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Der Lehrkörper der Technischen Universität Clausthal sowie ihrer Vorläufer 1775 - 1999

22.05.2000 - (idw) Technische Universität Clausthal

Ein Jubiläum bietet die Gelegenheit, den wandernden Schnittpunkt zwischen Vergangenheit und Zukunft, der unser Leben ist, besser zu erfassen. Zum 225-jährigen Jubiläum der TU Clausthal werdem dem interessierten Leser im Juni zwei Bücher vorliegen, der Vorwärtsorientierung einer Technischen Universität entsprechend, "Brücken in die Zukunft - Forschung an der TU Clausthal" (Hrsg. Professor Dr.-Ing. Hans-Peter und Dipl. Geophys. Matthias Liebing) und, der "Statik" entsprechend, "Der Lehrkörper der Technischen Universität Clausthal sowie ihrer Vorläufer 1775 bis 1999", verfaßt von Prof. (emer.) Dr. rer. nat. Dr. nat. h.c. Georg Müller. Soll eine "Brücke in die Zukunft" ein sicheres Fundament besitzen, nimmt sie ihren Ausgangspunkt in der Vergangenheit und Gegenwart. Reflexion, wo kommen wir her, und Vision, was wird möglich sein, gehören untrennbar zusammen. Der "Catalogus Professorum" wurde am Freitag, den 20. Mai der Öffentlichkeit vorgestellt.


Das erste Exemplar des "Catalogus Professorum" nahm der Rektor, Prof. Dr.-Ing. Peter Dietz (rechts), vom Verfasser, Professor Dr. Dr. h.c. Georg Müller, entgegen. Den Catalogus Professorum legt Georg Müller, ein herausragender Wissenschaftler und als Rektor der Jahre 1986-88 und 1990-92 einer der "Kapitäne" und Gestalter dieser Universität, zu einem Zeitpunkt vor, da sich, so der Kanzler, Dr. Peter Kickartz, in seinem Geleitwort "ein grundlegender Wandel in der Gestalt unserer Universität" andeutet. Von 1775 bis 1960 seien Bergbau und Hüttenwesen Kern des Profils gewesen, nun jedoch, da die Montan- und Hüttenwissenschaften "organisatorisch, personell und in der Studienplatznachfrage auf die Mindestausstattung zurückgeführt sei", vereinige die TU Clausthal ein weitgehend entfaltetes Spektrum der mathematisch- naturwissenschaftlichen und ingenieurwissenschaftlichen Fächer und Studiengänge" .

Professor Dr. Georg Müller strukturierte sein Thema in drei Schritten. Einem konzisen Überblick zur Entwicklung der Universität auf 11 Seiten folgt, geordnet nach der bis 1997 gültigen Fachbereichsordnung, in einer chronologischer Überblicksdarstellung in Kurzbiographien die Darstellung des Lehrkörpers. Zum Lehrkörper gehören, mit wechselnder Bezeichnung in den verschiedenen Epochen, Lehrer, Dozenten, außerplanmäßige und ordentliche Professoren, und die, aus der Praxis kommenden, Lehrbeauftragten und Honorarprofessoren. Annähernd 550 Professoren und Dozenten sowie rund 320 Lehrbeauftragte werden auf diese Weise erinnert. Oftmals können, von Georg Müller in einer separaten Kartei aufgenommenen Literaturhinweise zu den Wissenschaftlern, ihrem Werk und Leben, dem Interessierten über den biographischen Kurztext hinaus weiter helfen.Eine Bildergalerie der Leiter der Universität und ihrer Vorläufer schließt das Werk ab.

Welches Bild entfaltet der Catalogus Professorum nun von der Herkunft und Entwicklung der TU Clausthal? Wie kostbar der erreichte Stand der TU Clausthal - Rang 1 im DFG-Ranking aus dem Jahre 1997, - ist, wird kontrastierend an den bescheidenen Anfängen der Hochschule sichtbar. So war Forschung bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts an der Bergschule, wie Georg Müller schreibt " Privatinteresse" der Lehrenden. Erst mit Friedrich Adolph Roemer änderte sich dies - Ende der vierziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Die Bergschule Clausthal sei bis zu diesem Zeitpunkt weitgehend "die Ausbildungsabteilung der Bergverwaltung" für die höheren Offiziantenstellen des hannoverschen Berg-, Hütten- und Salinenwesens gewesen. Der theoretische Unterricht erfolgte weitgehend durch leitende Beamte der Berg- und Hüttenverwaltung und der praktische Unterricht auf den Werken des hannoverschen Harzes und Harzvorlandes. An den Geburtsorten der Lehrenden ist der Aufstieg der Bergschule und Bergakademie ersichtlich. Kamen die frühen Lehrenden zumeist aus dem unmittelbaren Umland, so ändert sich dies signifikant etwa in der Mitte des letzten Jahrhunderts. Das Ansehen der Bergschule wuchs und offensichtlich mit diesem auch die "Reputierlichkeit" einer Anstellung an dieser.

Krisen scheinen ein Markenzeichen der TU Clausthal und ihrer Vorläufer zu sein. Es waren einzelnen Menschen, welche die Universität retten: Bergrat Dr. Christian Zimmermann bewältigte 1844 den herben Schlag der Abtrennung der Forstschule und konnte eine Erhöhung des Etats der Bergschule erwirken. Friedrich Adolph Roemer erkannte rechtzeitig in den fünfziger Jahren die drohende Konkurrenz der Polytechnika, der Vorläufer der Technischen Hochschulen, und setzte im Jahre 1860 das vierjährige Studium und den Diplomabschluß für das Bergfach und für die Hüttenkunde durch. Eine drohende Schließung der Bergakademie Clausthal durch den preußischen Staat, der meinte, eine Bergakademie genüge und zwar die in Berlin, konnte Albrecht von Groddeck durch die Einschaltung von Landtagsabgeordneten abwenden. Im Zweiten Weltkrieg übernahm Professor Dr. Lothar Birckenbach neben den Institutsaufgaben das Amt des Rektors, Prorektors, und 1941/42 zusätzlich die Aufgabe des Dekans für Bergbau und Hüttenwesen. Daß die anderen im Krieg Furchtbareres durchstehen mußten als die tägliche Kärrnerarbeit, mag eine Motivation gewesen sein. Nach dem Krieg sprangen nach der Entlassung nahezu aller Professoren Oberingenieure und Assistenten, wie Anton Königer, Eugen Szantho von Radnoth und Max-Erich Gloeckner ein und übernahmen den Unterrichtsbetrieb bis zur Wiedereinstellung neuer Professoren.

Und auch an den spröden Kurzbiographien werden Unterschiede zur Gegenwart sichtbar: Naturwissenschaftliche Rationalität ist unabhängig von Landes- und Kulturgrenzen, dies macht ihre a priori Internationalität aus. Aber einen wirklichen persönlichen Austausch mit Wissenschaftlern anderer Länder, sichtbar werdend an Forschungsaufenthalten im Ausland und Mitgliedschaften in ausländischen wissenschaftlichen Vereinigungen, solches verzeichnen, in größerer Zahl, die Quellen erst ab den sechziger Jahren unseres Jahrhunderts.

"Wir leben ja nicht länger, als sich der Letzte unser erinnert". Das Buch Georg Müllers erinnert jeden, der an dieser Hochschule gelehrt hat.

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