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Am Schluß des Festaktes fällt die letzte Hülle

12.05.2000 - (idw) Deutsches Schiffahrtsmuseum

Bürgermeister Dr. Henning Scherf übergibt die fertig konservierte Bremer Hanse-Kogge am Mittwoch, 17. Mai 2000, der Öffentlichkeit - Ereignis lockt Konservatoren berühmter Schiffe zu einem öffentlichen Seminar nach Bremerhaven

Info-Service Nr. 10/00 vom 10.05.2000

Am Schluß des Festaktes fällt die letzte Hülle

Bürgermeister Dr. Henning Scherf übergibt die fertig konservierte Bremer Hanse-Kogge am Mittwoch, 17. Mai 2000, der Öffentlichkeit - Ereignis lockt Konservatoren berühmter Schiffe zu einem öffentlichen Seminar nach Bremerhaven

Als Bürgermeister Dr. Henning Scherf, Präsident des Senats der Freien Hansestadt Bremen und Vorsitzender des Verwaltungsrates der Stiftung Deutsches Schiffahrtsmuseum, am 8. März letzten Jahres einen roten Knopf drückte und damit das Abpumpen des größten archäologischen Tränkbades, das die Welt je gesehen hatte, in Gang setzte, hatte die letzte Phase der Konservierung der Bremer Hanse-Kogge von 1380 begonnen. Am kommenden Mittwoch (17. Mai 2000) ist auch die beendet und erneut der Bremer Landesvater gefragt: Am Ende eines Festaktes, der um 10.30 Uhr beginnt, wird er den wissenschaftlich bedeutendsten mittelalterlichen Schiffsfund überhaupt aus seiner silberfarbenen Verhüllung befreien.

Erst 1982, zwanzig Jahre nach der Entdeckung des kostbaren Wracks bei Baggerarbeiten in der Weser bei Bremen hatte der Naßholzexperte Dr. Per Hoffmann, Konservator am Deutschen Schiffahrtsmuseum (DSM) in Bremerhaven, mit dem Konservierungsverfahren loslegen können, dessen Dauer zunächst auf 30 Jahre angesetzt war. Drei Jahre später befürwortete ein internationales Expertenkolloquium eine neue Methode, mit der die Konservierung auf sechs bis sieben Jahre hätte verkürzt werden können. Geldmangel verzögerte jedoch die Umstellung auf zwei Bäder mit dem Mittel PEG (Polyethylenglykol) in zwei unterschiedlichen Modifikationen. Erst im letzten Jahr konnte die immerhin 23 Meter lange Kogge aus ihrem Aquarium befreit werden. Nun steht sie frei und von den Resten des zähflüssigen Mittels PEG 3000 gereinigt in ihrer eigens für sie gebauten Halle.

Die Wissenschaft mißt der Beendigung der Kogge-Konservierung ganz große Bedeutung bei: Nach Bremerhaven reisen aus mehreren Ländern und zwei Erdteilen die Konservatoren berühmter Schiffe wie der dänischen Wikingerschiffe, der weltbekannten "Wasa" in Stockholm, des in Australien gestrandeten Ostindienfahrers "Batavia" und der in Portsmouth ausgestellten "Mary Rose", deren Untergang König Heinrich der VIII. vom sicheren Land aus miterlebte und bei deren Bergung sogar Prinz Charles in Taucherausrüstung hinab in die Tiefe stieg. Die Forscher treffen sich zu einem zweitägigen öffentlichen Seminar zur Konservierung archäologischer Boots- und Schiffsfunde, das im Anschluß an die Enthüllung der Kogge beginnt. Alle Interessenten können daran teilnehmen.

P R O G R A M M

Mittwoch, 17. Mai 2000

10.30 Uhr Festakt

Begrüßung: Professor Dr. Detlev Ellmers, geschäftsführender Direktor des Deutschen Schiffahrtsmuseums

Grußworte: Oberbürgermeister Jörg Schulz, Bremerhaven

Festvortrag Professor Ole Crumlin Pedersen, Direktor af Nationalmuseets Marinarkaeologiske Forskningscenter Roskilde (Dänemark): "Die Bremer Kogge - ein Schlüssel zur Schiffbaugeschichte des Mittelalters" (auf englisch)

Festvortrag Dr. Ian D. MacLeod, Direktor des Department of Materials Conservation, Western Australian Museum, Perth, Australien, und Mitglied des Directory Board of the ICOM Committee for Conservation: "Das Bremer Kogge-Projekt - ein Wendepunkt in der Konservierung von mit Wasser vollgesogenen Holzschiffen" (auf englisch)

Übergabe der Hanse-Kogge an die Öffentlichkeit durch Bürgermeister Dr. Henning Scherf, Präsident des Senats der Freien Hansestadt Bremen und Vorsitzender des Verwaltungsrates der Stiftung Deutsches Schiffahrtsmuseum.

14.00 Uhr Beginn des öffentlichen Seminars zur Konservierung
archäologischer Boots- und Schiffsfunde

Begrüßung durch Dr. Per Hoffmann, Konservator am Deutschen Schiffahrtsmuseum

14.15 Uhr Dr. A. Mark Jones, The Mary Rose Trust, Portsmouth, England: "Ergebnis der Zwei-Schritte-PEG-Behandlung des Tory-Kriegsschiffe 'Mary Rose'" (auf englisch)

14.45 Uhr Civ. Ing. Bo Lundvall, Vasamuseet, Stockholm, Schweden: "Zweites Nachdenken über die Konservierung der 'Vasa'" (auf englisch)

15.15 Uhr Dr. Poul Jensen, Nationalmuseet Kopenhagen, Dänemark: "Gefriertrocknung eines Sieben-Meter-Einbaum Kanus" (auf englisch)

16.00 Uhr Sitzung des Experten-Kolloquiums

16.15 Uhr erste Fahrt des Kogge-Nachbaus "Ubena von Bremen" (mit angemeldeten Seminar-Teilnehmern)

17.45 Uhr zweite Gästefahrt des Kogge-Nachbaus "Ubena"

Donnerstag, 18. Mai 2000

9.30 Uhr Dr. Per Hoffmann, DSM: "Die Mittelalter-Flotte des Deutschen Schiffahrtsmuseums - Konservierung und Aufbau"

10.15 Uhr Dr. Quôc Khôi Tran, Atelier Régional de Conservation, Grenoble, Frankreich: "Korrektur der Form eines karolingischen Einbaum-Kahns" (auf englisch)

11.30 Uhr Dipl.Phys. Roland Aniol, Archäologisches Landesmuseum Schleswig-Holstein, Schleswig, und Axel Peiß, Rheinisches Landesmuseum, Bonn: "Die Volltränkung eines römischen Schiffes von Xanten"

12.15 Uhr Dr. Hans Joachim Kühn, Archäologisches Landesamt Schleswig-Holstein, Schleswig: "Zucker für das Schiff von Friesland"

14.30 Uhr Eckehard Deichsel M. A., Weserrenaissance-Museum Schloß Brake, Lemgo: "Einrichten der Sprühkonservierung für die Lastschiffe von Rohrsen"

15.15 Uhr Dr. Per Hoffmann: "Zwei Bäder für die Bremer Hanse-Kogge"

16.00 Uhr Ende des Seminars

Stapelhub für dritten Kogge-Nachbau

Drei Tage vor der Übergabe der komplett konservierten und gründlich gereinigten Bremer Hanse-Kogge im Deutschen Schiffahrtsmuseum (DSM) in Bremerhaven findet etwa 50 Kilometer weseraufwärts ein weiteres Ereignis statt, das mit dem Originalschiff in enger Verbindung steht: In Vegesack wird am 14. Mai 2000 per Stapelhub der dritte Nachbau dieser Kogge zu Wasser gelassen. Bisher wurden bereits nach den von Schiffbauermeister Werner Lahn, dem früheren DSM-Mitarbeiter, rekonstruierten Bauplänen zwei "neue" Koggen gebaut: eine in Kiel, die zweite in Bremerhaven, die unter dem Namen "Ubena von Bremen" bereits viele Häfen an Nord- und Ostsee angesteuert hat.

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