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Universität Dortmund ehrt mit Jerzy Buzek einen Wissenschaftler, der den Umweltschutz vorantreibt

05.07.2000 - (idw) Universität Dortmund

Der Fachbereich Chemietechnik der Universität Dortmund hat heute (05.06.2000) dem polnischen Ministerpräsidenten Jerzy Bu-zek die Ehrendoktorwürde verliehen. Die Ehrenpromotion wurde im Auditorium Maximum, dem größten Hörsaal der Dortmunder Universität vollzogen. Zu den zahlreichen Ehrengästen aus Deutschland und Polen gehörte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement, der mit seinem polnischen Amtskollegen vor der Zeremonie zu einem kurzen Gespräch zusammentraf.

Die Auszeichnung der Ehrendoktorwürde wurde einem politisch wirkenden Menschen verliehen, der sich schon seit Jahren als Wissenschaftler und Ingenieur hohe Verdienste um die Lösung verfahrenstechnischer Probleme des Umweltschutzes erworben hat. Dabei hat Prof. dr habil. inz., Dr.h.c. Jerzy Buzek eine nachhaltige internationale Zusammenarbeit gesucht.

Gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universität Dortmund und des Fraunhofer-Instituts UMSICHT in Oberhausen gehört zu den Initiatoren des Deutsch-Polnischen Forschungsverbundes INCREASE. Dessen polnische Geschäftsstelle wird noch heute von Buzeks Ehefrau Doc. Ludgarda Buzek geleitet.
Jerzy Buzek, der polnische Wissenschaftler und Regierungschef, wurde bei seinem Besuch an der Universität Dortmund von mehreren Mitgliedern seines Kabinetts, von Wissenschaftlern, von Mitgliedern seiner Familie sowie von polnischen Journalisten begleitet.

Von technischen Experimenten zur industriellen Umsetzung
In seiner Laudatio unterstrich Prof. Andrzej Górak von der Universität Dortmund die Verdienste des Ehrendoktors auf dem Gebiet der Verfahrenstechnik. Prof. Buzek sei an etwa 100 wissenschaftlichen Beiträgen beteiligt, die u.a. die mathematische Modellierung und experimentelle Techniken der Gasentschwefelung beschreiben würden.

Der Großteil der zahlreichen Projekte des fünffachen Doktorvaters widme sich solchen und ähnlichen umwelttechnischen Problemen und ihren Lösungen, so z.B. der Reduzierung von CO2-Emissionen.

Prof. Górak betonte, dass es Buzek gelungen sei, die Umwelttechnologie "ausgehend von den Untersuchungen im Labor, bis hin zu ihrer industriellen Anwendung" umzusetzen. Das Ausmaß dieser praxisorientierten Tätigkeit illustrierte der Redner am Beispiel des deutsch-polnischen Projekts INCREASE, welches Institute und Unternehmen aus beiden Ländern in einer Kooperation zur Erarbeitung umweltschonender Technologien vereint, und dessen Mitbegründer Buzek ist.

Der Laudator bezeichnete diesen Beitrag zur deutsch-polnischen "Zusammenarbeit auf den Gebieten: Forschung, Technik und Wissenschaft" als "eine der besten Methoden zur Verwirklichung der praktizierten Völkerverständigung".

In den abschließenden Worten seiner Laudatio setzte Prof. Górak einen persönlichen Akzent und wandte sich in polnischer Sprache an Buzek. Er würdigte ihn als Wissenschaftler, Politiker und Menschen und wünschte, nach polnischer Tradition, dem zwei Tage zuvor 60 Jahre alt gewordenen Gast, er möge noch 100 Jahre alt werden.
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Ministerpräsident Buzek greift Dialog
mit Außenminister Joschka Fischer auf
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Ministerpräsident Buzek gliederte seine Dankesrede in einige sowohl wissenschaftlich als auch politisch relevante Punkte. Dabei betonte er, er wolle wie Bundesaußenminister Joschka Fischer in seiner Berliner Europa-Rede, vor allem seinen "privaten" Standpunkt darlegen.

Zunächst erinnerte er sich an seine Zeit als Wissenschaftler zu-rück und verglich seine damaligen Aufgaben mit denen, die ihn nun als Ministerpräsident Polens beschäftigen. Nicht ganz ohne Humor sprach er dabei den Forschern seinen Neid aus, sich "mit schwieriger, aber dafür vorhersehbarer Materie" beschäftigen zu können, was den Politikern leider nicht immer gegönnt sei.

Anschließend ging er auf das deutsch-polnische Projekt IN-CREASE ein und bezeichnete es als beispielhaft für eine beson-ders "lebhafte Zusammenarbeit". Er forderte die Politiker dazu auf, Vorhaben wie diese als zukunftsweisende Zeichen zu deuten. In diesem Zusammenhang bekräftigte Buzek, dass "das historische Erbe und die Tradition" eine wesentliche Rolle spielen, der Blick beider Länder jedoch nicht nur nach hinten, sondern vor allem nach vorne gerichtet werden sollte. Der Besuch des Bundeskanzlers Gerhard Schröders in Gnesen und zuvor in Warschau sei auch in diesem Kontext zu verstehen.

Gemeinsame zukunftsträchtige Ziele seien vor allem mit der NATO und der bevorstehenden EU-Erweiterung verbunden, an der Polen ein vitales Interesse habe. Buzek bezog Stellung zu der Europa-Rede Joschka Fischers, in dem er sie als "wertvoll und notwendig" charakterisierte, allerdings auch die Notwen-digkeit "weiterer Diskussionen" unterstrich.

Fischers Postulat einer "verstärkten Zusammenarbeit" innerhalb einiger Kernstaaten der Europäischen Union riefe bei Ländern wie Polen die Sorge hervor, an den Rand der EU gedrängt und aus der vollwertigen Gemeinschaft isoliert zu werden. Buzek schlug des weiteren eine "schrittweise Reform" der europäischen Strukturen vor, die auf der einen Seite realistischer sei als ihr finales Gegenstück und auf der anderen Seite den Beitrittskandidaten einen größeren Spielraum bei der Mitgestaltung des zukünftigen Europa gewährleiste.

Als einen der bedeutendsten Punkte in der Außenpolitik Polens hob Buzek die Unterstützung der Demokratisierungsprozesse in den Staaten östlich des Landes hervor. Für ihn stellten diese Entwicklung und die damit verbundenen Aufgaben die "Solidarität (Solidarnosc) von heute" dar.

Der Ehrendoktor machte des weiteren auf die sich rasch verändernde und schnell auf Impulse aus dem Westen reagierende Volkswirtschaft Polens aufmerksam. Die "offene" Situation in Polen, die viel Raum für neue Ideen und Projekte bietet, sieht Buzek als große Chance auch für deutsche Investoren.

Man könne z.B. erwägen, ein Zentrum der Zusammenarbeit im Städtedreieck Dresden - Breslau - Prag zu errichten. Dabei sei vor allem das Stichwort der Partnerschaft ein Schlüsselbegriff. Entscheidender als bloße Hilfe, die nur kurzfristig greift, sei die Kooperation unter Partnern, die durch die gemeinsame Arbeit ihre "gegenseitigen Möglichkeiten" gleichberechtigt entfalten und nutzen können. Somit werde auch der Streit um die Zu- oder Abwanderung von Informatikern "anachronistisch und zwecklos".

Abschließend äußerte sich Buzek zuversichtlich hinsichtlich der Zukunft deutsch-polnischer Verhältnisse. Sofern der partnerschaftliche Dialog und der Gedanke des wissenschaftlichen und kulturellen Austausches weiterhin gepflegt würden, erwarte die beiden Nachbarn "ein glückliches Jahrhundert".
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Gratulanten unterstreichen wissenschaftliche
und politische Zusammenarbeit
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Im Auditorium Maximum hatte zunächst Rektor Prof. Dr. Dr.h.c. Albert Klein die große Festversammlung begrüßt, darunter namhafte Politiker aus Warschau, Berlin und Düsseldorf. Er schlug einen Bogen von der akademischen Feierstunde in die industriegeschichtliche Vergangenheit des Reviers, das durch die Migrationsbewegungen aus Polen eine starke kulturelle Prägung erhalten habe.

Der Rektor wies auch auf das Wirken ihrer Forschungsstelle Ostmitteleuropa hin, die seit Jahren mit vielen Publikationen den Dialog und die Annäherung beider Länder untermauere.

Der Dekan des Fachbereichs Chemietechnik, Prof. Dr. Arno Behr, zeichnete in seinem Grußwort den einhelligen Beschluß der Ehrenpromotion nach und würdigte seinerseits das wissenschaftliche, aber auch praxisorientierte und forschungspolitische Wirken des heutigen Ministerpräsidenten.

Zum Abschluß der Veranstaltung fand Prof. Dr.-Ing. Paul-Michael Weinspach als herausragende Figur aus den Gründertagen der Dortmunder Chemietechnik wie des Oberhausener UMSICHT-Instituts sehr persönliche Worte über die enge Zusammenarbeit zwischen den hiesigen Ingenieurwissenschaftlern und dem neuen Ehrendoktor sowie seinen Kolleginnen und Kollegen auf polnischer Seite.

Ein abschließender Empfang gab auch der politischen Prominenz, wie Ministerpräsident Dr.h.c. Clement und dem Berliner Parlamentarischen Staatssekretär Dr. Wolf Michael Catenhusen Gelegenheit, dem Ehrendoktor Buzek zu gratulieren und Perspektiven der wissenschaftlichen und politischen Zusammenarbeit aufzuzeigen.

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