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VDI-Präsident Prof. Hubertus Christ fordert eigenen Technik-Unterricht

11.05.2000 - (idw) Technische Universität Chemnitz

Einen eigenständigen Technik-Unterricht neben den naturwissenschaftlichen Fächern wie Physik oder Mathematik hat der Präsident des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI), Prof. Hubertus Christ, auf der "Chemnitzer Industrie Kontakte" gefordert. Dieses Fach sei in Großbritannien und Frankreich schon lange üblich. Deutschland dürfe hier nicht den Anschluss verlieren. Ferner setzte er sich für eine Verkürzung der Schulzeit auf zwölf Jahre ein. Die Berufsaussichten für junge Ingenieure bezeichnete er als hervorragend. Die Industrie könne aber auch auf ausländische Fachkräfte nicht verzichten. Deshalb unterstütze der VDI die Green Card, so Christ weiter.


Der Präsident des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI), Prof. Hubertus Christ, bei seiner Rede auf der "Chemnitzer Industrie Kontakte" (CIK 2000) - Foto: Dr. Bruno Lull
Fachsimpeln über die besten Wege zur Ausbildung junger Ingenieure: VDI-Präsident Prof. Hubertus Christ und der Physiker Prof. Günther Hecht, bis 1997 Rektor der Chemnitzer Uni, bei einem kleinen Imbiß am Rande der CIK 2000 - Foto: Dr. Bruno Lull Die Berufsaussichten für junge Ingenieure sind hervorragend. Das erklärte der VDI-Präsident Prof. Hubertus Christ kürzlich bei der "Chemnitzer Industrie Kontakte" (CIK 2000). Derzeit, so Christ, werden rund 60.000 Ingenieure pro Jahr benötigt. Dieser Trend werde auch in den kommenden Jahren anhalten. Weil die Zahl der Studienanfänger gesunken sei, könnten die Unis und Fachhochschulen aber nicht so viele Ingenieure bereit stellen. Der VDI unterstütze deshalb die Green Card und die Anwerbung ausländischer Fachkräfte. Deutschland mit seinem hohen Exportanteil müsse auch bereit sein, Arbeitskräfte zu importieren. Ausländische Ingenieure, die bei uns arbeiten, seien die besten Botschafter für deutsche Produkte.

Weil die Zahl der Arbeitsplätze etwa im Maschinenbau in den neunziger Jahren um 16 Prozent abnahm, sei in der Öffentlichkeit der Eindruck entstanden, man brauche keine Ingenieure mehr. Tatsächlich sei aber in dieser Branche der Umsatz um 40 Prozent und die Zahl der Ingenieure um 30 Prozent gestiegen. Vor zehn Jahren waren dort nur acht von hundert Beschäftigten Ingenieure, heute sind es bereits zwölf. Christ räumte ein, dass die Verbände und auch der VDI dies in der Vergangenheit nicht genügend heraus gearbeitet hätten. Mittlerweile habe man aber reagiert und gemeinsam die Kampagne Think-Ing ins Leben gerufen, die auch im Internet vertreten ist (http://www.think-ing.de/). Sie soll helfen, junge Leute für den Ingenieurberuf zu interessieren und die Zahl der Studienanfänger wieder deutlich zu steigern.

"Wir brauchen die Technik, um unseren Lebensstandard zu erhalten, und dazu brauchen wir Ingenieure," so Christ weiter. Der Ingenieur der Zukunft müsse nicht nur fachlich solide ausgebildet, sondern auch gesellschaftlich und sprachlich kompetent sein. Er müsse vernetzt denken und handeln können, seine Tätigkeit sei dynamisch und nicht statisch. Für die Schulen forderte er einen eigenständigen Technik-Unterricht, wie er in Großbritannien und Frankreich schon üblich sei. Der globale Wettbewerb sei mehr und mehr auch ein Wettbewerb zwischen verschiedenen Bildungssystemen. Hier dürfe Deutschland nicht den Anschluss verlieren. Dazu müsse der Unterricht auch gründlich entrümpelt werden - zwölf Jahre Schule seien genug.

In diesem Zusammenhang ging Christ auch auf die 52.000 arbeitslosen Ingenieure ein. Zwar sei die Hälfte von ihnen bereits über 55 Jahre, dennoch sei die Situation untragbar. Doch auch hier helfe der VDI: Er vermittle seit kurzem arbeitslose Ingenieure in ein sechsmonatiges Praktikum, das bei Bewährung in eine Festanstellung übergeht. Die Erfolgsquote bezifferte Christ mit 60 Prozent.

Die "Chemnitzer Industrie Kontakte" werden jedes Jahr vom Arbeitskreis Studenten und Jungingenieure des VDI an der TU Chemnitz organisiert. Dort stellen sich Unternehmen mit ihren beruflichen Perspektiven vor. Die TU Chemnitz war erst in vor kurzem in der Wochenzeitung "Die Zeit" als die "Perle der ostdeutschen Unis" bezeichnet worden.

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