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Warmes Frühsommerwetter fördert Blattläuse

12.05.2000 - (idw) Senat der Bundesforschungsanstalten im Geschäftsbereich des BMVEL

Die außergewöhnlich warme Witterung der letzten Wochen hat nicht nur dazu geführt, dass in Feld, Wald und Garten das Grün üppig sprießt, auch Schädlinge profitieren von dem Wetter. Nach den Erfahrungen des Insektenforschers Dr. Jürg Huber, Leiter des Instituts für biologischen Pflanzenschutz der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) in Darmstadt, bieten die trocken-warmen Tage zum Beispiel optimale Bedingungen für eine rasche Vermehrung von Blattläusen.


Blattläuse legen im Sommer keine Eier, sondern bringen gleich kleine Larven zur Welt. (Foto: Kretschmer, BBA)
Blattläuse an Roggen: Enormes Vermehrungspotential durch "Jungfernzeugung". (Foto: Welling) Viele Arten dieser kleinen Pflanzensauger überdauern den Winter an Wirtspflanzen, von denen aus sie im Frühjahr ihre eigentlichen Lieblingspflanzen wieder besiedeln. Bestimmte Getreideblattläuse zum Beispiel überwintern an Heckenrosen oder Traubenkirschen. Im Frühsommer können sie sich unter geeigneten Bedingungen explosionsartig vermehren. Dazu haben sie eine besondere Strategie entwickelt: Die Blattlausweibchen verschwenden keine Zeit mit langer Partnersuche und Paarung, sondern gebären ohne Befruchtung kleine Larven, die sich ihrerseits zu Weibchen entwickeln. Fachleute sprechen von so genannter Jungfernzeugung. Die Vorteile einer rein weiblichen Blattlauswelt: Alle Tiere können direkt für Nachwuchs sorgen. Und zwar je schneller, je wärmer es ist. Sie klonen sich praktisch selbst. Erst gegen Ende der Saison werden auch Männchen geboren, und die Weibchen legen befruchtete Eier, die die ungünstige Jahreszeit überstehen.

In Schach gehalten werden Blattläuse nicht nur von Gegenspielern wie Marienkäfern, Schwebfliegenlarven und parasitischen Schlupfwespen. Ein wichtiger Begrenzungsfaktor für die Populationen sind auch insektenpathogene Pilze, die bei den Blattläusen tödliche Krankheiten hervorrufen. Diese Pilze kommen besonders in feuchten Zeiten zum Tragen. Von trockenen Perioden profitieren hingegen die Blattläuse. Der Forscher aus der BBA warnt allerdings davor, voreilige Schlüsse zu ziehen. "Ob wir am Anfang eines ausgesprochenen Blattlausjahres stehen, ist noch keinesfalls ausgemacht", so Huber. "Die Populationsentwicklung der Blattläuse ist so komplex, dass weitreichende Voraussagen ähnlich wie beim Wetterbericht kaum möglich sind. Viel kommt darauf an, ob die Witterung in den nächsten Wochen überwiegend trocken-warm bleibt und inwieweit die Blattlausfeinde die Anfangspopulationen der Schädlinge dezimieren können."

Blattläuse können die Kulturpflanzen nicht nur durch das Saugen von Pflanzensaft schädigen - weitaus größere Bedeutung haben sie als Überträger von Pflanzenviren. Das Problem: Gegen Viruskrankheiten gibt es keine Pflanzenschutzmittel. Landwirte sollten die Warndienst-Informationen der lokalen Pflanzenschutzämter beachten, die kurzfristige Prognosen und Hinweise zur Bekämpfung der Blattläuse geben.


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