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100 Jahre Wissenschaft vom Alten Orient an Universität Leipzig: Wiege der deutschen Altorientalistik

29.08.2000 - (idw) Universität Leipzig

Mit einem Kolloquium zum Thema "Das geistige Erfassen der Welt im Alten Orient", das vom 16. bis 18. November 2000 an der Universität Leipzig stattfinden wird, erinnert das Altorientalische Institut an die lange Tradition des Fachs Altorientalistik, auch Assyriologie oder Keilschriftforschung genannt, an der Universität Leipzig.

Gleich drei Jubiläen hat das Institut für Altorientalistik in diesem Jahr zu feiern. So würde der Leipziger Wissenschaftler und Begründer der deutschen Assyriologie, Friedrich Delitzsch, am 3. September 150 Jahre alt. Gleichzeitig jährt sich mit Beginn des Wintersemesters die Erteilung der Lehrbefugnis an Delitzsch für dieses damals weitgehend unbekannte und, so der derzeitige Leiter des Altorientalischen Instituts, Prof. Dr. Claus Wilcke, "von der wissenschaftlichen Öffentlichkeit äußerst skeptisch betrachtete Fach zum 125+1. Mal". Und schließlich wird am 1. Oktober 2000 die formelle Institutionalisierung der Wissenschaft vom Alten Orient an der Universität Leipzig durch eine ordentliche Professur 100 Jahre alt.

Die Universität Leipzig ist damit "die Wiege der deutschen Altorientalistik", also der Wissenschaft von den Völkern, Sprachen und Kulturen des Alten Orients, des Landes zwischen Euphrat und Tigris in der Zeit von 3200 vor Chr. bis etwa 300 nach Chr. und der Hethiter in Kleinasien. "Es geht", so Wilcke, "um die früheste Literatur der Menschheit, um die früheste Schrift der Menschheit und um die frühesten Rechtstexte, die es in der Menschheitsgeschichte gibt" oder kurz, um eine Kultur, "die in vielfacher Weise die Grundlagen unseres heutigen Weltverständnisses gelegt hat". Aus der Schule Friedrich Delitzschs, der im Reallexikon für Assyriologie 1938 als "der bisher bedeutendste Assyriologe nicht nur Deutschlands, sondern der ganzen wissenschaftlichen Welt" bezeichnet wurde, ging die Mehrzahl vor allem deutscher und amerikanischer Assyriologen des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts hervor. In den 20er und 30er Jahren studierten die weltweit bedeutendsten Wissenschaftler vom Alten Orient in Leipzig und prägten direkt und durch ihre Schüler das Fach in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Nach der Vertreibung Benno Landsbergers durch die Nationalsozialisten wäre durch die Wissenschaftspolitik der DDR die Wissenschaft vom Alten Orient in Leipzig ganz zum Erliegen gekommen, hätte nicht der Keilschriftrechtler Herbert Petschow von München aus die Lehre auf schmaler Basis aufrechterhalten können. Denn nach der Berufung von Joachim Oelsner nach Jena im Jahr 1966 blieb in Leipzig nur noch Manfred Müller, der damals letzte Assyriologe an der Universität und - so Wilcke - "einer der besten des Faches", der allerdings in Leipzig nicht lehren durfte. Nach der Wende richtete die Universität Leipzig das Fach wieder neu ein. Seit dem 1. Oktober 1993 sind eine Professur und eine Assistentenstelle besetzt, und die Fakultät für Geschichte, Kunst und Orientwissenschaften verlieh Dr. Müller die Würde eines außerplanmäßigen Professors. Inzwischen ist die Leipziger Altorientalistik in Lehre und Forschung wieder gefragt, nicht nur bei in- und ausländischen Studenten, sondern auch bei anderen Universitäten. Bis auf zwei seien bundesweit alle Professuren im Fach in der letzten Zeit mit in Leipzig qualifizierten Wissenschaftlern besetzt worden, darunter zwei Lehrstühle an den Universitäten Tübingen und München, erklärt Wilcke.
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