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Krankenhäuser: Billiger und trotzdem besser?

16.06.2000 - (idw) Westfaelische Wilhelms-Universität Münster


Lebhafte Diskussion zur Qualität im Krankenhaus am Rande der Tagung. Krankenhäuser können die Verweildauer ihrer Patienten oft deutlich verringern und dadurch Kosten senken. Zudem lassen sich bei richtiger Organisation auch wesentlich bessere Behandlungsergebnisse erzielen. Auf einer internationalen Konferenz in Gütersloh stellten rund 50 Experten Beispiele für erfolgreiches Krankenhausmanagement vor.

Eingeladen hatte das Centrum für Krankenhausmanagement (CKM) aus Münster, das 1994 auf Initiative von Liz Mohn, Mitglied im Beirat der Bertelsmann Stiftung, gemeinsam mit dem Land Nordrhein-Westfalen und der Westfälischen Wilhelms- Universität gegründet wurde. Mit dem Krankenhausvergleich, an dem sich 35 Kliniken aus den USA, Australien, Südafrika und verschiedenen europäischen Ländern beteiligen, will das CKM vorbildhafte Lösungen im Bereich des Krankenhausmanagements ermitteln. Dabei wird geprüft, inwieweit diese Beispiele auf die Gesundheitssysteme anderer Länder übertragen werden können.

Verbesserungspotenziale gibt es reichlich. Bei einer Gebärmutterentfernung etwa - einer der häufigsten gynäkologischen Operationen - liegen Patientinnen in Deutschland rund 14 Tage im Krankenhaus, in den USA oder in der Schweiz können sie bereits nach zwei bis neun Tagen wieder nach Hause. Am kürzesten ist die Verweildauer, wenn statt des traditionellen operativen Eingriffs eine Laparoskopie vorgenommen wird. Dieses Verfahren sei zwar teurer als die herkömmliche Methode, sagt Professor Wilfried von Eiff vom CKM. Die zusätzlichen Kosten würden aber durch den kürzeren Verbleib der Patientinnen in der Klinik und eine qualifiziertere Versorgung mehr als aufgewogen.

Auch eine Spezialisierung auf bestimmte Behandlungen führt zu kürzeren Liegezeiten. In Häusern, in denen pro Jahr mehr als 400 mal ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt wird, stellen sich lediglich bei 15 Prozent der Patienten im nachhinein Komplikationen ein. Führt eine Klinik dagegen weniger als 50 solcher Operationen im Jahr durch, kommt es in bis zu 40 Prozent der Fälle zu Komplikationen. "Jedem Krankenhaus ist daher zu raten, sich auf bestimmte Operationen zu konzentrieren", sagt von Eiff. Kleinere Häuser sollten möglichst mit benachbarten Krankenhäusern kooperieren und die Leistungsstrukturen miteinander absprechen. Ein Beispiel für vorbildhafte Behandlung von Schlaganfallpatienten kommt aus einem Krankenhaus in Kopenhagen. Dort konnte die Mortalitätsrate um bis zu 40 Prozent im Vergleich zu den umliegenden Krankenhäusern gesenkt werden. Grund des Erfolges: Die Patienten werden durchgehend von einem festen Team betreut, zu dem Ärzte, Physiotherapeuten, Logopäden, Pflegekräfte und Ernährungsberater gehören.

Auf der Veranstaltung des CKM wurde ebenfalls deutlich, dass dem Internet in Krankenhäusern eine wachsende Bedeutung zukommt. So bietet es mehreren behandelnden Ärzten die Möglichkeit, gleichzeitig auf die Patientenakte zuzugreifen. Außerdem wurden Lösungen vorgestellt, wie OP-Räume optimal genutzt und wie Mitarbeiter motiviert werden können, selbst Verbesserungsvorschläge für die täglichen Arbeitsabläufe einzubringen.

Weitere Auskünfte beim CKM an der Universität Münster.
Tel.: 0251-833144-0, Fax: 0251-833144-6, E-Mail: ckm@wiwi.uni- muenster.de
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