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Symposium zur Xenotransplantation: Neue Forschungsergebnisse in der Diskussion

05.05.2000 - (idw) Paul-Ehrlich-Institut (Federal Agency for Sera and Vaccines)

Es müssen noch viele Hürden überwunden werden, bevor tierische Organe auf den Menschen übertragen werden können, was als Xenotransplantation bezeichnet wird. Das ist die Kernaussage des Minisymposiums "Xenotransplantation", das die Deutsche Arbeitsgemeinschaft Xenotransplantation (DAX) zum dritten Mal am Paul-Ehrlich-Institut in Langen veranstaltet hat. Dennoch sind Fortschritte zu erkennen. "Inzwischen interessieren sich internationale Gremien wie der Europarat oder die Europäische Arzneimittelkommission für die Chancen und Risiken der Xenotransplantation", so Prof. Johannes Löwer, Leiter des Paul-Ehrlich-Instituts in seiner Eröffnungsrede. Diese internationale Zusammenarbeit sei wichtig, um Qualität, Wirksamkeit und Sicherheit in der Zukunft weltweit auf einheitlichem Niveau zu gewährleisten.

Rund 60 Fachleute aus Forschung und Klinik diskutierten auf dem Symposium im Paul-Ehrlich-Institut die Chancen, die Forschungserfolge und die Risiken der Xenotransplantation. Um zukünftig eine sichere Anwendung der Xenotransplantation in der klinischen Praxis gewährleisten zu können, wird in Deutschland und in anderen Ländern an Richtlinien gearbeitet. So berichtete Prof. Karin Ulrichs von der Universitätsklinik Würzburg, Lehrstuhl für Experimentelle Transplantationsimmunologie, über entsprechende Aktivitäten des Europarats. Prof. Ulrichs leitet gemeinsam mit Prof. Claus Hammer die Kommission Xenotransplantation bei der Deutschen Transplantationsgesellschaft.

Ein zentrales Thema des Symposiums war die mikrobiologische Sicherheit der neuen Technik. Nach bisherigen Erkenntnissen sind Schweine als potenzielle Spendertiere besonders gut geeignet. Mit dem Xenotransplantat können Viren übertragen werden, die für das Schwein ungefährlich sind, aber beim Menschen neue Erkrankungen hervorrufen könnten. Als Beispiel beschrieb Dr. Bernhard Ehlers vom Robert Koch-Institut in Berlin neue Herpesviren.

Dazu kommen die endogenen Retroviren des Schweins (PERV), die im Erbgut verankert sind und daher vererbt werden. Sie werden mit dem Organ auf den Empfänger übertragen. Am Paul-Ehrlich-Institut beschäftigen sich die Arbeitsgruppen der beiden Organisatoren des Meetings, Dr. Joachim Denner und Dr. Ralf Tönjes, mit dieser möglichen Gefährdung. Sie wollen die Frage klären, ob die Retroviren in den Patienten Immunschwächeerkrankungen oder Krebs auslösen können.

Beide Forschungsgruppen haben jetzt sehr empfindliche Nachweismethoden für Infektionen mit diesen Viren entwickelt, die bei der experimentellen und klinischen Xenotransplantation angewendet werden können. Diese Methoden sind neu und sowohl für Tiermodelle, die der Risikoeinschätzung dienen, als auch für bereits durchgeführte Xenotransplantationen am Menschen von Bedeutung.

Beide Gruppen konnten weiterhin zeigen, dass sich die PERVs an menschliche Zelllinien anpassen und nachfolgend immer besser vermehren können.

Dr. Gillian Langford von Imutran/Novartis Pharma, Cambridge, Großbritannien berichtete, dass bei Patienten, die Zellen oder Haut vom Schwein erhielten, oder die mit Schweineorganen außerhalb des eigenen Organismus verbunden waren, keine Infektionen mit PERV beobachtet wurden. Auch wenn dies positiv bewertet werden muss, darf man nicht übersehen, dass die bisherigen Behandlungen sich wesentlich von der Situation bei der Übertragung ganzer Organe unterscheiden:

Wenn ganze Organe übertragen werden,
- muss das Immunsystem des Patienten mit Medikamenten unterdrückt werden,
- ist die Anzahl der übertragenen Zellen sehr viel größer als in den bisher durchgeführten Versuchen,
- soll das Organ sehr lange im Patienten verbleiben, was bisher nicht der Fall war und
- wird mit transgenen Schweinen gearbeitet.
Diese Faktoren könnten eine Infektion mit den Viren erlauben, da sie intensiver und direkter mit dem Körper in Kontakt kommen.

Der zweite zentrale Punkt des Symposiums war die Notwendigkeit, neue Strategien zur Überwindung immunologischer Abstoßungsreaktionen zu entwickeln. Neben der medikamentösen Immunsuppression kommt hier vor allem die Toleranzinduktion in Frage, über die Dr. Clive Patience von BioTransplant, Boston, USA berichtete.

Alle Experten waren sich einig, dass die Forschung im Bereich der Xenotransplantation noch intensiver werden muss. Es würde einen großen Fortschritt bedeuten, Organe vom Schwein auf den Menschen übertragen zu können. Damit könnte dem eklatanten und ständig wachsenden Mangel an Spenderorganen abgeholfen werden. Rund 11.000 Patienten stehen in Deutschland auf der Warteliste für eine neue Niere, rund 2.000 sind es für ein neues Herz oder eine neue Leber. Ungefähr 25 Prozent der Patienten auf der Warteliste sterben, bevor sie ein neues Organ erhalten.

Beim diesjährigen Meeting feierte die DAX, die von den Veranstaltern Joachim Denner und Ralf Tönjes geleitet wird, ihren dritten Geburtstag. Die DAX plant, in enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Transplantationsgesellschaft und mit internationalen Gremien wie OECD (Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit) und WHO (Weltgesundheitsorganisation), Richtlinien für die präklinische und klinische Prüfung zu erarbeiten. Kontrollierte und international harmonisierte Rahmenbedingungen sollen ermöglichen, dass die Xenotransplantation eines Tages klinische Realität wird. Vorbedingung ist jedoch, die bisher noch existierenden immunologischen und virologischen Probleme zu bewältigen.

Haben Sie noch Rückfragen? Wenden Sie sich bitte an Dr. Susanne Stöcker

Tel: +49/6103 / 77 1030 oder Fax: +49/6103 / 77 1262 oder e-mail: stosu@pei.de
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