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Ein Leben für die Kinderneuropsychiatrie -

18.04.2000 - (idw) Universität Rostock

Professor em. Dr. med. Gerhard Göllnitz wird 80 Jahre

Der 28. April wird ein anstrengender Tag für den Jubilar in Warnemünde, wenn alle gratulieren, die sich dankbar verbunden fühlen. Geboren und aufgewachsen in Güstrow, studierte G. Göllnitz in Rostock Medizin, legte im Februar 1945 sein Staatsexamen ab und wurde zu einer Rostocker Arztpersönlichkeit mit internationalem Rang. Der junge, neurologisch ambitionierte Assistenzarzt nahm 1946 eine Stelle an der Universitätsnervenklinik unter Professsor Heygster und all die Herausforderungen an, die die Wirren des Nachkriegs für Klinik, Lehre und Forschung mit sich brachten. Wie in den meisten Nervenkliniken Deutschlands wurden auch in Rostock Kinder und Jugendliche mit neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen auf Erwachsenenstationen mehr schlecht als recht betreut. Diese Misere zu ändern, begann Dr. Göllnitz 1951 Vorlesungen über die Kinderpsychiatrie zu halten, wurde 1952 zum Oberarzt ernannt und habilitierte im gleichen Jahr über die "Bedeutung der frühkindlichen Hirnschädigung für die Kinderpsychiatrie". Das Buch gilt als Markstein der empirischen Hirnschadenforschung und ließ über Grenzen hinweg aufhorchen. 1958 war er am Ziel. Er bekam - erstmals in Deutschland - eine Professur für Kinderpsychiatrie und sein "Kinderhaus" den Status einer selbständigen Abteilung.
Dank seiner Weitsicht und seines Engagements folgte fast drei Jahrzehnte lang eine beispielgebende wissenschaftliche und fachpolitische Tätigkeit zur Etablierung des eigen-ständigen Fachgebietes Neuropsychiatrie des Kindes- und Jugendalters. Er wurde zum Wegbereiter einer Psychologie in der Medizin. Er erwirkte für Nerven- und Kinderärzte 1974 eine gesetzliche Subspezialisierung, die nach der deutschen Vereinigung dem Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie gleichgestellt wurde. In seinen Händen lag die DDR-weite Koordination der fachspezifischen Forschung. Von ihm stammt ein grund-legendes Lehrbuch, das 1992 in fünfter Auflage erschien. Unter seiner Schirmherrschaft habilitierten neun Mitarbeiter, sechs wurden zu Professoren ernannt. Trotz Grenzen und Mauer hat er es meisterhaft verstanden, Kontakte zur Fachwelt aufzubauen und die Internationalität der Wissenschaft unter widrigen Umständen zu wahren. Ihm verdanken nicht nur Generationen von Kinderneuropsychiatern eine weitreichende fachliche Identität, sondern auch Klinische Psychologen und Heilpädagogen. Seine MitarbeiterInnen erinnern sich gern an die produktive und kollegiale Zusammenarbeit unter ihrem Nestor. Dazu wird insbesondere eine Ehrung Anlass geben, wenn die Bundesarbeitsgemeinschaft der leitenden Klinikärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie und der jetzige Lehrstuhlinhaber, Prof. Dr. Jörg Fegert, zu einer Festveranstaltung im Barocksaal am 5. Mai 2000 einladen.
Prof. Dr. Bernhard Meyer-Probst

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