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RUB-Tagung: "Feindschaft aus Verfeindung"

21.06.2000 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Über das Bild des Feindes in der modernen Gewaltpolitik diskutieren Experten auf der Tagung "Feindschaft aus Verfeindung" stellen. Die Tagung wird veranstaltet vom Institut für Diaspora- und Genozidforschung an der RUB und dem Kulturwissenschaftlichen Institut NRW und findet vom 30. Juni bis 2. Juli 2000 in der Tagungsstätte des Evangelischen Studienwerks e.V. Villigst (Iserlohner Str. 25, 58239 Schwerte) statt.

Bochum, 21.06.2000
Nr. 168

RUB-Tagung: "Feindschaft aus Verfeindung"
Interdisziplinäre Tagung zu Mustern der Feindbildung
Moderne Gewalt- und Vorurteilsforschung


Es kann heute nicht mehr darum gehen, zu fragen, was Einzelne, Gruppen oder Staaten zu Feinden macht. Die öffentliche, staatlich systematisierte Gewalt, die im 20. Jahrhundert zu radikalen Verfolgungen, Massenmord und Genozid führte, ist nicht mehr mit den alten Mustern von Freund und Feind zu erklären. Und doch spielt das Bild des Feindes auch in der modernen Gewaltpolitik eine wichtige Rolle. Dieser Rolle wollen sich die Experten auf der Tagung "Feindschaft aus Verfeindung" stellen. Die Tagung wird veranstaltet vom Institut für Diaspora- und Genozidforschung an der RUB und dem Kulturwissenschaftlichen Institut NRW und findet vom 30. Juni bis 2. Juli 2000 in der Tagungsstätte des Evangelischen Studienwerks e.V. Villigst (Iserlohner Str. 25, 58239 Schwerte) statt.

Was Feindschaft ist ...

Feindschaft ist nichts Gegebenes - diese These soll im Mittelpunkt der Diskussionen und Vorträge herausfordern. Nicht zuletzt angesichts der komplexen Struktur moderner Gesellschaften können wir von Feindschaft nicht mehr nur vor dem Hintergrund eines anthropologischen Phänomens sprechen, den Feind nicht mehr nur als Ergebnis der Eskalation einer Konfrontation von Interessen deuten. Feindschaft entsteht in Prozessen der Verfeindung; nicht im Gegenüberstehen von Konfliktpartnern, von Eigen und Fremd, denn die moderne Feindschaft ist nicht mehr an den wirklichen Eigenschaften des Anderen ausgerichtet. Sie entsteht nicht durch die manipulative Wirkung sich verselbständigender Feindbilder, denn in überlieferten Geschichtsbildern, kulturellen Mustern und ausschließenden Projektionen wird sie allein erkennbar.

... wie moderne Verfeindung entsteht

Um die moderne Verfeindung zu verstehen, untersucht die Wissenschaft generationenüberdauernde, sozialhistorische Entstehungs- und Überlieferungsprozesse. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Analyse der Situation, in der das Muster der Feindschaft bewusst eingesetzt wird, um Gewalt gegen eine Gruppe zu legitimieren. In modernen Feindbildern geht es um die Verwirklichung des Eigenen, um Identität, um politische und historische Visionen.

... und inwiefern Feindschaft Thema moderner Gesellschaften sein muss

Der Ansatzpunkt, den die Tagung wählt, ist nicht mehr die Beschäftigung mit der philosophischen und anthropologischen Debatte um die Natur der Feindschaft sondern die neuere Gewalt- und Vorurteilsforschung. Ziel der Veranstaltung ist es, Muster, Verfahren und Strukturen von Verfeindung aus historischer, philosophischer, soziologischer, literatur- und medienwissenschaftlicher Perspektive zu beleuchten. Inwiefern werden sich auch die globalisierenden, weltweit vernetzten Staatensysteme mit der Möglichkeit der Aktualisierung von Verfeindung konfrontieren lassen müssen, ohne auf eine Zivilisierung der gewaltvollen Affekte gegen Gruppen hoffen zu können?

Weitere Informationen

Dr. Mihran Dabag, Institut für Diaspora- und Genozidforschung an der Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-29702, Fax: 0234/32-14-770
PD Dr. Burkhard Liebsch, Kulturwissenschaftliches Institut NRW, Goethestr. 31, D-45128 Essen, Tel.: 0201/ 7204 0, Fax: 0201/ 7204 111

Programm

Freitag, 30.6.


15.30 Uhr: Begrüßung - Prof. Dr. Manfred Faßler, Evangelisches Studienwerk e.V. Villigst, Dr. Mihran Dabag, Institut für Diaspora- und Genozidforschung

15.45 Uhr: Horizonte der Feindschaft: Normalität, Exzessivität - PD Dr. Burkhard Liebsch, Kulturwissenschaftliches Institut NRW, Essen

17.00 Uhr: Feindschaft als Gegenstand der Theorie: Definitions- und Erklärungsversuche - Prof. Dr. Bernhard Taureck, Braunschweig

19.30 Uhr: Altmesopotamische Feindschaft - Prof. Dr. Claus Wilcke, Leipzig

Samstag, 1.7.

9.15 Uhr: Politische Existenz und "bloßes Leben". Zur Selektivität des Politischen - PD Dr. Friedrich Balke, Siegen

11.00 Uhr: Die jüdischen Feinde des Politischen bei Carl Schmitt - Dr. Raphael Gross, RUB

14.00 Uhr: Das Risiko der Kommunikation. Die Gefahr der Dämonisierung - Dr. Achim Brosziewski, St. Gallen

15.45 Uhr: Zum Aspekt der Vision in der Aktualisierung kollektiver Exklusionsmuster - Dipl. Soz. Wiss. Kristin Platt, Institut für Diaspora- und Genozidforschung

17.15 Uhr: Künstliche Feindschaft - Prof. Dr. Raimar Zons, Paderborn

18.45 Uhr: Der Anteil der Medien an der Schaffung von Applikationsvorgaben für zukünftige Kriege - am Beispiel der Printmedienberichterstattung zum Krieg der Nato gegen Jugoslawien - Prof. Dr. Siegfried Jäger, Duisburg

Sonntag, 2.7.

9.00 Uhr: Zur Tragfähigkeit anthropologischer Theorien der Feindschaft - Dr. Peter Imbusch, Marburg

10.30 Uhr: Der innere und der äußere Feind. Semantische Strukturen der Feindschaft seit dem 18. Jahrhundert - Prof. Dr. Lucian Hölscher, RUB

11.45 Uhr: Resümee - PD Dr. Burkhard Liebsch, Dr. Mihran Dabag

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