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Lernen wie das Gehirn lernt

21.08.2000 - (idw) Klinikum der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Vom 16. bis zum 19. September werden sich in Magdeburg NeurowissenschaftlerInnen aus der ganzen Welt treffen, die auf dem Gebiet der Lernforschung führend sind. Anlass ist das X. Internationale Neurobiologische Symposium zu Mechanismen von Lernen und Gedächtnis, das vom Leibniz-Institut für Neurobiologie (IfN) organisiert wird.

Über das Lernen machen sich viele Menschen meist erst dann Gedanken, wenn die Kinder Probleme mit dem Schulstoff haben oder die beruflichen Anforderungen die Grenzen der eigenen geistigen Leistungsfähigkeit übersteigen. In späteren Lebensjahren tragen Demenz-Erkrankungen dazu bei, dass neu erworbenes Wissen nicht mehr so leicht im Gehirn "haften bleibt". Für den einzelnen Menschen und die Gesellschaft sind Lern- und Gedächtnisstörungen ein Problem, das Leid und Kosten in Milliardenhöhe verursacht. Ziel der experimentellen Neurowissenschaften im "Jahrzehnt des menschlichen Gehirns" ist es deshalb, die biologischen Grundlagen des Lernens zu verstehen, um bessere Diagnose- und Therapieverfahren bei Störungen der geistigen Leistungsfähigkeit in jedem Alter anbieten zu können.

"Die Ergebnisse der Hirnforschung der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass Lernen ein Prozess der fortwährenden Umgestaltung des Gehirns ist", so der wissenschaftliche Direktor des IfN, Prof. Dr. med. Henning Scheich. Die ständigen Veränderungen reichen von molekularen Umbauprozessen in einzelnen Nervenzellen bis zum Neuarrangement ganzer Netzwerke von Nervenzellen. Das Gehirn besitzt dadurch eine Flexibilität beim Lernen, Speichern und Erinnern, die grundsätzlich verschieden ist von heute bekannten technischen Systemen. Es kann Funktionsausfälle bedingt durch regionale Hirnschädigungen durch intensives Training teilweise ausgleichen, indem sich das Netzwerk neu organisiert oder andere Hirngebiete die ausgefallene Funktion übernehmen. Diese, von den Forschern als Plastizität bezeichnete Umgestaltungsfähigkeit des Gehirns ist ein Themenschwerpunkt der neurowissenschaftlichen Tagung. "Heiß diskutiert" wird z.B. die Rolle der so genannten frühen Gene, die die strukturellen Veränderungen an den Kontaktstellen zwischen zwei Nervenzellen (Synapsen) anstoßen. Weitere Vorträge behandeln u.a. die Bedeutung von Emotionen für das Lernen und Erinnern und die Rolle bestimmter Hirngebiete für Hören und Verstehen von menschlicher Sprache. Der englische Neurobiologe Steven Rose wird einen Ausblick auf die Herausforderungen der Lernforschung im neuen Jahrhundert geben. Eingeführt wir das Symposium durch eine Würdigung des Lebenswerks von Hermann Ebbinghaus, des großen deutschen Pioniers der Lernforschung.

Zur Tagung erwarten die Organisatoren ca. 250 HirnforscherInnen aus aller Welt. Über das aktuelle wissenschaftliche Programm kann man sich im Internet informieren: http://www.ifn-magdeburg.de

Journalisten, die über die Tagung berichten möchten, werden gebeten, sich vorab akkreditieren zu lassen.
Dr. Sabine Staak
Leibniz-Institut für Neurobiologie,
Brennecke-Str. 6
39128 Magdeburg
Tel: 0391-6263218
Fax: 0391-616160
E-mail: staak@ifn-magdeburg.de
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