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Ingenieure von heute brauchen "soft skills"

08.06.2000 - (idw) Fachhochschule Ravensburg-Weingarten

Der Ingenieur, der in seinem Büro allein über einem technischen Problem brütet, ist "out". Ein moderner Ingenieur arbeitet im Team, beherrscht die gängigen Computerprogramme, präsentiert die Neuentwicklungen mit Hilfe von modernen Medien, ist rhetorisch gewandt, betriebswirtschaftlich gewieft und spricht verhandlungssicheres Englisch. Dies hat Auswirkungen auf das Studium. "Vieles ist hinzugekommen, weniges weggefallen", meint Professor Dr. Peter Jany, Rektor der Fachhochschule Ravensburg-Weingarten. Konkret bedeutet das beispielsweise: "Obwohl der PC den Alltag eines Ingenieurs prägt, ist die Mathematik als Grundlagenfach im Studium weiter wichtig."

Von wegen also, die Jugend von heute hätte nichts mehr drauf. Die Ansprüche an die Nachwuchs-Ingenieure sind gestiegen. Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) fordert in seinen "Thesen zur Weiterentwicklung der Ingenieursausbildung": "Wichtiger Bestandteil des Ingenieurstudiums ist die Vermittlung von übergreifenden Qualifikationen. Die 'weichen' Qualifikationen und Kompetenzen ergänzen die 'harte' fachliche Qualifikation."

Dieser Prozess hin zu einem ingenieurwissenschaftlichen Allrounder ist relativ neu. Gerhard Schenk, geschäftsführender Gesellschafter der elektrotechnischen Spezialfabrik Rafi in Berg, erinnert sich an seine Studienzeit, die fast zwei Jahrzehnte zurückliegt: "Damals war Vermitteln von Fachwissen die erste Priorität. Da gab es kein Seminar, das sich mit Mitarbeiterführung oder mit Kommunikation befasst hat." Heute würden aber gerade solche Leute, benötigt, die zwischen dem kommerziellen und dem technischen Bereich vermitteln könnten - und dies ganz gleich, ob das absolvierte Studium Elektrotechnik, Informatik, Maschinenbau oder Physikalische Technik heißt.

Die Hochschulen haben auf die neuen Anforderungen reagiert. So hat die Fachhochschule Ravensburg-Weingarten inzwischen die Studien- und Prüfungsordnung der ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge geändert und eine ganze Reihe von nichttechnischen Wahlfächern aufgenommen, die die sogenannten soft skills vermitteln, beispielsweise Präsentation, Rhetorik, Marketing, Sprachen. Doch auch die technischen Seminare und Übungen an sich haben sich verändert. Rektor Jany: "In den Laborübungen müssen die Studierenden einen Versuch vor der Gruppe anschaulich präsentieren und so ihre Fähigkeit zur Kommunikation beweisen. Es gibt keine Monologe der Betreuer mehr."

Zukunftsweisend in dieser Hinsicht ist der Studiengang Technik-Management, der vor zwei Jahren in Weingarten gegründet wurde. Ein industrieller Beirat, dem unter anderen Rafi-Chef Gerhard Schenk angehört, gewährleistet ein Curriculum, das den Anforderungen der Industrie entspricht. Die zukünftigen Wirtschaftsingenieure beherrschen die Technik und die Betriebswirtschaft gleichermaßen, sie sind darüber hinaus Experten in Sachen Gesprächsführung oder Moderationstechniken. Die Sozialkompetenz der Studierenden wird gezielt gefördert, etwa durch Teamarbeit in kleinen Gruppen. Diese Qualifikation ist heute in den Stellenanzeigen bereits eine Standardanforderung.

Noch etwas gehört zum Anforderungsprofil dazu, wie eine Studie des Kölner Staufenbiel-Instituts herausgefunden hat. Die Meinungsforscher haben bei einer Befragung von führenden deutschen Unternehmen festgestellt, dass "internationale Qualifikationen im vergangenen Jahrzehnt an Bedeutung gewonnen haben". Die Globalisierung lässt grüßen! Zahlen verdeutlichen diese Entwicklung: Während 1991 knapp 30 Prozent der Unternehmen von ihren Bewerbern den Nachweis von Fremdsprachenkenntnissen verlangten, sind es heute 64 Prozent. Bei dem Kriterium "Auslandserfahrung" ist die Entwicklung noch augenfälliger. 1991 bezeichneten nur 1,7 Prozent aller befragten Unternehmen "Auslandserfahrung" als wichtiges Einstellungskriterium - heute sind es 46 Prozent.

"Ein Wirtschaftsingenieur", meint denn auch der Leiter des Studiengangs Technik-Management, Professor Dr. Josef Fischer, "muss heute international 'geländegängig' sein." Dies werde erreicht durch ein bis zwei Auslandssemester sowie "Dozenten aus global agierenden Unternehmen". Die Fachhochschule in Weingarten hat 30 Partnerschaften mit Hochschulen in Asien, Amerika und Europa. Dieses Netzwerk ermöglicht es allen Studierenden, unkompliziert und unbürokratisch ein Praxissemester etwa in Singapur oder Frankreich zu verbringen oder auch an einer der Partneruniversitäten etwa in Großbritannien oder den USA zu studieren.

Vor der Zukunft braucht den jungen Leuten nicht bange zu sein. Die Stellensituation für den Nachwuchs ist nämlich hervorragend. Dies betrifft nicht nur die viel zitierten Informatiker. Auch Ingenieure des Maschinenbaus oder der Elektrotechnik werden händeringend gesucht.

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