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Heinrich-Büssing-Preis: Drei Nachwuchswissenschaftler werden ausgezeichnet

19.05.2000 - (idw) Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig

Drei Nachwuchswissenschaftler aus unterschiedlichen Fachbereichen der Technischen Universität Braunschweig erhalten in diesem Jahr den Heinrich-Büssing-Preis, den die Stiftung zur Förderung der Wissenschaften an der Carolo-Wilhelmina 1996 ins Leben gerufen hat.

Heinrich-Büssing-Preis
der Stiftung zur Förderung der Wissenschaften
an der Carolo-Wilhelmina

Drei Nachwuchswissenschaftler aus unterschiedlichen Fachbereichen der Technischen Universität Braunschweig erhalten in diesem Jahr

am kommenden Freitag, 19. Mai 2000, um 17.00 Uhr
im Auditorium maximum der Technischen Universität, Pockelsstr. 15,

den Heinrich-Büssing-Preis, den die Stiftung zur Förderung der Wissenschaften an der Carolo-Wilhelmina 1996 ins Leben gerufen hat. Neben der Unterstützung der Preisträger mit einem Betrag von jeweils 5000 Mark will der Braunschweigische Hochschulbund (BHB) mit der Auszeichnung erreichen, dass die Bedeutung Braunschweigs als Wissenschafts- und Wirtschaftsregion noch mehr bekannt wird.

Das Programm:
- Musik (Aka Blas)
- TU-Präsident Prof. Dr. Jochen Litterst: Begrüßung der Gäste
- Prof. Dr. Joachim Hentze: Laudatio auf die Habilitationsschrift von Dr. rer. pol. Andreas Kammel
- Prof. Dr. Eckehard Schnieder: Laudatio auf die Doktorarbeit von Dr.-Ing. Mourad Chouikha
- Prof. Dr. Uwe Panten: Laudatio auf die Doktorarbeit von Dr. rer. nat.Miriam Meyer
- Preisübergabe
- Dankesworte der Preisträger durch Dr. Miriam Meyer
- Musik
- Dr. h.c. Manfred Bodin, Präsident des BHB: Gratulation und Dankesworte
- Anschließend: Gedankenaustausch aller Gäste im Foyer des Audimax bei Musik und Imbiss auf Einladung der Salzgitter AG.
Die Veranstaltung wird von der ags (Arbeitsgemeinschaft für Studio- und Sendertechnik) gefilmt und in Zusammenarbeit mit dem Rechenzentrum gleichzeitig live im Internet per "RealVideo" unter
http://rzphepix.rz.tu-bs.de:8080/ramgen/encoder/bhb/preis.rm übertragen.
Informationen zu den Preisträgern folgen anbei.
Zur Preisverleihung laden wir Vertreterinnen und Vertreter der Medien herzlich ein. Auf die Berichterstattung freuen wir uns.


Dr.-Ing. Mourad Chouikha:
"Entwurf diskret-kontinuierlicher Steuerungssysteme - Modellbildung, Analyse und Synthese mit hybriden Petrinetzen" (Dissertation)

In der Automatisierungstechnik haben sich in den letzten Jahrzehnten zwei unterschiedliche Modellwelten etabliert. Es wird von diskreten und von kontinuierlichen Modellen gesprochen. Letztere sind aus der klassischen Regelungstechnik bekannt, in der kontinuierlich über die Zeit veränderliche Vorgänge beschrieben werden, zum Beispiel die Beschleunigung eines Fahrzeugs. Diskrete Systeme sind hingegen auf dem Gebiet der Steuerungstechnik zu finden, in der nur zu bestimmten Zeitpunkten beobachtete Systeme vorkommen, zum Beispiel bei Schaltventilen, Herzklappen etc.

Während den kontinuierlichen Systemmodellen die Theorie der Differentialgleichungen zu Grunde liegt, basieren diskrete Modellbeschreibungen auf der Automatentheorie. Beide Theorien wurden separat entwickelt, so dass sie sich in vielen Gesichtspunkten zum Teil stark unterscheiden. Dennoch lassen sich zwischen beiden Theorien Analogien feststellen, auf deren Basis eine Zusammenführung dieser Modellvorstellungen herbeigeführt werden kann. Die Integration dieser Modellwelten ist umso dringlicher, als die Entwicklung von immer komplexer werdenden, gemischt diskret-kontinuierlichen Systemen modellbasiert erfolgt. Dies ist notwendig, wenn mehrere Komponenten unterschiedlichen Charakters in Interaktion treten, wie zum Beispiel die Steuerung und Koordination mehrerer Schaltventile in einem kontinuierlichen verfahrenstechnischen Prozess.

Im Rahmen der Arbeit von Dr. Chouikha wurde, ausgehend von einer vergleichenden Bewertung existierender Beschreibungsmittel für diskrete und für kontinuierliche Automatisierungssysteme, ein Ansatz für eine integrierte Beschreibung gemischt diskret-kontinuierlicher Systeme basierend auf Petrinetzen (das sind grafische Beschreibungsformen für komplexe Vorgänge) und Differentialgleichungen abgeleitet. Mit Hilfe dieser neuen Beschreibungsform lassen sich Verfahren zur Analyse des Verhaltens solcher komplexen Systeme definieren.

Der komplementäre Weg zur Analyse ist die Synthese. Ihr Ziel ist es, -Sys--teme so zu konstruieren, dass sie den gestellten Anforderungen aus der Systemspezifikation entsprechen. Für die Synthese wurden auch in dieser Arbeit Verfahren entwickelt, die Systeme im Bereich der Steuerungstechnik nicht nur konstruieren, sondern auch Programme für eine geeignete Steuerung automatisch erzeugen. Diese Verfahren sind für Firmen von Interesse, die im Bereich der Steuerungs- und Regelungstechnik tätig sind, so im Fahrzeugbau, in der Verkehrstechnik und in der Gebäudesteuerung.

Dr.-Ing. Mourad Chouikha wurde 1970 in Tunesien geboren. Er studierte Maschinenbau an der TU Braunschweig. 1998 erhielt er den DAAD-Preis für ausländische Studierende an der TU Braunschweig. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Regelungstechnik der TU, wo auch seine Dissertation, betreut von Prof. Dr.-Ing. Eckehard Schnieder, entstand.


Dr. rer.pol. Andreas Kammel:
Strategischer Wandel und Management Development (Habilitationsschrift)

Die Entwicklung von Führungskräften (das "Management Development") ist eine Kernfunktion der Unternehmensführung. Denn die Entscheidungsträger im Unternehmen, ihre Kompetenzen und Erkenntnisse bestimmen den Erfolg oder aber den Misserfolg der langfristigen, strategischen Unternehmenspolitik.

Durch Maßnahmen der Weiterbildung und des "On-the-Job-Trainings" wird in der Praxis versucht, wichtige Schlüsselkompetenzen der Führungskräfte zu entwickeln. Dabei geht es insbesondere darum, dauerhafte Wettbewerbserfolge von Unternehmen auf umkämpften Märkten zu etablieren. Grundlegende Schwierigkeit bei diesen Maßnahmen ist es, dass häufig nicht das gelernt wird, was gelehrt wird. Erfolgreich sind deshalb nicht starre, nur von einer Seite ausgehende Instruktionsansätze, sondern multiple Lehr-/Lernarrangements, die handlungsorientierte, kooperative und kommunikative Lernformen ebenso fördern wie Selbssteuerung und Eigenverantwortlichkeit in stärker auf Lernprozesse ausgerichteten Arbeitsumgebungen.

Die Arbeit von Dr. Kammel entwickelt und beschreibt ein Konzept, das in diesem Zusammenhang ein großes Potential eröffnet. Es unterstützt Führungskräfte in der kritischen Auseinandersetzung mit der Fülle innovativer Lösungsmöglichkeiten, ermöglicht den unternehmensspezifischen Transfer ausgewählter inhaltlicher Impulse und erleichtert den Umgang mit oft paradox erscheinenden Zusammenhängen in der Unternehmensführung.

Die Habilitationsschrift beschreitet neue Problemlösungswege:
1. durch eine Erweiterung der herkömmlichen theoretischen Basis,
2. durch eine ganzheitlich-integrierte und interdisziplinäre Betrachtungsweise des Gesamtzusammenhanges von strategischem Wandel von Unternehmen und Führungskräfteentwicklung,
3. durch die Fokussierung auf Lernprozesse als "Motor" von Veränderung und Wettbewerbserfolg.

Dr. rer.pol. Andreas Kammel (Jahrgang 1958) studierte an der Universität Hannover Wirtschaftswissenschaften. Nach dem Diplom (1984) promovierte er an der TU Braunschweig zum Dr. rer.pol. (1991) zum Thema "Personal-Controlling". 1992 übernahm er eine Assistentenstelle am Institut für Wirtschaftswissenschaften der TU Braunschweig mit dem Ziel der wissenschaftlichen Weiterqualifikation. Er ist mittlerweile Privatdozent an der TU. Dr. Kammel war Stipendiat der niedersächsischen Graduiertenförderung. Er verbrachte zwei Forschungsaufenthalte an der University of Nebraska und war als Dozent an der Technischen Universität Sofia tätig.


Dr. Miriam Meyer:
"Struktur-Wirkungsbeziehungen für die Interaktion von blutzuckersenkend wirkenden Sulfonylharnstoffen und Analoga mit den Sulfonylharnstoffrezeptor-Subtypen SUR1, SUR2A und SUR2B" (Dissertation)

Über 90 Prozent der rund vier Millionen diagnostizierten Diabetiker in Deutschland haben einen Typ-II-Diabetes, den man früher verharmlosend Alterszuckerkrankheit nannte. Heute bekommen bereits viele jüngere Menschen diese Krankheit, und die Zahl der Typ-II-Diabetiker in entwickelten Ländern steigt kontinuierlich. Dies liegt an der geänderten Lebensweise mit Bewegungsarmut und Überernährung. Sulfonylharnstoffe sind Wirkstoffe, die zur Behandlung des Typ-II-Diabetes mellitus in Tablettenform am häufigsten eingesetzt werden.

Obwohl Sulfonylharnstoffe bereits in den 50-er Jahren in die Therapie eingeführt wurden, war bisher unbekannt, welche strukturellen Eigenschaften dieser Substanzen für ihre im Großen und Ganzen gute Verträglichkeit verantwortlich sind. Die Beantwortung dieser Frage war ein Hauptanliegen der Dissertation.

Sulfonylharnstoffe wirken im Körper vor allem in der Bauchspeicheldrüse, im Herzen und in den Gefäßen (nämlich an den dortigen sogenannten Sulfonylhanrnstoffrezeptor-Subtypen SUR1, SUR2A und SUR2B). Die Arbeit von Dr. Miriam Meyer untersucht die Wechselwirkung von Sulfonylharnstoffen mit den drei Sulfonylharnstoffrezeptorsubtypen und zeigt, welche Strukturelemente hierfür notwendig sind. Ihre Erkenntnisse lassen wichtige Schlussfolgerungen für die Entwicklung zukünftiger Medikamente und Therapiemöglichkeiten zu.

Dr. Miriam Meyer wurde 1970 in Hannover geboren. Nach dem Abitur 1990 in Bremen begann sie an der TU Braunschweig ihr Pharmaziestudium, das sie Ende 1994 abschloss. Es folgten das einjährige Pharmazie-Praktikum und der dritte Abschnitt der Pharmazeutischen Prüfung mit der Approbation als Apothekerin. Im Januar 1996 begann sie ihre Dissertation in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Uwe Panten, Institut für Pharmakologie und Toxikologie der TU Braunschweig, und schloss diese mit der Disputation im Mai 1999 ab. Mittlerweile ist Frau Dr. Meyer für die Schering AG tätig.

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