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Mit Elektromagnetik ins Erdinnere schauen - Hohe internationale Auszeichnung für TU-Forscher

23.05.2000 - (idw) Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig

"Für seine fundamentalen Beiträge zur Erforschung der elektromagnetischen Induktionsvorgänge im Erdinneren" erhält Prof. Peter Weidelt, Institut für Geophysik und Meteorologie der Technischen Universität Braunschweig, den Schlumberger Award der European Association for Geoscientists and Engineers (EAGE).

Prof. Dr. Peter Weidelt, Institut für Geophysik und Meteorologie der Technischen Universität Braunschweig, hat den Schlumberger Award 1999 der European Association for Geoscientists and Engineers (EAGE) erhalten. Sie wird ihm am 29. Mai im Rahmen der EAGE-Tagung in Glasgow überreicht. Prof. Weidelt wurde diese hohe Auszeichnung für sein wissenschaftliches Gesamtwerk zugesprochen, insbesondere "für seine fundamentalen Beiträge zur Erforschung der elektromagnetischen Induktionsvorgänge im Erdinneren".

In der Physik bedeutet Induktion die Erzeugung elektrischer Felder durch die Veränderung bestimmter Magnetfelder in einem (physikalischen) Körper. Für Geophysiker sind Induktionsvorgänge von besonderem Interesse, weil sie zur Bestimmung der elektrischen Leitfähigkeit der Erde dienen können. Diese wiederum lässt Rückschlüsse auf Vorkommen von Mineralien, Erdöl oder auf Verwerfungen, Wasservorräte oder Temperaturen unter der Erdoberfläche zu.

Das in der Geophysik entwickelte Verfahren misst elektromagnetische Signale im Bereich von zwei Nanotesla (das entspricht etwa einem Zehntausendstel bis einem Fünfzigtausendstel des natürlichen Erdmagnetfeldes). Die Leistung von Prof. Weidelt besteht insbesondere darin, aus diesen Präzisionsmesswerten mithilfe mathematischer Formeln Rückschlüsse auf die konkrete unterirdische Beschaffenheit unseres Planeten zu ziehen. Diese Methode erlaubt gleichsam einen "Blick" unter die Erde, ohne die Oberfläche anzutasten oder gar zu zerstören. Mithilfe von Spulen, die mit Wechselstrom gespeist werden, wird so ein direkter Einblick in die obersten Erdschichten möglich. Archäologen können mit diesem Verfahren bereits vor den ersten Ausgrabungen die genaue Struktur einer ehemaligen Siedlung erkennen. Auf der Basis der Daten können außerdem beispielsweise die richtigen Orte für Bohrungen nach Erzen oder Erdölreservoiren in etwa 100 Metern Tiefe heute sehr präzise vorausberechnet werden. Bereits seit Gaußens Zeiten macht sich die Wissenschaft die Induktion zu Nutze. Langperiodische Signale, wie sie im Abstand von elf Jahren im Wechselspiel von Erde und Sonne durch den Sonnenfleckenzyklus erzeugt werden, lassen einen "Blick" in Tiefen von bis zu 2000 Kilometern zu.

Die EAGE ist die bedeutendste Vereinigung von Geophysikern, die sich mit angewandten Geowissenschaften beschäftigen. Der Name der Auszeichnung geht auf den elsässischen Physiker Conrad Schlumberger zurück, der unter anderem die Firma Schlumberger, eines der weltweit führenden Unternehmen für Tiefbohrungen, gründete.
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