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Hinweise auf Fälschungen in 94 wissenschaftlichen Arbeiten

05.07.2000 - (idw) Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Den bislang größten Fälschungsskandal in der Geschichte der deutschen Wissenschaft hat eine "Task Force" genannte Arbeitsgruppe von der Universität Würzburg in den vergangenen zwei Jahren untersucht. In ihrem Abschlussbericht kommt die Gruppe zu dem Ergebnis, dass bei 94 Veröffentlichungen, an denen der Forscher Friedhelm Herrmann beteiligt war, Hinweise auf Datenmanipulationen zu finden sind.

Begonnen hatte der Skandal im Frühjahr 1997: Zwei renommierte Krebsforscher aus Ulm gerieten in den Verdacht, Daten in ihren Publikationen gefälscht, zum Teil sogar erfunden zu haben. Die Vorwürfe wurden seinerzeit von einer "Gemeinsamen Kommission zur Aufklärung der Vorwürfe wissenschaftlicher Fälschungen" geprüft - mit einem niederschmetternden Ergebnis: Experimente sollten vorgetäuscht, Daten manipuliert, Abbildungen gefälscht, Ideen geklaut und junge Wissenschaftler zum Fälschen verleitet worden sein.

Die Würzburger Task Force, geleitet vom Krebsforscher und Molekularbiologen Prof. Dr. Ulf R. Rapp, wurde 1998 im Auftrag der Gemeinsamen Kommission tätig. Sie hat insgesamt 347 Veröffentlichungen des zuletzt an der Universität Ulm tätigen Krebsforschers Herrmann untersucht. Wie aus dem Abschlussbericht hervorgeht, seien in 94 Veröffentlichungen, bei denen Herrmann Co-Autor ist, Hinweise auf Datenmanipulationen zu finden. Die Hinweise hätten sich vorrangig aus der Analyse der Abbildungen der Publikationen ergeben. Bei 132 Publikationen dagegen hätten die Untersuchungen zur Entlastung geführt.

Eine weitere Aufgabe der Task Force war die Beurteilung der wissenschaftlichen Arbeit einiger Co-Autoren. Zu diesem Zweck wurden die häufigsten Mitautoren Herrmanns - Roland Mertelsmann, Albrecht Lindemann, Marion Brach und Wolfgang Oster - einer Sichtung unterzogen. Ergebnis: Bei einigen Habilitationsarbeiten (Lindemann, Brach, Oster) ergaben sich Hinweise auf Unregelmäßigkeiten. Unstimmigkeiten tauchten der Task Force zufolge auch bei der Untersuchung einer Arbeit auf, die in der Klinik des Freiburger Mediziners Prof. Roland Mertelsmann entstanden ist. Die über diese Publikation hinausgehenden Untersuchungen seien allerdings noch nicht abgeschlossen, so dass mit Ergebnissen frühestens im Herbst 2000 zu rechnen sei.

An den Beginn ihres Abschlussberichtes hat die Task Force eine kleine Anekdote aus ihrem Alltag gestellt: "Als Grund für seine Autorenschaft kreuzte der Erstautor einer Publikation in dem Fragebogen der Task Force 'Hilfsarbeiten' und 'Methodeneinführung' an. Nachdem wir auch von den weiteren Autoren nicht erfahren konnten, wer welche der beschriebenen Experimente durchgeführt hatte, schrieben wir den Erstautor noch einmal an und baten ihn darum zu spezifizieren, wem er bei welchen Experimenten geholfen habe und wen er in welche Methoden für diese Publikation eingeführt habe. In seiner Antwort führte der Autor aus, daß eigentlich er selbst sich zur Methodenerlernung in dem Labor von Prof. Herrmann aufgehalten habe und daß die von ihm erbrachten Hilfsleistungen nicht speziell mit der betrachteten Publikation verbunden gewesen seien."

Die Task Force wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Dr. Mildred-Scheel-Stiftung - Deutsche Krebshilfe finanziert. Weitere Informationen: Prof. Dr. Ulf R. Rapp, T (0931) 201-5140, Fax (0931) 201-3835, E-Mail:
rappur@mail.uni-wuerzburg.de

Der Abschlussbericht der Task Force ist im Internet abrufbar:
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