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Elfter Vortrag der Erich-Regener-Vortragsreihe: Weltraumwetter

24.08.2000 - (idw) Max-Planck-Institut für Aeronomie

Zum elften "Erich-Regener-Vortrag" lädt das Max-Planck-Institut für Aeronomie (MPAE) in Katlenburg-Lindau alle interessierten Hörer in seinen Hörsaal ein (Ortsteil Lindau, Max-Planck-Straße 2). Am Donnerstag, dem 31. August 2000, um 19.00 Uhr, wird Herr Prof. Dr. Kristian Schlegel einen ca. einstündigen Vortrag über das Thema "Weltraumwetter" halten. Prof. Schlegel hat in Karlsruhe Physik und Mathematik studiert, 1967 in Kiel promoviert und sich 1990 in Göttingen habilitiert. Seit 1968 arbeitet er als Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Aeronomie in Katlenburg-Lindau. 1996 ernannte ihn die Universität Göttingen zum außerplanmäßigen Professor. Seit 1999 ist er einer der Vizepräsidenten der Internationalen Union für Radiowissenschaften (URSI). Seine Arbeitsgebiete sind die Ionosphäre und Atmosphäre der Erde sowie Plasmaphysik.

Der Begriff "Weltraumwetter" entwickelte sich beim Studium der Sonne-Erde-Beziehungen und umfaßt die Strahlungs- und Teilchenströme im (erdnahen) Weltraum und die Erscheinungen, die sie in der Erdmagnetosphäre und in der Erdatmosphäre von der Ionosphäre bis hinunter zur Stratosphäre hervorrufen. Der "Sonnenwind" genannte Materiestrom, den die Sonne kontinuierlich auswirft, umströmt und verformt die Magnetosphäre. Röntgenstrahlung wird in der Ionosphäre, Ultraviolettstrahlung in der Stratosphäre absorbiert. Bei ruhigem Weltraumwetter gibt es keine spektakulären Erscheinungen.

Wenn jedoch der Sonnenwind zum Sturm anschwillt und einzelne Böen auf die Erde zufegen, kommt Unruhe in das System. Zu den angenehmen, wunderschönen Folgen zählen die Polarlichter, die in hohen geographischen Breiten, zuweilen aber auch bei uns auftreten. Unangenehmer sind hingegen Magnetstürme, die die Stromnetze großer Landstriche lahmlegen und durch induzierte Ströme zur Korrosion von Ölpipelines und zu Produktionsausfällen bei der Herstellung von Rechnerchips führen können. Durch erhöhte Elektronendichten in der Ionosphäre werden der irdische Funkverkehr und die Kommunikation mit Satelliten gestört oder unterbrochen. Satelliten sind auch durch die Teilchenstrahlung und die sich aufheizende und ausdehnende Atmosphäre bedroht. Turbulentes Weltraumwetter gefährdet also gerade die modernste Technik und kann große wirtschaftliche Schäden hervorrufen - seine Vorhersage in einem "Weltraumwetterbericht" wäre damit für Physiker ein lohnendes Ziel. Verschwiegen werden soll es nicht, daß das Weltraumwetter auch biologische Systeme und möglicherweise langfristig das irdische Klima beeinflussen kann. Einen wichtigen Beitrag bei der Erforschung der Sonne-Erde-Beziehungen erhoffen sich die Wissenschaftler von den (unter MPAE-Beteiligung) gerade gestarteten Cluster-Satelliten.

Erich Regener (http://www.physik.uni-stuttgart.de/Allgemein/geschichte/regener.html) (1881 - 1955), dessen Namen die Vortragsreihe trägt, war Physikprofessor an der Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin und an der Technischen Hochschule Stuttgart. Seit 1938 leitete er in Friedrichshafen am Bodensee die "Forschungsstelle für Physik der Stratosphäre in der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft". Aus der Forschungsstelle entstand 1952 in Weissenau bei Ravensburg ein Max-Planck-Institut, das nach Regeners Tod nach Südniedersachsen verlagert wurde und eine der beiden Wurzeln des heutigen MPAE bildet. Regeners Interessen galten insbesondere der Kosmischen Strahlung und dem Ozon der Stratosphäre. Seit 1942 entwickelte er zur Erforschung der hohen Atmosphäre erstmals eine wissenschaftliche Nutzlast für eine Rakete, die zwar noch in Peenemünde in die Spitze einer A4-(V2-)Rakete eingebaut, in den Wirren des endenden Krieges aber nicht mehr gestartet wurde.

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