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Materialien zu Überwindung der Folgen der SED-Diktatur an Uni-Bibliothek übergeben

27.07.2000 - (idw) Universität Bayreuth

Materialien der Bundestags-Enquete-Kommission "Überwindung
der Folgen der SED-Diktatur" , die aus acht Bänden in 14 rot eingebundenen Teilbänden und einem späteren Registerband bestehen, hat heute der Bayreuther Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk dem Bestand der Bayreuther Universitätsbibliothek übergeben.


Bei der Übergabe von links: Bibliotheksoberrat Dr. Harald Rehm, Universitätspräsident Professor Rupperz, Hartmut Koschyk MdB und Bibliotheksoberrat Manfred Albinger Bayreuth (UBT). 24 öffentliche, teils mehrtägige Anhörungen und unzählige Sitzungen der Enquetekommission "Überwindung der Folgen der SED-Diktatur im Prozess der deutschen Einheit" waren in der letzten Wahlperiode des Bundestages nötig, 160 Expertisen wurden vergeben und ausgewertet, 292 Persönlichkeiten waren an den Anhörungen beteiligt, darunter zahlreiche Zeitzeugen, die das Urteil der Historiker und anderer Experten ergänzen konnten. Das Ergebnis sind die Materialien, die aus acht Bänden in 14 rot eingebundenen Teilbänden und einem späteren Registerband bestehen und die heute der Bayreuther Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk dem Bestand der Bayreuther Universitätsbibliothek übergab.
Die beim Nomos-Verlag verlegten Materialien sollen bald nach einer zügigen internen Bearbeitung in der Bayreuther Universitätsbibliothek der akademischen Welt wie allgemein der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Koschyk, der bereits vor vier Jahren der Universitätsbibliothek die in 18 Teilbänden vorliegenden Materialien der vorausgegangenen Enquete-Kommission "Zur Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland" überreicht hatte, zeigte sich froh, "weil die immense Arbeit, die geleistet wurde, nunmehr der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung steht." Er könne nicht verschweigen, sagte der Abgeordnete im Beisein von Universitätspräsident Professor Dr. Dr. h.c. Helmut Ruppert und der beiden Bibliotheksabteilungsleitern Manfred Albinger und Dr. Harald Rehm weiter, "daß mich die Arbeit und ihr Ergebnis mit Stolz erfüllt". Denn er habe als Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion in der Enquete-Kommission die Arbeit maßgeblich begleitet.

Der Bayreuther Abgeordnete machte deutlich, daß die Aufarbeitung der DDR-Diktatur nicht mit den Ergebnisse der beiden Bundestags-Kommissionen abgeschlossen sei, sondern weitergeführt werden müsse. Dies gelte besonders im Hinblick auf die Opfer der SED-Diktatur. Dazu sei 1998 eine Bundesstiftung errichtet worden, die sich dieser Aufgabe etwa durch die Vergabe von Forschungsaufträgen widme.

Universitätspräsident Ruppert unterstrich, wie wichtig die Aufarbeitung jüngster Geschichte für besonders für die jungen Generationen sei. Wissenschaftler der Universität Bayreuth beschäftigten sich in internationaler Sichtweise mit jüngerer Geschichte, etwa mit den deutschen Spuren in China, durch eine in Deutschland einmalige Professur für afrikanische Geschichte und durch die vergleichende Beschäftigung historischer Entwicklungen in England und Deutschland. Einige nationale Sichtweisen auf deutsche Geschichte seien allerdings korrekturbedürftig. Er sei in diesem Zusammenhang zuversichtlich, daß die Universität in diesem Zusammenhang in nächster Zeit einen englischsprachigen Studiengang "Modern German History" anbieten könne, der derzeit vorbereitet werde,aber noch einige Hürden zu nehmen hat, sagte Professor Ruppert.

Das thematische Spektrum der Enquete-Kommission, wie es in den Materialien widergespiegelt wird, war breit: Es reichte von der Untersuchung der rechtstaatlichen Aufarbeitung der SED-Diktatur über die Wirtschafts-, Sozial- und die Umweltpolitik in der DDR, das Bildungswesen, die Wissenschaft und Kultur im SED-Staat, das Alltagsleben in der DDR und Fragen des Archivzugangs und der Aktenüberlieferung. Dazu kamen Fragen der gesamtdeutschen Erinnerung an die beiden deutschen Diktaturen und ihre Opfer, Perspektiven internationaler Zusammenarbeit bei der Aufarbeitung totalitärer Regimes, den Herausforderungen für die zukünftige Aufarbeitung der SED-Diktatur bis hin zu einer Untersuchung über die Rolle beider deutschen Staaten im internationalen System zu Zeit des Kalten Krieges.

Zwei Bayreuther Wissenschaftler haben übrigens auch zu den Materialien beigetragen. Die Soziologen Professor Dr. Winfried Gebhardt und Dr. Georg Kamphausen. Im Rahmen des vierten Bandes der Materialien, der sich mit Bildung, Wissenschaft, Medien und Kultur in der DDR beschäftigt, haben sie sich im Zusammenhang mit der sog. "Ostalgie", der rückwirkenden Verklärung Der DDR Wirklichkeit und seine Ursachen, in einer Studie mit den Mentalitätsunterschiede nach der Wiedervereinigung am Beispiel zweier Dörfer rechts und links des ehemaligen Todesstreifens beschäftigt.

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