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Heidelberger Poetik-Dozentur 2000 mit dem Schriftsteller Eckhard Henscheid

29.05.2000 - (idw) Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Vom 7. bis 30. Juni 2000 - Im Mittelpunkt steht das Komische in der Literatur - Autor hält Vorlesungen, gibt Einblicke in seine Schreibarbeit und führt Studierende in die Kunst des feuilletonistischen Schreibens ein


Die Heidelberger Poetik-Dozentur 2000 vom 7. bis 30. Juni übernimmt der Schriftsteller Eckhard Henscheid. Im Mittelpunkt wird das Komische in der Literatur stehen. Der hauptsächlich in Frankfurt und Amberg lebende Autor hält drei Vorlesungen, gibt Einblicke in seine Schreibarbeit und führt Studierende in die Kunst des feuilletonistischen Schreibens ein. Das 3. Heidelberger Gespräch zur Literatur handelt vom "Sinn des Unsinns", bei dem neben Henscheid prominente Vertreter der "Neuen Frankfurter Schule" wie Bernd Eilert, Jürgen Roth, F.W. Bernstein und Oliver Maria Schmitt auftreten. Parallel zur Europameis-terschaft findet im Stadttheater ein Fußballabend statt, bei dem Ror Wolf mit von der Partie sein wird. Begleitend zur Poetik-Dozentur wird in der Alten Universität außerdem eine Henscheid-Ausstellung präsentiert.

Die Heidelberger Poetik-Dozentur wurde 1993 als Kooperation zwischen Stadt und Universität begründet. Sie wird vom Germanistischen Seminar ausgerichtet und von der "Stiftung Stadt Heidelberg für die Universität" finanziert. Öffentliche Veranstaltungen wie Vorlesungen, Werkstattgespräche, Lesungen und Diskussionen geben Literaturinteressierten Einblicke in künstlerische Produktionsprozesse und informieren über Tendenzen und Probleme gegenwärtiger Literatur. Schreibkurse und poetologische Seminare bieten eine praxisorientierte Ergänzung des literaturwissenschaftlichen Studienangebots. Bisher eingeladene Autoren waren unter anderem Martin Walser, Volker Braun, Brigitte Kronauer, Hanns-Josef Ortheil und Michael Rutschky.

Henscheid ist zum Klassiker avanciert

Eckhard Henscheid wurde 1941 geboren und lebt in Frankfurt (Main), Amberg und Arosa (Schweiz). Der studierte Germanist arbeitet seit den frühen 70er Jahren an einem literarischen Gesamtwerk, das sowohl die klassischen Formen des Romans, der Erzählung und des Essays wie auch die eher journalistischen des Feuilletons, der Glosse und der Satire umfasst. Neben R. Gernhardt, F.W. Bernstein, C. Poth, F.K. Waechter, B. Eilert, H. Traxler zählt er zu den Mitbegründern der "Neuen Frankfurter Schule", die in durchaus ideologiekritischer Absicht das Erbe von Adorno/Horkheimer angetreten hat und 1979 im Satiremagazin "Titanic" ihr Forum fand.

In der Nachfolge eines Karl Kraus ist der "Böllsohnbeleidiger" um die Pflege seiner Feindschaften (u.a. B. Strauß, G. Höhler, G. Grass, J. Habermas) bemüht, wobei er nicht zuletzt den Schimpf wieder zur literarischen Gattung erhoben hat. Henscheid, das ist der wortgewaltige Satiriker, der einfühlsame Poet, der elegante Causeur, der boshafte Polemiker, der zarte Idylliker und der gnadenlose Kritiker des "Dummdeutschen" in Personalunion. Sein Themenspektrum umfasst die Opern Mozarts und Verdis, J.W. Goethe, die Gedichte Eichendorffs und die Romane Dostojewskis ebenso wie das Schicksal Eintracht Frankfurts oder den Lebenslauf Helmut Kohls. Unabhängig vom Urteil der Juroren, Kritiker, Juristen und Germanisten ist Henscheid zum Klassiker avanciert, der dem Komischen in der zeitgenössischen deutschen Literatur wieder eine Stimme gegeben hat.

Werke in Auswahl: Trilogie des laufenden Schwachsinns (1973, 1977, 1978), Dolce Madonna Bionda (1983), Dummdeutsch (1985), Helmut Kohl. Biographie einer Jugend (1985), Maria Schnee (1988), Verdi ist der Mozart Wagners. Ein Opernführer (1992), Kulturgeschichte der Mißverständnisse (1997), 10:9 für Stroh (1998), Goethe unter Frauen (1999), Meine Jahre mit Sepp Herberger (1999), Jahrhundert der Obszönität (2000).

Die einzig wahre Alternative zur Fußball-Europameisterschaft!

Die Fußballer wollen immer eine Extrawurst. Sie sind jung, sie schlafen den halben Tag, sie fressen wie die Raubtiere, jeden Tag eine halbe Sau, sie werden gepflegt von hinten und vorn, sie werden abgerieben und massiert, und dann spielen sie eineinhalb Stunden Fußball. Und davon wollen sie ausgelaugt sein und abgenützt.
Max Merkel (1974)

Die "Leidenszeit" (G. Netzer) ist angebrochen. Bekanntlich geht es seit einiger Zeit nicht nur mit den sportlichen Leistungen der deutschen Nationalmannschaft tief bergab ("Ribbeck-Bashing"), sondern befindet sich der Profi-Fußball als solcher in der größten Krise, auf dem Weg ins pure Entertainment mit charakterlosen "Millionarios". Zeit also, noch einmal an die goldene Fußballepoche vergangener Jahrzehnte umfassend zu erinnern - an die unwiederbringlichen Tage, als der Ball noch rund war, als ein Spiel noch neunzig Minuten dauerte und die nächste Begegnung noch immer die schwerste war. Ein Abend mit Eckhard Henscheid und Ror Wolf, den beiden größten Fußballexperten der deutschen Literatur: Mittwoch, 21. Juni 2000, 20 Uhr, Theater der Stadt Heidelberg

Nähere Auskünfte erteilt:
Germanistisches Seminar der Universität Heidelberg
Dr. Michaela Kopp-Marx
Hauptstraße 207-209, 69117 Heidelberg
Tel./Fax 06221 543365
E-Mail: poetikdo@janus.gs.uni-heidelberg.de
Homepage: http://www.uni-heidelberg.de/institute/fak9/gs/poetikdo/

oder:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de


VERANSTALTUNGEN

Mittwoch, 7. Juni 2000, 20.15 Uhr
Alte Aula der Universität:
Eröffnung der Poetik-Dozentur 2000
Begrüßung: Rektor Prof. Dr. Jürgen Siebke
Oberbürgermeisterin Beate Weber
Laudatio: Michael Rutschky
Der Dichter - missverstanden und verstanden
Vortrag Eckhard Henscheid

Donnerstag, 15. Juni 2000, 20.15 Uhr
Neue Universität, Hörsaal 14
"Neue Frankfurter Schule"
Vortrag Eckhard Henscheid

Mittwoch, 21. Juni 2000, 20.00 Uhr
Theater der Stadt Heidelberg
Anlässlich der EM 2000:
Als ein Spiel noch 90 Minuten dauerte
Ein Fußballabend mit Eckhard Henscheid und Ror Wolf

Mittwoch, 28. Juni 2000, 20.00 Uhr
Weiss´sche Universitätsbuchhandlung

Von Goethe bis Kohl
Eckhard Henscheid liest aus alten und neuen Büchern

Donnerstag, 29. Juni 2000, 20.15 Uhr
Neue Universität, Hörsaal 14
Formen des Komischen
(Humor, Ironie, Satire, Parodie)
an eigenen Fallbeispielen entwickelt
Vortrag Eckhard Henscheid

Freitag, 30. Juni 2000, 19.00 Uhr
Alte Aula der Universität
3. Heidelberger Gespräch zur Literatur:
Vom Sinn des Unsinns
Eine Großdiskussion samt Schlusskundgebung
Mit: Eckhard Henscheid, Bernd Eilert, Jürgen Roth, F.W. Bernstein, Oliver Maria Schmitt

7. bis 30. Juni, Foyer der Aula der Alten Universität
Annäherungen an einen Mythos
Dichtungen, Dokumente, Devotionalien aus einem Autorenleben
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