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In Deutschland zu Hause

07.06.2000 - (idw) Deutsches Jugendinstitut e.V.

Parlamentarischer Abend des Deutschen Jugendinstituts am 7.6.2000 in Berlin:

In Deutschland zu Hause
Integration und multikultureller Alltag von Kindern und Jugendlichen

Gesellschaftspolitik und Forschung über Kinder, Jugendliche, Frauen und Familien stehen derzeit im Zeichen von Migration. Dabei hat sich ein Paradigmen-Wechsel vollzogen: Es geht nicht mehr um die Deutschen einerseits und die Ausländer andererseits, sondern es geht um die Bevölkerung in Deutschland, zu der sowohl Deutsche als auch Ausländer mit unterschiedlichem Migrationshintergrund gehören. Das Deutsche Jugendinstitut knüpft beim diesjährigen Parlamentarischen Abend an die aktuelle Debatte an. Vorgestellt werden Ergebnisse und Perspektiven aus Forschungsprojekten des DJI zur Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen aus Migrantenfamilien sowie zu den Bedingungen für ihre kulturelle und berufliche Integration. Erstmals gibt eine Studie - der Ausländersurvey des DJI - Aufschluß über die politischen Orientierungen junger Migranten: Sie wollen mehrheitlich in Deutschland bleiben und streben überwiegend auch die deutsche Staatsangehörigkeit an. Angesichts der demographischen Entwicklung und unter Integrations-, aber auch arbeitsmarkt- und sozialpolitischen Gesichtspunkten sind die vorgestellten Ergebnisse von zentraler Bedeutung für die Kinder- und Jugendpolitik sowie die Jugendhilfe in der Bundesrepublik.

Alois Weidacher, DJI
Integration und politische Beteiligung. Junge griechische, italienische und türkische Erwachsene
Politisches Zugehörigkeitsgefühl und politische Partizipation sind Gradmesser für gesellschaftliche Integration und soziale Teilhabe. Ergebnisse aus dem Ausländersurvey des Deutschen Jugendinstituts zeigen, daß migrante Jugendliche trotz ungünstiger Ausgangsbedingungen in hohem Maß am sozialen Leben in Deutschland teilnehmen. Befragt wurden 2500 18- bis 25jährige junge Erwachsene aus Griechenland, Italien und der Türkei. Sie sehen nicht nur überwiegend ihre persönliche Zukunft in Deutschland, sondern streben häufig auch die deutsche Staatsbürgerschaft an. In ihren politischen Einstellungen (Bewertung demokratischer Regeln, parteipolitische Links-Rechts-Orientierungen, Vertrauen gegenüber gesellschaftlichen Institutionen) und Erwartungen unterscheiden sie sich kaum von deutschen Jugendlichen. Unterschiede bestehen vor allem in der tatsächlichen politischen Beteiligung, die bei den jungen Ausländern deutlich geringer ist. Die soziale Eingliederung der migranten jungen Erwachsenen ist besonders dann erfolgreich, wenn sie mittlere und höhere Bildungsabschlüsse erreichen.

Karin Jampert und Anne Zehnbauer, DJI
Multikulturelles Zusammenleben von Kindern
Kinder aus Migrantenfamilien werden bisher in der öffentlichen und wissenschaftlichen Wahrnehmung kaum beachtet, noch weniger ist bekannt, wie sie selbst ihren Alltag gestalten und empfinden. Bewegen sie sich "zwischen den Kulturen" oder agieren sie als "multicultural player"? Im Projekt "Multikulturelles Kinderleben" wurden über 1200 Kinder ohne deutschen Paß im Alter zwischen 5 und 11 Jahren zu ihrem Alltag befragt. Erste Ergebnisse liefern Anregungen für die Kinder- und Jugendarbeit: Ein großer Teil der Kinder entwickelt mit dem "Codeswitching", dem Wechsel zwischen unterschiedlichen Sprachen, eine neue Sprachkompetenz, die im Bildungssystem bisher keine Unterstützung findet. Sie pflegen sowohl multikulturelle Freundschaften als auch Freundschaften mit Kindern aus dem gleichen Herkunftsland. Einer relativ geringen Beteiligung an den vorhanden Freizeitangeboten in den Regionen steht eine umfangreiche Wunschliste der Kinder gegenüber. Die Ergebnisse ermöglichen einen differenzierten Blick auf die von den Kindern selbst entwickelte "Kultur".


Karin Haubrich, DJI
Interkulturelle Öffnung in der Jugendsozialarbeit - zwei Modellprojekte des BMFSFJ
Das DJI begleitete das Modellprogramm "Mobile Jugendsozialarbeit für junge Menschen ausländischer Herkunft" über drei Jahre. Die Erfahrungen aus dem Modellprogramm zeigen,
· daß niedrigschwellige und aufsuchende Ansätze schwer erreichbare ausländische Jugendliche ansprechen und stabile Kontakte zu ihnen aufbauen können;
· daß zur Unterstützung der beruflichen Integration eine Weitervermittlung der Jugendlichen an Arbeitsamt und Jugendberufshilfe, aber auch in Ausbildung oder Erwerbsarbeit nicht ausreicht;
· daß die Öffnung bestehender Angebote nicht in nennenswertem Umfang gelang und wenn dann trägerintern.
Das neue Modellprogramm "Interkulturelles Netzwerk der Jugendsozial-arbeit im Sozialraum" nimmt den Handlungsbedarf zur Vernetzung und Öffnung bestehender Einrichtungen und Institutionen im Sozialraum zum Ausgangspunkt. Das DJI hat auch die wissenschaftliche Begleitung dieses im Februar 2000 gestarteten Modellprogrammes übernommen.

Dr. René Bendit, DJI
Strategien zur Integration von jugendlichen Migranten in Westeuropa
Eine Schlüsselrolle in der politischen und wissenschaftlichen Diskussion über die Zukunftschancen von Migrantenjugendlichen spielen in allen europäischen Ländern ihre Integration sowie darauf bezogene gesellschaftliche und staatliche Strategien. Im Rahmen eines Projektes, das sich mit der vergleichenden Analyse der Auswirkungen von nationalen Politiken zur Integration unterschiedlicher Gruppen benachteiligter Jugendlicher und junger Erwachsener (disadvantaged groups) in EU-Europa befaßt, wurden die rechtlichen, sozialen und arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen zur Integration von MigrantInnen in Deutschland und in anderen europäischen Ländern vergleichend untersucht. Es zeigt sich, daß die in den verschiedenen Ländern praktizierten Integrationskonzepte nicht nur unterschiedliche Schwerpunkte setzen, sondern auch widersprüchliche (integrative und desintegrative) Auswirkungen für die jugendlichen Migranten haben.

Deutsches Jugendinstitut e. V.

Referat für Öffentlichkeitsarbeit
Barbara Keddi
Nockherstraße 2, 81541 München, Telefon 089/62306 - 281 oder 244, email keddi@dji.de
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