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Umbruch in der italienischen Instrumentalmusik

07.06.2000 - (idw) Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Um das Jahr 1600 befand sich die Instrumentalmusik in Oberitalien im Umbruch: Alte Musikformen veränderten sich, neue kamen hinzu. Mit diesen Vorgängen hat sich der Würzburger Musikwissenschaftler PD Dr. Frank Heidlberger in seinem Habilitationsprojekt befasst. Durch seine Forschungsarbeit lässt sich die Instrumentalmusik aus jener Zeit neu bewerten.

Für den Druck seiner Habilitationsschrift hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft Dr. Heidlberger eine Beihilfe von 10.000 Mark gewährt. Außerdem verlieh sie ihm ein Heisenberg-Stipendium: Damit kann der 38-jährige Wissenschaftler seit April 2000 unabhängig seinen Forschungen nachgehen. Dies wird er, nachdem er an der Würzburger Hochschule für Musik eine Professur vertreten hat, an der Universität Würzburg, am Paul-Hindemith-Institut in Frankfurt am Main, an der Musikhochschule Detmold sowie an der "Library of Congress" in Washington tun.

Für seine Habilitationsarbeit hat Dr. Heidlberger umfangreiche Quellenbestände in oberitalienischen Bibliotheken erschlossen und auszugsweise ediert sowie kommentiert. Diese Studienreise war ihm durch ein Stipendium aus der Jubiläumsstiftung der Universität Würzburg ermöglicht worden.

Die Zeit um 1600 erwies sich dem Würzburger Musikwissenschaftler zufolge als Ursprung einer selbstständigen Instrumentalmusik als eigene Kunstform. In dieser Musik spiegle sich das vielschichtige Kulturleben in Oberitalien wider, das sich innerhalb kurzer Zeit bis nach Nordeuropa auswirkte: Damals wurde mit traditionellen Kompositionstechniken gebrochen, wodurch ein eigenständiges Virtuosentum entstand. Dies deute auf die Modernität einer Entwicklung hin, die noch auf das ganze 17. Jahrhundert ausstrahlte, bis hin zu Arcangelo Corelli oder Antonio Vivaldi.

Der aus dem 16. Jahrhundert stammende Begriff "Canzon da sonar" wurde in dieser Phase des Umbruchs in seiner Bedeutung - instrumentales Lied mit retrospektiver Satztechnik - zunehmend ausgehöhlt und mit neuen Inhalten gefüllt. An seine Seite trat die sehr ähnliche "Sonata" als Ausdruck des neuen Kunstempfindens. Gerade diese terminologischen Unklarheiten und die unterschiedlichen Erscheinungsformen der damaligen Musikrichtungen können auf Grund der Forschungen Heidlbergers nun klarer definiert werden. So war zum Beispiel die Aufführungspraxis in den Kulturzentren wie Brescia, Mailand und Venedig jeweils unterschiedlich. Auch die rituelle Bedeutung dieser Musik - ob sie etwa in Kirchen oder bei privaten Andachten gespielt wurde - war nicht einheitlich.

Dr. Heidlbergers zweibändige Habilitationsschrift "Canzon da sonar - Studien zu Terminologie, Gattungsproblematik und Stilwandel in der Instrumentalmusik Oberitaliens um 1600" soll demnächst im musikwissenschaftlichen Verlag Dr. Hans Schneider (Tutzing) im Rahmen der Reihe "Würzburger Musikhistorische Beiträge" erscheinen.

Weitere Informationen: PD Dr. Frank Heidlberger, T (0931) 31-2828, Fax (0931) 31-2830, E-Mail:
heidlberger@t-online.de
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