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Bielefeld erhält Spitzenförderung in der Bioinformatik und Genomforschung

04.09.2000 - (idw) Universität Bielefeld

Bielefeld erhält Spitzenförderung in der
Bioinformatik und Genomforschung

Die Universität Bielefeld ist neben Leipzig, München, Saarbrücken und Tübingen einer von fünf Gewinnern der Ausschreibung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) "Initiative Bioinformatik", durch die die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Bioinformatik in Deutschland nachhaltig gestärkt werden soll. Die DFG hatte bundesweit eingeladen, Konzepte für den Aufbau von Kompetenzen in Bioinformatik und Genomforschung zu entwickeln.
Für diese Initiative stehen über einen Zeitraum von fünf Jahren insgesamt ca. 50 Mio. DM bereit.

Bioinformatik und Genomforschung in Bielefeld haben mit einem kooperativen, interdisziplinären Gesamtkonzept in der herausragenden Konkurrenz von 31 Mitbewerbern nach Bewertung einer internationalen Gutachtergruppe bestehen können.

Bisherige von der Universität und dem Land eingebrachte unterstützende Maßnahmen sind in das Gesamtkonzept eingebettet, dessen Ziel es ist, die Universität Bielefeld zu einer international herausragenden Forschungs- und Ausbildungsstätte in Bioinformatik und Genomforschung zu machen: ein Kompetenzzentrum in Ostwestfalen. Hierbei werden die spezifischen Stärken aus den Naturwissenschaften, der Mathematik und der Informatik integriert.

Worum geht es?
Die systematische Entschlüsselung kompletter Genome ist in vollem Gange. Künftig wird es möglich sein, Fragen nach grundlegenden Mechanismen des Lebens ebenso wie nach dem Funktionen ganzer Organismen systematisch zu bearbeiten und zu beantworten. Die Genomforschung steht für die Bemühungen, die Informationen über die Erbanlagen aller lebenden Organismen, die in ihren Genomen gespeichert sind, zu entschlüsseln und zu verstehen. Für die Biologie bedeutet dies fast eine Revolution: in einigen Jahrzehnten wird sie viele Aspekte der belebten Natur ebenso detailliert vollständig erfasst haben, wie dies die Physik für die unbelebte Natur bereits geleistet hat. Die wirtschaftlichen, sozialen und ethischen Konsequenzen dieser Entwicklung stehen bereits im Rampenlicht von Politik und Öffentlichkeit. Die Genomforschung bestimmt aber nicht nur die Themen, die moderne Genomforschung produziert Daten in riesigem, industriellem Maßstab. Das Gen, als Grundeinheit der genetischen Information, besteht aus ca. 1.000 Basenpaaren. Der kleinste Virus enthält z.B. drei Gene, ein typisches Bakterium 3.000 und der Mensch um die 70.000 Gene. Das heißt, das menschliche Genom hat 3 Milliarden Grundeinheiten genetische Informationen. Hier fällt der Bioinformatik die Aufgabe zu, die Interpretation dieser Daten zu ermöglichen. Damit aber bestimmt die Leistungsfähigkeit der Bioinformatik das Tempo - und letztlich auch den Erfolg der Genomforschung. Genomforschung und Genomtechnologie tragen nicht nur wissenschaftliche Potentiale, sondern bringen auch wirtschaftlich verwertbare Anwendungen mit sich. Relevante Anwendungsbereiche sind u.a. die Arzneimittelindustrie, die Nahrungsmittelindustrie, die Agrarwirtschaft, aber insbesondere auch die Medizin.

Wie sieht das Bielefelder integrierte Gesamtkonzept Bioinformatik und Genomforschung aus?
Unter der Federführung von Professor Dr. Robert Giegerich, Technische Fakultät, und Professor Dr. Alfred Pühler (Genetik) sind in Kooperation mit Wissenschaftlern aus Biologie, Chemie, Physik, Informatik, Mathematik die wissenschaftlichen und strategischen Säulen für ein Kompetenzzentrum "Bioinformatik/Genomforschung" entwickelt worden. Die eingebrachten Arbeitsgebiete sind Bioinformatik, Genomforschung, Genominformatik, Visualisierung, Modellierung, Biomathematik, Transskriptonsforschung, Proteinforschung, Algorithmenentwicklung, Strukturforschung.
Fragen der Sicherheit und Technikfolgenabschätzung werden in enger Kooperation mit dem Institut für Wissenschaft und Technikforschung einbezogen.
Die Realisierung des Gesamtkonzepts sieht vor, daß durch die Maßnahmen der Universität und der DFG-Initiative am Centrum für Biotechnologie (CeBiTec) der Universität Bielefeld zwei Institute errichtet werden: Ein Institut für Genomforschung und ein Institut für Bioinformatik. Das Institut für Genomforschung baut auf dem 1999 eingerichteten Zentrum für Genomforschung auf, das ein wichtiger Stützpfeiler der Ausbauplanung ist. Insgesamt sollen bis zu zehn neue Forschungsgruppen im CeBiTec in einem innovativen Labormodell kooperieren. Zusätzlich zu den bereits bestehenden Studiengängen der naturwissenschaftlichen Informatik, wird ein gegliederter, internationaler Studiengang Bioinformatik/Genomforschung eingerichtet werden. Mit sofortiger Wirkung wird damit die Absolventenzahl in Bioinformatik im bereits etablierten Studiengang Naturwissenschaftliche Informatik erhöht. Ausbildungskooperation mit dem Massachussetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge, USA, anderen Hochschulen und Industriepartnern sind vereinbart oder in Vorbereitung. Infrastruktur und software-technischer Service, Beratung und Unterstützung von Lehrveranstaltungen werden weiter ausgebaut.

Kontakt: Prof. Dr. Alfred Pühler, Fakultät für Biologie der Universität Bielefeld, Telefon 0521/106 5607; Prof. Dr. Robert Giegerich, Technische Fakultät der Universität Bielefeld, Telefon 0521/106 2913.

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