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Vom Gastarbeiter zum ausländischen Mitbürger

24.08.2000 - (idw) Universität zu Köln

Das über die Grenzen der Stadt Köln bekannte multikulturelle Leben hatte seine Anfänge in den frühen 1960er Jahren. Seit 1955 warb Deutschland Arbeitskräfte aus Italien an. Es folgten sogenannte Anwerbeabkommen mit Spanien, Griechenland, der Türkei, Marokko, Tunesien und dem ehemaligen Jugoslawien. Die Migranten zogen aus den provisorischen Wohnheimen der 1950er Jahre allmählich in die Kölner Altstadt und die industrienahen Stadtteile Nippes, Mülheim, Ehrenfeld und Kalk. So entstanden die ersten Migrantenviertel. 1962 setzte dieser Niederlassungsprozeß in Köln ein - drei Jahre früher als im Bundesdurchschnitt. Zu diesem Ergebnis kommt Natalie Muntermann in ihrer am Historischen Seminar der Universität zu Köln vorgelegten Studie.

Multikulti begann vor 40 Jahren

Das über die Grenzen der Stadt Köln bekannte multikulturelle Leben hatte seine Anfänge in den frühen 1960er Jahren. Seit 1955 warb Deutschland Arbeitskräfte aus Italien an. Es folgten sogenannte Anwerbeabkommen mit Spanien, Griechenland, der Türkei, Marokko, Tunesien und dem ehemaligen Jugoslawien. Die Migranten zogen aus den provisorischen Wohnheimen der 1950er Jahre allmählich in die Kölner Altstadt und die industrienahen Stadtteile Nippes, Mülheim, Ehrenfeld und Kalk. So entstanden die ersten Migrantenviertel. 1962 setzte dieser Niederlassungsprozeß in Köln ein - drei Jahre früher als im Bundesdurchschnitt. Zu diesem Ergebnis kommt Natalie Muntermann in ihrer am Historischen Seminar der Universität zu Köln vorgelegten Studie.

Die Arbeitsmigration in die Bundesrepublik war als amtlich organisierte Arbeitswanderung auf Zeit geplant. Doch aufgrund der guten wirtschaftlichen Konjunktur in den 1960er Jahren und des anhaltenden Bedarfs an ausländischen Arbeitnehmern, blieben viele von ihnen länger in Deutschland als das vorgesehene Jahr, aus der Arbeitsmigration wurde ein Einwanderungsprozeß. Wegen des Wirtschaftswachstums wurden die ausländischen Arbeitskräfte langfristig benötigt.
In der hochindustrialisierten Bundesrepublik herrschte seit Ende der 1950er Arbeitskräftemangel, gleichzeitig drängte es viele Südeuropäer in den Norden, da die wirtschaftliche Lage in den meisten Mittelmeerländern schlecht war. Um die Arbeitsmigration staatlich zu lenken, wurde Anwerbevereinbarungen zwischen dem Aufnahme- und Abgabeland getroffen. Die Bundesrepublik Deutschland schloß 1955 das erste Anwerbeabkommen mit Italien, 1960 folgten Spanien und Griechenland, ein Jahr später die Türkei. Die erteilten einjährigen Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigungen wurden von den Arbeitgebern verlängert, um Einarbeitungszeiten zu sparen. Bis 1966 waren 40.000 Arbeitsmigranten in Köln registriert, deren Anzahl bis 1994 auf 190.000 wuchs. Heute bilden sie einen wichtigen Bestandteil der Kölner Gesellschaft.

Der Schwerpunkt der Ausländerbeschäftigung lag in den eisen- und metallerzeugenden und -verarbeitenden Industriezweigen. Den zweitgrößen Beschäftigungssektor bildete das Baugewerbe gefolgt vom verarbeitenden Gewerbe wie der Textil- und der chemischen Industrie oder der Nahrungsmittelherstellung. Auch die Elektronikbranche sowie die Bundespost und die Bundesbahn stellten ausländische Arbeiter ein. Migrantinnen wurden im Dienstleistungsbereich wie z.B. in Betriebskantinen, Krankenhäusern oder Reinigungsunternehmen eingesetzt.

Die Arbeitsplätze der Migranten erforderten keine oder nur geringe Qualifizierung. 1966 waren 80 Prozent der Arbeitsmigranten in Deutschland un- oder angelernte Arbeiter. Die Arbeit in Fertigungsbereichen und am Fließband war körperlich schwer und schmutzig und wurde häufig im Akkord verrichtet. Der Lohn der Migranten lag unter dem der deutschen Kollegen. Durch Überstunden und Schichtarbeit erhöhten sich die Einkommen der Gastarbeiter. Ein Wechsel des Arbeitsplatzes nach Ablauf eines befristeten Arbeitsvertrages, war eine andere Möglichkeit mehr Geld zu verdienen. Das Arbeitsklima in den Betrieben, die Ausländer beschäftigten, war gut. Die neuen Kollegen galten schnell als fleißige, eifrige Leute. Die Gastarbeiter bescheinigten den deutschen Kollegen eine freundliche Haltung.

Die positive Entwicklung auf dem Arbeitssektor fand ihre Entsprechung in der Wohnsituation der Migranten. Zu Beginn der Migration waren die Arbeiterinnen und Arbeiter aus den Anwebeländern in Sammelunterkünften untergebracht. Ursprünglich sah die Migrationspolitik vor, die Gastarbeiter nach Ablauf ihrer einjährigen Arbeitsverträge wieder in ihre Heimatländer zu schicken. Die längerfristigen Bindungen an die Arbeitgeber förderte den Wunsch der Migranten, sich aus den beengten Verhältnissen des Sammelunterkünfte zu lösen. Wohnraum in Köln war Mitte der 1960er Jahre knapp und Deutsche wurden als Mieter bevorzugt. So blieben für die Ausländer nur die Wohnungen, die die einheimische Bevölkerung nicht mehr wollte: sanierungsbedürftige Altbauwohnungen.

In der Kölner Altstadt wohnten 1964 über 5.300 Migranten, überwiegend Italiener und Spanier. In Nippes dominierte der Anteil der Türken unter den 5.200 Ausländern gefolgt von Italienern und Griechen. Mülheims 3.800 Gastarbeiter stammten aus Italien und der Türkei. Ehrenfeld und Kalk waren weitere Stadtteile, in denen sich Arbeitsmigranten niederließen. Es entstanden Einwandererkolonien. Die ausländischen Arbeitnehmer und ihre Familien wurden zu einem bleibenden Bestandteil der Kölner Wohnbevölkerung.

Verantwortlich: Nader El Mankabady

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