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Bundesforschungsanstalten zeigen (Bio-)Profil

10.07.2000 - (idw) Senat der Bundesforschungsanstalten im Geschäftsbereich des BMVEL

Die Würfel sind gefallen: Im bundesweiten "BioProfile"-Wettbewerb des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) sind 20 Forschungsprojekte in die Zwischenrunde gekommen und werden mit Finanzmitteln von jeweils bis zu 100.000 DM gefördert. In der jetzt beginnenden zweiten Runde haben die ausgewählten Teilnehmer Gelegenheit, ihre Ideen weiter zu entwickeln. Den drei besten Konzeptionen winken im Mai 2001 Fördermittel von insgesamt 100 Millionen DM. Grund zur Freude haben die Bundesforschungsanstalten im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (BML): Alle Konzeptionen, an denen sie mit Teilprojekten beteiligt sind, stehen in der zweiten Runde.

BioProfile richtet sich an Regionen, die sich in besonders zukunftsträchtigen Gebieten der Biotechnologie profiliert haben. Die Bundesregierung verfolgt mit dem Wettbewerb das Ziel, das biowissenschaftliche Konw-how in Deutschland zu mobilisieren und zu nutzen.

"Zukunftsprogramm Pflanzenbiotechnologie. Die marktfähige transgene Pflanze der nächsten Generation", so lautet die erfolgreiche Konzeption der Forschungsregion BioRegioN, einem Netzwerk im Städtedreieck Hannover-Braunschweig-Göttingen. Ziel ist hier die Entwicklung von Nutzpflanzen, die mit gentechnisch veränderten Erbanlagen dem Verbraucher einen direkt erkennbaren Nutzen bringen, also beispielsweise weniger Pflanzenschutzmittel benötigen. Die Forscher streben an, gentechnische Veränderungen gezielter als bisher einzusetzen: Sie sollen zum Beispiel nur in den Pflanzenteilen zum Tragen kommen, in denen sie benötigt werden. Besonderes wichtig ist den Wissenschaftlern die Transparenz ihrer Entwicklungen für die Öffentlichkeit; Wünsche und Befürchtungen der Verbraucher sollen ernst genommen und berücksichtigt werden. Beteiligt an dem Projekt sind die Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) und die Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) in Braunschweig.

Auf den ersten Blick ähnlich erscheint die Konzeption der Region Kiel-Hamburg: "Schlüsseltechnologien zur Produktion marktfähiger transgener Pflanzen". Das Projekt ist aber weiter gefasst, der Begriff Pflanze reicht hier von Algen bis hin zu Bäumen. Gerade bei den Bäumen lassen die Experten der Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft (BFH) in Großhansdorf bei Hamburg ihre langjährige Erfahrung mit der Transformation von schnellwachsenden Baumarten wie Pappeln in das Projekt einfließen. Wichtig in diesem Zusammenhang sind zum Beispiel Tests, die Hinweise auf die Stabilität gentechnischer Veränderungen geben. Schließlich lebt ein Baum länger als eine Rapspflanze oder eine Zuckerrübe. Durch gezielte Änderungen im Erbgut lassen sich der Ligningehalt oder die Holzbildung der Bäume an die jeweiligen Erfordernisse anpassen. Die BFH-Wissenschaftler denken aber auch daran, Bäume als "Bioreaktoren" zur Produktion bestimmter Stoffe für die industrielle Verwertung zu nutzen. Das Institut für Zierpflanzenzüchtung der Bundesforschungsanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen (BAZ) im schleswig-holsteinischen Ahrensburg sucht im Rahmen des gleichen Projekts nach neuen Wegen, Zierpflanzen wie Rosen, Rhododendren und Cyclamen (Alpenveilchen) unempfindlich gegen Pilzkrankheiten zu machen. Dabei sollen Techniken entwickelt werden, mit denen gezielt in das Erbgut der Pflanzen eingegriffen wird, ohne dass unerwünschte "Hilfs-Gene" wie beispielsweise Antibiotika-Resistenzgene in das Genom gelangen oder dort zurück bleiben.

Einen außergewöhnlichen Ansatz verfolgt die Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere (BFAV) auf der Insel Riems: Die Wissenschaftler schlagen mit der "Impfmöhre" einen Spagat zwischen Pflanzenbiotechnologie und Tiermedizin. Die Idee ist, Futterpflanzen gentechnisch so zu verändern, dass Nutztiere bestimmte Impfstoffe direkt mit der Nahrung aufnehmen. Denkbar wäre es zum Beispiel, in Möhren Teile krankmachender Viren (Hüllproteine) einzubauen, gegen die die Tiere Antikörper bilden würden. Kämen sie dann in Kontakt mit den echten Viren, wären sie gegen die Krankheit geschützt. Eingebunden ist dieser Forschungsansatz in das Projekt "BIOnetz Ostsee Küste - Meerwert in der Pflanze" der Region Greifswald-Rostock.

Auch um Ernährung, diesmal aber beim Menschen, geht es in der Konzeption der Region Hamburg-Kiel. Sie profilierte sich erfolgreich mit dem Beitrag "Lipide und Fettsäuren für Lebensmittel mit besonderem gesundheitlichen Wert". Mit im Boot sitzt die Bundesanstalt für Milchforschung (BAfM) in Kiel. Den Milchwissenschaftlern geht es um die Wirkungen und die ernährungsphysiologische Bewertung von Fetten und Fettsäuren. Im Mittelpunkt stehen dabei die konjugierten Linolsäuren, denen eine gesundheitsfördernde Wirkung zugeschrieben wird. Auf biotechnologischem Wege wollen sie ein Enzym herstellen, mit dem die Produktion einer bestimmten, günstig wirkenden Form der Linolsäure möglich wird. Parallel dazu werden an der BAfM Methoden zur Implementierung von Fettsäuren in Lebensmittel entwickelt.

Bis zum Januar kommenden Jahres haben die Teilnehmer in den ausgewählten Regionen Zeit, ihre Ideen weiter zu entwickeln. Besonderes Gewicht legt die Jury auf die Umsetzungsmöglichkeiten und praktischen Nutzanwendungen, die in den Konzepten stecken. Schon jetzt hat sich in den beteiligten Regionen ein intensives Netzwerk an Kooperationen herausgebildet, das zu gemeinsamen Forschungsprojekten, aber auch zur Gründung aufstrebender BioTech-Unternehmen geführt hat. Dass die Bundesforschungsanstalten in den Netzwerken als gefragte Partner mitten drin stehen, liegt nicht zuletzt an der anwendungsorientierten Arbeit ihrer Wissenschaftler.


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