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Neues Buch fordert grundlegende Reformen der Agrarpolitik in Russland

11.08.2000 - (idw) Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa

Regional uneinheitliche Agrarpolitiken innerhalb Russlands lassen die dortigen Lebensmittelmärkte immer wieder zusammenbrechen und führen zu Versorgungskrisen. Dies ist nur eines von mehreren gravierenden Problemen der russischen Agrar- und Ernährungswirtschaft, die im soeben erschienenen Buch "Russia´s Agro-food Sector: Towards Truly Functioning Markets" behandelt werden. Herausgeber des Sammelbandes über den Wandel der russischen Landwirtschaft während der Transformation sind das Bonner Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF), das Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO) in Halle sowie das Moskauer Institut für Transformationsökonomie.
Die Herausgeber fordern grundlegende Reformen auf allen Ebenen der russischen Agrar- und Ernährungswirtschaft zur Überwindung der Krise. Neben einer Stabilisierung der politischen und makroökonomischen Rahmenbedingungen kommt hierbei dem Aufbau von Marktinstitutionen zentrale Bedeutung zu. Dieser muß alle Bereiche der Agrar- und Ernährungswirtschaft umfassen, von der Entwicklung funktionierender Bodenmärkte über die Durchsetzung von Verträgen, die Anwendung des Konkurs- und Wettbewerbsrechtes, einer klaren Abgrenzung agrarpolitischer Kompetenzen bis hin zum Errichten lebensfähiger Agrarbanken und eines den neuen Realitäten angepaßten Ausbildungssystems. Eine solche Reformagenda ist nur durchsetzbar, wenn die Mehrheit der Bevölkerung hierfür gewonnen werden kann. Daher ist von radikalen im Eiltempo erlassenen Maßnahmen, die die Betroffenen überfordern, abzusehen. Notwendig ist vielmehr ein an klar definierten Zielen orientierter langfristiger Umbau der russischen Ernährungswirtschaft.
Der Sammelband setzt sich aus 24 wissenschaftlichen Beiträgen sowie neun Kommentaren russischer und westlicher Autoren zusammen. Er beginnt mit einem Vergleich der landwirtschaftlichen Entwicklung in Russland mit der anderer Ländern der früheren Sowjetunion, Mitteleuropas aber auch Chinas. Dabei werden insbesondere die Veränderungen in Russlands Agrarsektor seit der Machtübernahme durch Präsident Jelzin analysiert. Neben den politischen werden auch die makroökonomischen Faktoren beleuchtet, die bislang verhindert haben, dass sich die russische Landwirtschaft von der Produktionskrise der frühen 90er Jahre nennenswert erholen konnte. Als Beispiele werden die hohe Inflationsrate und ein lange Zeit überbewerteter Wechselkurs des russischen Rubels genannt. Verschiedene Autoren unterstreichen auch die negative Rolle des weit verbreiteten Naturaltauschs sowie der entweder unbefriedigenden gesetzlichen Regelungen oder ihrer mangelnden Geltung. So können beispielsweise Vertragsverletzungen im russischen Agrarhandel bislang vor Gericht nicht oder nur schwer eingeklagt werden.
Zukünftige Forschung muß die vielfältigen Faktoren, die das Entstehen von Märkten bestimmen, noch näher untersuchen. Dafür ist eine Verbesserung der Zusammenarbeit verschiedene wissenschaftliche Disziplinen anzustreben.
Peter Wehrheim, Klaus Frohberg, Eugenia Serova and Joachim von Braun (eds.): Russia's Agro-food Sector: Towards Truly Functioning Markets, 552 pp., Kluwer Academic Publishers, Boston/Dordrecht, 2000, ISBN 0-7923-7841-5, NLG 420/USD 165/GBP 115.5. Internet order: orderdept@wkap.com

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