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Ein Stück Expo im Botanischen Garten der RUB

29.05.2000 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Als eines von elf Exponaten aus deutschen Hochschulen und einziges Hochschulprojekt aus NRW wird das "Hexapod-Teleskop" (HPT) auf der EXPO 2000 präsentiert. Vom 1. Juni bis 31. Oktober 2000 wird der ganze Stolz des Bochumer Astronomischen Instituts (Prof. Dr. Rolf Chini) auf dem Campus der RUB in der Nähe des Botanischen Gartens zu sehen sein: Besucher können es Montags bis Freitags zwischen 8:30 - 16:00 Uhr besichtigen, ab einer Mindestzahl von zehn Teilnehmern bieten die Astronomen Führungen an. Das HTP zeichnet sich durch seine Wirtschaftlichkeit und Umweltfreundlichkeit bei deutlich gesteigerter Präzision aus.

Bochum, 29.05.2000
Presse-Info Nr. 140

Ein Stück Weltausstellung im Botanischen Garten
RUB mit dem Hexapod-Teleskop auf der EXPO 2000
Einziges Hochschulprojekt aus NRW


Als eines von elf Exponaten aus deutschen Hochschulen und einziges Hochschulprojekt aus NRW wird das "Hexapod-Teleskop" (HPT) auf der EXPO 2000 präsentiert. Vom 1. Juni bis 31. Oktober 2000 wird der ganze Stolz des Bochumer Astronomischen Instituts (Prof. Dr. Rolf Chini) auf dem Campus der RUB in der Nähe des Botanischen Gartens zu sehen sein: Besucher können es Montags bis Freitags zwischen 8:30 - 16:00 Uhr besichtigen, ab einer Mindestzahl von zehn Teilnehmern bieten die Astronomen Führungen an. Das HTP zeichnet sich durch seine Wirtschaftlichkeit und Umweltfreundlichkeit bei deutlich gesteigerter Präzision aus.

Ideales Teleskop für Ballons und Flugzeuge

Das HTP ist eine Synthese mehrerer neuartiger Komponenten, die im herkömmlichen Teleskopbau bisher nicht eingesetzt wurden. Das Konzept ist ideal für den zukünftigen Einsatz von Teleskopen auf Flugzeugen, Stratosphärenballons und Satelliten. Die wesentlichen, innovativen Merkmale lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Mit sechs Beinen genauer beobachten

1. Montierung: An Stelle der klassischen Zwei-Achsen-Montierung, mit der bisher alle Teleskope ausgerüstet sind, dienen beim HPT sechs, in der Länge verstellbare Beine (Hexapod) mit hochpräzisen Spindeln dazu, das Teleskop auf das gewünschte Objekt zu richten und entsprechend der durch die Erdrotation verursachten Bewegung der Gestirne nachzuführen. Durch die Anordnung der optischen Struktur oberhalb der sechs Beine werden die Ausgleichsgewichte klassischer Teleskope vermieden und so eine Gewichtsreduktion um mehr als das Zehnfache erreicht. Anders als eine Zwei-Achsen-Montierung erlaubt das Hexapod komplizierteste Bewegungen. So können z.B. Schwingungen, wie sie beim Einsatz von Teleskopen auf Stratosphärenballons, Flugzeugen und Satelliten auftreten, ebenso leicht kompensiert werden wie Bildfeldrotationen beim erdgebundenen Einsatz. Die Rotationsfähigkeit des Systems kann weiterhin dazu benutzt werden, Polarisationseigenschaften des Sternlichtes (d.h. winkelabhängige Intensitätsschwankungen) zu untersuchen, was sonst nur mit komplizierten Zusatzgeräten möglich ist.

Dünner Spiegel spart Kosten und schont Umweltressourcen

2. Hauptspiegel: Der Hauptspiegel ist als eine Hybrid-Struktur ausgeführt. Sie besteht aus einer Konstruktion aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff und einer 55 mm dicken Zerodurplatte, die als Spiegelelement dauerhaft aufgebracht ist. Ferner halten piezoelektrische keramische Positionierelemente den dünnen Hauptspiegel computergesteuert in der idealen Form. Gegenüber klassischen Konzepten, wo ein vergleichsweise dicker Spiegel in einer überwiegend geschlossenen Metallspiegelzelle von mehreren Tonnen untergebracht ist, ergeben sich zahlreiche Vorteile: (a) Ingesamt kann das Teleskopgewicht deutlich gesenkt werden; das spart Kosten bei Luft- und Raumfahrtprojekten und schont die Umwelt. (b) Durch die offene Struktur und die extrem kleinen Massen ist der Hauptspiegel in kürzester Zeit im thermischen Gleichgewicht mit seiner Umgebung, was sich in einer besseren und stabileren Bildqualität ausdrückt. (c) Abhängig von der Teleskopposition verbiegen sich große Hauptspiegel unter ihrem Eigengewicht, was mit erheblichen Einbußen der Abbildungsqualität einhergeht. Der HPT-Spiegel ist der erste Hauptspiegel, der auf Grund seiner festen Verbindung mit seinen 36 Unterstützungspunkten sowohl auf Druck als auch auf Zug reagiert und als Folge seiner großen Elastizität damit eine Konstanz der idealen, optischen Oberfläche (13 Nanometer rms) gewährleistet; damit wird er zum genauesten Teleskopspiegel weltweit.

Rechnergesteuerte Haltung sorgt für optimale Spiegelführung

3. Sekundärspiegel: Bei herkömmlichen Teleskopen treten Verbiegungen der Teleskopstruktur auf, für deren Kompensation es bisher keine Lösung gibt. Beim HPT sorgt eine weitere rechnergesteuerte Hexapodhalterung dafür, dass sich auch der Sekundärspiegel unabhängig von der Teleskopposition immer in der optimalen Lage befindet. Bei geeignetem Standort mit stabilen atmosphärischen Bedingungen lässt sich daher mit dem HPT eine Bildschärfe erreichen, wie sie derzeit nur vom Weltraum aus möglich ist.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Rolf Chini, Ruhr-Universität Bochum, Fakultät für Physik und Astronomie, Astronomisches Institut , Lehrstuhl für Astrophysik, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-25802, Fax: 0234/32-14-412, E-Mail: rchini@ruhr-uni-bochum.de

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