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UEFA beruft Professor Pilz in den Experten-Ausschuss FairPlay and Ethics

12.09.2000 - (idw) Universität Hannover

Sportexperte von der Universität Hannover will Forschungsergebnisse in die praktische Arbeit einbringen

Der europäische Fußballverband hat einen Kritiker mit ins Boot geholt. Im August wurde Prof. Dr. Gunter Pilz von Institut für Sportwissenschaften an der Universität Hannover in den Experten-Ausschuss Fair Play and Ethics der UEFA berufen. "Das Thema Gewalt und Sport ist seit meinem Studium mein Arbeitsschwerpunkt", sagt Professor Pilz. Also auch schon zu einer Zeit, als die nationalen und internationalen Verbände bei diesem Thema nur zu gern weghörten und Wissenschaftler, die sich damit beschäftigten, auf taube Ohren stießen. "Doch das Problem ist da, und die Verbände müssen sich dem stellen", betont Professor Pilz.

Der Ausschuss Fair Play and Ethics ist eine von mehreren Experten-Kommissionen der UEFA. "Es muss darum gehen, Konzepte zu entwickeln, die die Gewalt im internationalen Fußball eindämmen und auch auf nationaler Ebene umgesetzt werden können", beschreibt Professor Pilz die Aufgaben des Ausschusses. Adressaten sind nicht nur Fans, sondern auch Spieler und Funktionäre. So könnten beispielsweise internationale Wettbewerbe nur an Länder vergeben werden, die sich an Fair-Play-Richtlinien halten oder Fan-Betreuung vor und nach den Spielen anbieten. Zudem möchte Pilz erreichen, dass Strafgelder, die Vereine für gewalttätige Fans und Spieler zahlen, in Projekte gegen Gewalt fließen, und nicht, wie derzeit, in den allgemeinen Haushalt der UEFA.

"Ich möchte die Erkenntnisse, die ich in meiner wissenschaftlichen Arbeit gewinne, in der Praxis überprüfen", betont der Professor. Das gilt indes nicht nur für den UEFA-Ausschuss, sondern auch für seine Arbeit in Hannover. So reichte es ihm vor 15 Jahren nicht, die Forderung nach Fanbetreuung zu stellen, sondern er beteiligte sich selbst an der Gründung des Fanprojektes von Hannover 96 und arbeitet dort aktiv mit. Weitere wichtige Projekte sind der Mitternachtssport, bei dem Jugendliche nachts Sport treiben können, und derzeit die Untersuchung ethnischer Konflikte in Sportvereinen. "Man muss die Probleme in der Praxis kennenlernen, um sie zu lösen", so Pilz.

Doch auch Verbandsarbeit ist dem Professor nicht fremd: Schon seit einigen Jahren ist er Mitglied im Beirat der Koordinationsstelle Fan-Projekte bei der Deutschen Sportjugend (im Rahmen des Nationalen Konzeptes Sport und Sicherheit vom Deutschen Fußballbund (DFB) und dem Ministerium für Familie, Senioren Frauen und Jugend finanziert), die die deutschen Fanprojekte überprüft.

Der Weg in den UEFA-Ausschuss, so vermutet Pilz, begann vor einem Jahr mit einer massiven Kritik an der Kommerzialisierung des Fußballs, veröffentlicht in einer Fachzeitschrift. "Der Fußball verliert seine soziale Verantwortung, weil er sich von seinen gesellschaftlichen Wurzeln entfernt", sagte er damals. Zu sehr schielten die Verbände und Vereine aufs Geld und das gehobene Publikum. Eine Einladung von DFB-Präsident Aegidius Braun war die Folge, und am Ende des Gesprächs machte Braun mit den Worten: "Sie sind jetzt mein persönlicher Berater", Pilz zum Mitglied in zwei Arbeitsgruppen des DFB. Später wurde er für die UEFA-Kommission nominiert - und die Berufung folgte im August.

Auch wenn der Ausschuss in seiner neuen Zusammensetzung bis jetzt nicht getagt hat, einer Sache ist sich Gunter Pilz sicher: Er will etwas bewegen - nicht nur in Hannover, sondern auch auf internationalem Parkett.

Hinweis an die Redaktion

Für weitere Informationen steht Ihnen Professor Gunter Pilz unter Telefon 0511/762-3195 oder 05144/9 26 45 zur Verfügung.
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