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Elefantenrennen: Stellungnahme des Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW)

13.07.2000 - (idw) Forschungsverbund Berlin e.V.

Zum geplanten Elefantenrennen auf der Galopprennbahn in Hoppegarten am 16. Juli

In der Wochenendausgabe vom 08.07.2000 einer in Berlin erscheinenden Tageszeitung wurden im Rahmen eines Artikels zur Veranstaltung "Der Cup des Maharadscha" auf der Galopprennbahn Hoppegarten am 16.07.00 Äusserungen von Amtstierarzt Dr. Fritzsch dargestellt, in denen auch das Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin (nicht "Institut für Zootierforschung" wie fälschlicherweise zitiert) erwähnt wird. Das Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) sieht daher die Notwendigkeit, den dort beschriebenen Sachverhalt durch eine ausführlichere Stellungnahme zu ergänzen. Prinzipiell halten wir folgende Gesichtspunkte zu dieser Großveranstaltung für bedenkenswert:

1. Titel der Veranstaltung, zusammen mit der Werbung, dem Standort, der Bezugnahme auf Indische Elefantenrennen, dem ausgelobten "Cup des Maharadscha" und dem Wettangebot, suggerieren eine Sportveranstaltung ähnlich einem Pferderennen. Indische wie Afrikanische Elefanten sind jedoch Tierarten, die nicht an Flucht durch schnelle Fortbewegung, wie etwa Pferde, evolutiv angepasst sind.
Sie sind auf Grund ihrer Körpergröße, ihres Körperbaus und durch ihr Sozialverhalten auf Verteidigung und Abwehr durch Angriff, z. B. auf Raubtiere, ausgerichtet. Sie gehören zu den gefährdeten Tierarten; ihre Erhaltung in freier Wildbahn sowie ihre Haltung und insbesondere ihre Reproduktion in Menschenhand sind bisher nicht zufrieden stellend gelöst. Daher sollten Elefanten grundsätzlich nicht zu "Sportveranstaltungen" und "Rennen" herangezogen werden.

2. Der Charakter der Veranstaltung wird in einer detaillierten Beschreibung teilweise revidiert. Danach soll eine Dressur mit Zirkuselefanten geboten werden, die wie ein Elefantenrennen aussehen soll. Die Distanz von 350 Metern stellt für Elefanten nach vorangegangenem Training wahrscheinlich keine tierschutzrelevante physische Belastung dar. Wenn ausschließlich Gruppen von je drei Tieren, die sich aus Zirkusdressuren kennen, eingesetzt werden, sind auch keine außergewöhnlichen sozialen Belastungen zu erwarten. Trotzdem ergeben sich verschiedene Bedenken:

3. Afrikanische und Indische Elefanten sollten nie gemeinsam gehalten werden. Afrikanische Elefanten können die tödliche Herpesviruserkrankung übertragen, bisher starben dadurch 30 Asiatische Elefanten. Kontakte zwischen den Gruppen müssen daher vermieden werden.

4. Schneller Lauf ist Teil des Angriffsverhaltens von Elefanten; unter ungewöhnlichen Bedingungen (Lärm, Musik) kann ihr Verhalten zum unkontrollierbaren Angriff umschlagen. Die vorgesehenen Sicherheitsmaßnahmen (Elektrozaun, Hecke) stellen kein Hindernis für einen angreifenden Elefanten dar. Ein Angriff dürfte unter den gegebenen Bedingungen weder durch den Einsatz einer Waffe noch durch eine Distanzimmobilisierung zuverlässig und ohne Gefährdung von Menschen zu stoppen sein.

5. Elefanten reagieren auf niederfrequente Schwingungen (unter 5 Hz), die für den Menschen nicht wahrnehmbar sind. Sie können durch vibrierende Flächen oder durch Mobiltelefone entstehen. In Versuchen reagierten sie mit Unruhe und Aufregung. Solche Laute, deren Entstehung der Veranstalter nicht erkennen und damit auch nicht verhindern kann, können das Verhalten der Tiere beeinflussen.

6. Durch das Angebot von Futter und Darreichung von Besucherseite sind bereits Unfälle eingetreten; die Mitnahme von attraktiver Nahrung und ihre Präsentation durch Besucher stellt eine nicht zu unterschätzenede Gefährdung dar.


Dr. K.M. Scheibe,Tierschutzbeauftragter
Dr. H. Hofer, Direktor
Dr. F. Göritz, Leitender Tierarzt

Kontakt zum IZW: Tel.: 030/5168-0; e-mail: direktor@izw-berlin.de
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