werkzeuge oder Baustoffe nach Zuführung der entsprechenden Erbinformation (DNA oder Nukleinsäuren) im Körper hergestellt werden. Das therapeutisch zugefügte Erbmaterial (Gen) enthält die Information zur Herstellung eines Genproduktes (Protein), das entweder zur Behandlung einer Systemerkrankung des Körpers, zum Beispiel einem Mangel an Blutgerinnungsfaktoren, oder zur Therapie von angeborenen Erkrankungen des Hautorgans dient.

Auch zur Immunisierung u. a. gegen Allergien und Krebs kann die Haut erfolgreich eingesetzt werden. Die Vorteile der Haut bestehen in der leichten Zugänglichkeit sowie in der potenten Synthese- und in den ausgeprägten Immunfunktionen der Haut.

Das genetische Material (Erbinformation) kann in verschiedener Form in die Haut gebracht werden. Neben dem direkten Transfer - wie durch Injektionen, was im Allgemeinen auf kleinere Anwendungsbereiche beschränkt ist - lässt sich die Erbinformation mit Hilfe bestimmter Gentaxis (Vektoren) in eine große Anzahl von im Labor kultivierten Zellen bringen. Nach dem Gentransfer können diese Hautzellen als Hauttransplantat dem Spender zurückgegeben werden. Das durch den Gentransfer veränderte Transplantat kann dann das Genprodukt für mehrere Monate - bei angeborenen Erberkrankungen oder Stoffwechselerkrankungen - direkt im Wirtsorganismus herstellen. Je nach Anwendung kann auch eine kurzzeitige Herstellung - etwa bei der Impfung oder bei der Wundheilung - erwünscht sein.

Zu den zentralen Themen der Konferenz der Universitäts-Hautklinik Essen gehören die Impfung gegen den schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom). Ansatz der Gentherapie ist hier, dass Oberflächenmoleküle von bösartigen Melanomzellen zusammen mit geeigneten Botenstoffen des Immunsystems in der Haut hergestellt und dem hauteigenen Immunsystem präsentiert werden. Nach Erkennung der bösartigen Oberflächeneigenschaften entwickelt sich eine Immunabwehr sowohl in Form von spezifischen Lymphzellen als auch von Antikörpern (lösliche Abwehrstoffe) gegen den Krebs. Die Arbeitsgruppe von Professor Mary Collins, London, stellt auf dem Symposium klinische Ergebnisse vor, nach denen bei Patienten durch diese Art der Therapie teilweise ein Verschwinden dieser bösartigen Tumore nachgewiesen werden konnte. Die Arbeiten von Professor Collins optimieren die Wahl des entsprechenden Gentaxis, um die Informationen in die Zelle der Haut zu bringen, während Michael Lotze, Pittsburgh, USA, in seinen Studien die optimalen Botenstoffe für Lymphzellen (Zytokine) erforscht. Die Optimierung beider Systeme verspricht eine deutliche Steigerung der erwünschten Antitumor-Wirkung.

Die Kontrolle der entsprechenden Gentaxis hinsichtlich ihrer Aktivität ist Ziel der Arbeiten von Professor Hermann Bujard vom Zentrum für Molekulare Biologie in Heidelberg. Bujard stellt sein bereits patentiertes System vor, während die Ar-beitsgruppe von Professor Jean-Paul Behr und Dr. Jean-Serge Remy, Frankreich, zeigt, wie sie das Gentaxi an die entsprechenden Zielzellen lenkt. Auch durch diese Methode wird die immun-aktivierende Wirkung selektiv gesteigert.

Ähnliche Ansätze wie bei der Behandlung des schwarzen Hautkrebses gibt es auch bei der Therapie des Eierstockkrebses. Diese stellt Professor Ingo Runnebaum, Freiburg, vor, während sich die Essener Doktoren Brigitte Pützer und Bertram Opalka mit der Wahl und Verbesserung der geeigneten Werkzeuge (therapeutisch aktive Gene) beschäftigen.

Ein weiteres Highlight der Konferenz dürfte die Diskussion über die Impfung gegen Allergien, zum Beispiel Heuschnupfen, sein. Damit befasst sich in klinischen Studien unter anderem die Arbeitsgruppe von Professor Eyal Raz, San Diego, USA. Bei dieser Therapie wird nackte Erbsubstanz (DNA) in die Haut gespritzt. In der Folge entstehen hierbei Immunantworten, die die Überempfindlichkeit gegen Allergien dämpfen helfen. Auf diese Weise können die Anzahl der "Niesattacken" und die Häufigkeit der verstopften oder laufenden Nase vermindert werden. Diese Technologie, die zusammen mit einem der beiden Veranstalter, Privatdozent Dr. Hengge, entwickelt wurde, ist besonders einfach anzuwenden und in zahlreichen Sicherheitsuntersuchungen als patientengeeignet charakterisiert worden. Ulrich Hengge stellt auf dem Symposium aber auch seine Arbeiten zur Aufnahme von DNA in die Haut und in die Haarwurzeln mit geeigneten Gentaxis (u. a. nackter "DNA") vor.

Noch keine vorbeugende Impfung gibt es gegen HIV/AIDS. Die zwei Gruppen, die sich weltweit vorrangig auf diesem Gebiet einen Namen gemacht haben - Professor Britta Wahren, Stockholm, und Professor David Weiner, Pennsylvania, - werden in Essen aber die ersten Resultate einer Impfung gegen HIV/AIDS vorstellen, die ebenfalls auf dem Therapieprinzip mit Erbsubstanz (Impfung mit DNA) beruht.

Großes Interesse wird auch die Diskussion ethischer und patentrechtlicher Probleme sowie möglicher Risiken der Gentherapie für Patienten finden. Professor Klaus Cichutek vom Paul Ehrlich-Institut in Langen wird die im Zusammenhang mit einer Gentherapie in Europa geltenden Vorschriften und Sicherheitsuntersuchungen erläutern. Die weitreichenden Auswirkungen der Patentierung des inzwischen aufgeschlüsselten menschlichen Genoms sowie deren Bedeutung für Forschung, Politik und technologischen Fortschritt stellt Dr. Lutz van Raden vom Deutschen Patentgericht in München zur Diskussion.

Redaktion: Monika Rögge, Telefon (02 01) 1 83-20 85

Weitere Informationen: PD Dr. Ulrich Hengge, Dr. Telefon (02 01) 7 23-36 34
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