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Arbeitszeitkonten auf dem Vormarsch

05.06.2000 - (idw) ISO Institut zur Erforschung sozialer Chancen Köln

Arbeitszeitkonten sind in den letzten Jahren zum herausragenden Instrument der Arbeitszeitflexibilisierung avanciert: Sie werden schon für mindestens 37% der Beschäftigten geführt. Ihre Verbreitung steigt mit der Betriebsgröße.

Arbeitszeitkonten sind in den letzten Jahren zum herausragenden Instrument der Arbeitszeitflexibilisierung avanciert: Sie werden schon für mindestens 37% der Beschäftigten geführt. Damit dürfte allerdings nur die Untergrenze erfaßt sein.

Die flächendeckende Erfassung von Arbeitszeitkonten und ihrer verschiedenen Inhalte und Formen war zentrales Untersuchungsziel einer bundesweiten repräsentativen Beschäftigtenbefragung des ISO Institut zur Erforschung sozialer Chancen. "Arbeitszeit '99" ist die neueste Untersuchung im Rahmen der kontinuierlichen Berichterstattung zur Arbeits- und Betriebszeitentwicklung, die seit 1987 vom nordrhein-westfälischen Arbeitsministerium in Auftrag gegeben wird. Mittels eines standardisierten Fragebogens wurden 4024 abhängig Beschäftigte deutscher Nationalität im Alter von 18 bis 65 Jahren zu Arbeitszeitformen, Arbeitszeitpräferenzen und Arbeitszeitkonten befragt.

Mit der Einrichtung von Arbeitszeitkonten ist nicht nur eine Deregulierung, sondern auch eine Reregulierung verbunden, denn es muß ein Arbeitszeitstandard festgelegt werden, um die Arbeitszeitkonten in jeder Hinsicht (also auch bei Urlaub und Krankheit) funktionstüchtig zu halten. Die "interessenausgleichende" Funktion von Arbeitszeitkonten wird auch von den Beschäftigten betont: Die Anpassung der Arbeitszeit an betriebliche Erfordernisse ist nach ihrer Meinung ebenso Zweck der Kontenführung (48%) wie die Anpassung der Arbeitszeit an den außerberuflichen Zeitbedarf (52%).

Arbeitszeitkonten sind ein funktionales Äquivalent zur Überstundenarbeit. Mit Zeitkonten kann kurzfristig auf Schwankungen des Arbeitsanfalls reagiert werden, ohne auf bezahlte oder unbezahlte Überstunden zurückgreifen zu müssen: Beschäftigte mit Arbeitszeitkonten leisten pro Woche durchschnittlich knapp eine Stunde weniger bezahlte oder unbezahlte Überstunden als Beschäftigte ohne Arbeitszeitkonten. Dabei werden insbesondere die unbezahlten Überstunden (minus 0,8 Stunden) reduziert, wohingegen sich die Reduktion der bezahlten Überstunden (minus 0,1 Stunden) in Grenzen hält. Arbeitszeitkonten erfüllen so gesehen zwei Funktionen, die den Interessen der Betriebe und der Beschäftigten entgegenkommen: Zum einen die Anpassung der Arbeitszeit an den Arbeitsanfall, zum anderen die Angleichung der effektiven an die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit.

Arbeitszeitkonten sind überdurchschnittlich häufig im Bereich der Beamtinnen und Beamten (51%) verbreitet. Dagegen fallen die Angestellten mit 37% und die Arbeiter(-innen) mit 34% deutlich ab. Die Verbreitung von Arbeitszeitkonten steigt mit der Betriebsgröße: Während Beschäftigte in Kleinstbetrieben (bis 20 Beschäftigte) nur zu 21% Arbeitszeitkonten haben, sind es bei denen in Großbetrieben (mehr als 500 Beschäftigte) 55 %. Die Westdeutschen haben schon zu 38% Arbeitszeitkonten, die Ostdeutschen erst zu 32% - sie arbeiten häufiger als Westdeutsche in Kleinbetrieben und profitieren seltener von tariflichen Arbeitszeitverkürzungen.


Weitere Ergebnisse zu den Arbeitszeitkonten, der Flexibilisierung der Arbeitszeiten, der Entwicklung von Überstunden-, Schicht- und Wochenendarbeit und den Arbeitszeitwünschen der Beschäftigten finden Sie in:

Jörg Bundesmann-Jansen, Hermann Groß und Eva Munz: Arbeitszeit '99. Ergebnisse einer repräsentativen Beschäftigtenbefragung zu traditionellen und neuen Arbeitszeitformen in der Bundesrepublik Deutschland, im Auftrag des Ministeriums für Arbeit, Soziales und Stadtentwicklung, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, Köln, 2000


Die Studie "Arbeitszeit '99" (Bestellnummer 1004) und eine Kurzfassung (Bestellnummer 1005) können kostenlos bezogen werden bei den
Gemeinnützigen Werkstätten Neuss GmbH, Herrn Wendlinger
Am Krausen Baum 11
41464 Neuss
Fax 02131 / 74 50 21 32


Weitere Informationen zu den Arbeits- und Betriebszeitstudien können Sie erhalten im ISO (Kuenstr. 1 B, 50733 Köln) bei Dr. Hermann Groß (0221/97 30 43 22, hermann.gross@iso-koeln.de) oder Eva Munz (0221/97 30 43 23, eva.munz@iso-koeln.de)

Informationen über das ISO finden Sie unter: http://www.iso-koeln.de
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