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XI. Fachtagung "Sprachkontakt und Sprachwandel"

04.09.2000 - (idw) Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Die diesjährige Fachtagung der internationalen Indogermanischen Gesellschaft findet unter dem Motto "Sprachkontakt und Sprachwandel", zu der mehr als 160 TeilnehmerInnen erwartet werden, findet vom 17. bis 23. September 2000 an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg statt. Forschungsgegenstand der Indogermanistik (oder Indo-European Linguistics) sind Sprachen, Sprachkontakte und -entwicklungen innerhalb der indogermanischen Sprachfamilie, zu der u. a. Deutsch, Russisch, Spanisch und Armenisch gehören, die wie die meisten europäischen und viele asiatische Sprachen von einer gemeinsamen, vor etwa 6.000 Jahren vermutlich zuerst im südlichen Russland gesprochenen Ursprache abstammen. Die hallesche Tagung will vor allem zur Bilanzierung der bisher unter sprachgeschichtlichem Aspekt geleisteten Arbeit beitragen und so die Weichen für die Zukunft der Indogermanistik stellen. Die Themenpalette reich von den "Merseburger Zaubersprüchen" über die Besonderheiten des Jiddischen bis zu Anwendungsmöglichkeiten moderner Informationstechnologie

Über die alten Germanen weiß jeder Bescheid; womit sich Germanisten beschäftigen, ist auch den meisten klar - aber was ist Indogermanistik (anderswo meist "Indo-European Linguistics" genannt)? Mit den Aufgaben dieser Spezialdisziplin der Philologie, die in Halle seit 1924 etabliert ist, befasst sich an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg im Institut für Indogermanistik, Allgemeine und Angewandte Sprachwissenschaft Prof. Dr. Gerhard Meiser, dem vier wissenschaftliche MitarbeiterInnen zur Seite stehen. An 20 anderen deutschen und vielen ausländischen Universitäten und Hochschulen gibt es dieses Fach ebenfalls.

Das Motto der Tagung, zu der rund 160 WissenschaftlerInnen aus Deutschland und 20 weiteren Ländern erwartet werden, lautet "Sprachkontakt und Sprachwandel". Dabei geht es unter sprachgeschichtlichem Aspekt vor allem um innersprachlich motivierten Wandel, aber auch um die Einflüsse, denen eine Sprache im Verlauf ihrer Entwicklung durch Kontakte mit anderen Sprachen ausgesetzt ist. Als Stimulus sprachlicher Entwicklung und Divergierung ist der Sprachenkontakt innerhalb der indogermanischen Sprachfamilie - zu der beispielsweise Deutsch, Russisch, Spanisch und Armenisch zählen - und über sie hinaus noch vergleichsweise wenig erforscht. Deshalb will die hallesche Tagung vor allem einen Beitrag zur Bilanzierung der bisherigen Forschung auf diesem Gebiet leisten, um daraus die Erfordernisse für die künftige Arbeit ableiten zu können.

Neben Analysen bestimmter Sprachen und Sprachentwicklungen werden Phänomene wie Sprachübernahme, Sprachverlust und Sprachtod eine Rolle spielen; kulturell, religiös und/oder politisch bedingte Übernahmen sprachlicher Erscheinungen (auch durch Übersetzung fremdsprachiger Literatur) werden untersucht, auch die zeitweise verhängnisvollen Fehlinterpretationen indogermanischer Eigenheiten als kulturelle Überlegenheit. Darüber hinaus geht es um eine (Neu-)Bestimmung der Methoden für die historische Sprachkontaktforschung.

Derzeit (bis zum 10. September 2000) ist die Martin-Luther-Universität Gastgeber und Ausrichter des WELTKONGRESSES ARMENIEN 2000. Deshalb dürften die Vorträge und Diskussion des ersten Tages der nur wenige Tage später stattfindenden XI. Fachtagung besonders interessant sein, da sie größtenteils die Geschichte der armenischen Sprache thematisieren.
An den Folgetagen gilt das Interesse der Tagungsteilnehmer u. a. den Beziehungen zwischen germanischen und slawischen Sprachen (einschließlich der Besonderheiten des zwischen beiden angesiedelten Jiddischen), Fragen der wechselseitigen Einflüsse in Syntax und Grammatik, dem Wirken der "klassischen Sprachen" auf die germanischen (etwa der Übernahme grammatischer Strukturen des Lateinischen ins Deutsche) und dem Sprachbewusstsein der jeweiligen Sprecher einer Sprache. Selbst so exotische Sprachen wie Keltisch, Albanisch, Tocharisch und vedisches Alt-Indisch werden nicht außer Acht gelassen. Globalisierung, Television und Internet als potenzielle "Bedrohungen", besonders für kleinere Sprachen, zeigen die Aktualität der Problematik des Sprachkontakts bis in die Gegenwart. Ein eigenes Kolloquium ist den berühmten "Merseburger Zaubersprüchen" - zum Beispiel der Frage, wie "deutsch" diese eigentlich sind - gewidmet.
Mit Spannung erwartet werden sowohl der Vortrag von Carl-Martin Bunz zum Thema "Indogermanistik und Informationstechnologie" als auch das Rundtischgespräch zum Thema "Wozu (heute) noch Indogermanistik?", an dem sich Wissenschaftler aus Berlin, Freiburg, Halle, Salzburg und Wien beteiligen.

Das Tagungsprogramm ist im Internet abrufbar unter "http://www.indogerm.uni-halle.de/".

Dr. Margarete Wein


Nähere Informationen:
Prof. Dr. Gerhard Meiser
Tel.: 0345 / 552 35 05
Fax: 0345 / 552 71 02
E-Mail: meiser@indogerm.Universität-halle.de

Dr. Olaf Hackstein
Tel.: 0345 / 552 35 07
Fax: 0345 / 552 71 02
E-Mail: hackstein@indogerm.Universität-halle.de
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