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Schonende Radioimmuntherapie

20.04.2000 - (idw) Universität Ulm

Schonende Radioimmuntherapie
Interne Bestrahlung des Knochenmarks vor Stammzelltransplantation

Die meisten Patienten mit Hochrisiko-Leukämien können mit Blutstammzelltransplantation nur vorübergehend erfolgreich therapiert werden: ein relativ hoher Anteil dieser Patienten verstirbt am erneuten Auftreten (Rezidiv) der Leukämie. Zudem erfordert die Blutstammzelltransplantation mit Fremdspendermaterial eine intensive Vorbehandlung mit Chemotherapie und Ganzkörperbestrahlung, die mit beträchtlichen Nebenwirkungen behaftet sind. In der Abteilung Nuklearmedizin der Universität Ulm (Ärztlicher Direktor Prof. Dr. Sven N. Reske) wurde von Dr. Inga Buchmann in Zusammenarbeit mit PD Dr. Donald Bunjes (Abteilung Hämatologie, Onkologie, Infektionskrankheiten und Klinische Immunologie, Ärztlicher Direktor Prof. Dr. Hartmut Döhner) nun eine neue, erheblich schonendere Methode der Radioimmuntherapie entwickelt, eine "interne" Bestrahlung des Knochenmarks vor Stammzelltransplantation.

Angehängt an einen monoklonalen Antikörper (Maus-Antikörper), der sich selektiv an die blutbildenden Zellen im Knochenmark anlagert, können Elektronen-abstrahlende Teilchen von nur 4 bis 5 mm Reichweite in das Zielgebiet dirigiert werden. Es handelt sich dabei um das Isotop 188Rhenium, das fast ausschließlich Beta-Strahlung abgibt. Dadurch werden die im Knochenmark befindlichen Leukämiezellen abgetötet und - was für die Stammzelltransplantation ebenfalls erforderlich ist - die normale Blutbildung weitgehend ausgeschaltet. Dies sind wichtige Voraussetzungen dafür, daß die Blutbildung aus den Blutstammzellen des Fremdspenders in Gang kommt.

Der besondere Vorteil der hier gewählten Bestrahlungsart mit 188Rhenium besteht in der weitgehenden Schonung der übrigen Gewebe des Körpers, die bei konventioneller Bestrahlung erheblich in Mitleidenschaft gezogen werden. In den vergangenen zwei Jahren wurden in Ulm über 60 Patienten aus dem gesamten Bundesgebiet mit dieser neuen Therapie behandelt. Die Patienten stuften bei gezielter Befragung die Behandlung ausnahmslos als schonend und deutlich angenehmer denn die konventionelle Therapie ein. Dr. Inga Buchmann erhielt für ihre Arbeiten, die von der Deutschen Krebshilfe und der Josè-Carreras-Stiftung unterstützt werden, den Preis für das beste klinische Poster anläßlich der 38. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin in München.
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