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Europäisches Graduiertenkolleg "Complex Systems of Hadrons and Nuclei" nimmt Arbeit auf

13.09.2000 - (idw) Justus-Liebig-Universität Gießen

Am 1. September 2000 hat nicht nur das erste Europäische Graduiertenkolleg an der Justus-Liebig-Universität Gießen, sondern zugleich auch das erste Europäische Kolleg in Hessen seine Arbeit aufgenommen.

Das Europäische Graduiertenkolleg in Physik mit dem Titel "Complex Systems of Hadrons and Nuclei", das zu den ersten Europäischen Graduiertenkollegs der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zählt, führt Institute der Justus-Liebig-Universität Gießen mit renommierten Forschungseinrichtungen in Kopenhagen zusammen, dem Niels-Bohr-Institut der Universität Kopenhagen und dem Forschungsinstitut der nordischen Länder, NORDITA.

Aus diesem Anlass findet ein Inaugurations-Treffen vom 9. bis 11. Oktober 2000 in Gießen statt, zu dem zahlreiche in- und ausländische Gäste in Gießen erwartet werden, darunter die Sprecher des Kopenhagener Zweigs des Graduiertenkollegs, die beiden international bekannten Wissenschaftler Professor Ole Hansen (Niels Bohr Institut) und Paul Hoyer (NORDITA). Auch die Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Ruth Wagner, hat ihr Kommen zugesagt. Einer der Höhepunkte der dreitägigen Veranstaltung wird eine Vortragsreihe zur Entstehung von Schalenstrukturen in mikroskopischen Quantensystemen von Professor Ben Mottelson, Physik-Nobelpreisträger des Jahres 1975, sein. Ben Mottelson ist ebenso wie Nobelpreisträger Aage Bohr weiterhin als Emeritus am Niels-Bohr-Institut der Universität Kopenhagen tätig.

Aus Anlass des Inaugurations-Treffens, das am 9. Oktober um 10.00 Uhr im Hauptgebäude der Universität (Biologischer Hörsaal) eröffnet wird, lädt der Gießener Sprecher, Prof. Dr. Ulrich Mosel, Institut für Theoretische Physik der JLU, ein zu einem

Pressegespräch
am
Montag, 9. Oktober 2000 um 11.00 Uhr
im Senatssaal der Justus-Liebig-Universität
Hauptgebäude, Ludwigstr. 23, 35390 Gießen


An diesem Gespräch werden auch der Präsident der JLU Gießen, Prof. Dr. Stefan Hormuth, Prof. Ole Hansen (NBI, Kopenhagen) und der wissenschaftliche Geschäftsführer der GSI Darmstadt, Prof. Dr. Walter F. Henning, teilnehmen.

Das Graduiertenkolleg "Complex Systems of Hadrons and Nuclei" bringt Doktoranden und Professoren des Niels-Bohr-Instituts der Universität Kopenhagen und des Forschungsinstituts NORDITA mit ihren Kollegen am Institut für Theoretische Physik und am II. Physikalischen Institut der Universität Gießen zusammen. Ziel des Kollegs ist es, die Graduierten-Ausbildung im Bereich der Hadronen- und Kernphysik zu intensivieren und zu internationalisieren. Die Ausbildung der Graduierten findet durch gemeinsame Lehrveranstaltungswochen sowohl in Gießen als auch in Kopenhagen statt. Dazu kommen in Gießen spezielle Graduiertenkurse in englischer Sprache, die allen Studenten des Fachbereichs offen stehen. Als wichtigen Bestandteil bietet das Europäische Graduiertenkolleg auch Möglichkeiten für längerfristige Aufenthalte der Gießener Doktoranden in Kopenhagen. Bereichert wird das Ausbildungsprogramm durch die Einladungen von Gastwissenschaftlern, die das Gießener Lehrangebot durch spezielle Seminare und Kurse erweitern sollen. Durch diese Kontakte lernen die Gießener Doktoranden von Anfang an, sich mit ihren Arbeiten auch im internationalen Umfeld zu behaupten. Angebunden wird das Europäische Graduiertenkolleg auch an die GSI Darmstadt, eine vom Bund und Land Hessen getragene Großforschungseinrichtung mit international herausragenden Arbeitsmöglichkeiten. Zur GSI bestehen schon seit langem intensive Arbeitsbeziehungen der Gießener Hadronenphysiker und ihrer Studenten.

Im Mittelpunkt des gemeinsamen wissenschaftlichen Interesses steht die Frage nach den Wechselwirkungen der Kernbausteine, der sogenannten "Hadronen". Diese Teilchen sind aus Unterbestandteilen, den sogenannten "Quarks", aufgebaut. Sie bestimmen durch ihre Massen und Wechselwirkungen den Aufbau unserer Materie ebenso wie die Abläufe kosmischer Prozesse, bei denen sehr hohe Dichten und Temperaturen erreicht werden. Ziel der Forschung der beteiligten Gruppen ist es, Aufschlüsse über das Verhalten der Bausteine unter solchen Bedingungen in Labor-Experimenten und Computer Simulationen zu erhalten. Dabei werden einerseits - in Versuchen der Gießener Experimentalphysiker - Kerne mit mikroskopischen Proben auf ihre Reaktion getestet, um auf diese Weise Informationen über ihre Eigenschaften nahe des Grundzustandes zu erhalten. Andererseits wird versucht, die stellaren Bedingungen von hohen Dichten und hohen Temperaturen in Stößen schwerer Kerne bei hohen Energien im Labor zu erzeugen; Experimente dazu werden - von den Kopenhagener Experimentalphysikern - am neuen Beschleuniger RHIC in den USA durchgeführt. An beiden Orten sind Theoriegruppen darauf ausgerichtet, diese Experimente sowohl in der Konzeption als auch in der wissenschaftlichen Interpretation der Resultate zu begleiten. Dies geschieht durch mathematische Modellbildung und daran anschließende umfangreiche numerische Simulationen. Neben der eigentlichen naturwissenschaftlichen Methodik lernen die beteiligten Doktoranden dabei auch den intensiven Umgang mit modernster Informationstechnologie und Methoden zur numerischen Simulation komplexer Systeme. Diese lösungsorientierte, internationalisierte Ausbildung der Diplomanden und Doktoranden wird auch vom Arbeitsmarkt hervorragend honoriert.

Finanziert wird das Kolleg von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem Land Hessen, der Danish Research Agency und der Universität Kopenhagen. Beteiligt sind die Gießener Professoren Wolfgang Cassing, Horst Lenske, Ulrich Mosel (Sprecher) und Werner Scheid aus dem Institut für Theoretische Physik und die Professoren Wolfgang Kühn und Volker Metag sowie ein weiterer noch zu berufender Physiker aus dem II. Physikalischen Institut.

Kontakt:

Prof. Dr. Ulrich Mosel
Institut für Theoretische Physik
Heinrich-Buff-Ring 16
35392 Gießen
Tel.: 0641/99-33300/01
Fax: 0641/99-33309
E-mail: mosel@physik.uni-giessen.de
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