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Immungenetik

26.09.2000 - (idw) Universität Ulm

Über Immunabwehr und Partnerneigung
Deutsche Gesellschaft für Immungenetik tagt in Ulm

Mehr als 200 Knochenmark-Experten aus Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz sowie mehreren osteuropäischen Ländern treffen sich vom 28. bis 30. September 2000 in der Universität Ulm zur 8. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Immungenetik (DGI). Ausrichter der Tagung sind die Abteilung Transplanationsimmunologie im Institut Ulm des DRK-Blutspendedienstes Baden-Württemberg, die Abteilung Transfusionsmedizin der Universität Ulm und das Zentrale Knochenmarkspender-Register Deutschland (ZKRD), Ulm.

Das Programm umfaßt ein breites Spektrum neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse über vererbbare Schutzfunktionen des Immunabwehrsystems (Immungenetik) des Menschen sowie mit diesem System vererbbare Defekte. Im Mittelpunkt steht das HLA-System (human leucocyte antigen system = HLA), das auf einem sehr kurzen Abschnitt des 6. Chromosoms des Menschen verankert ist und mit mehr als 2000 Genen die persönliche, unverwechselbare Immunabwehr jedes Menschen individuell bestimmt.

Die Vergabe der Tagung nach Ulm unterstreicht das Ansehen der Ulmer Forscher als Pioniere und Weiterentwickler von Verfahren zur Bestimmung von Gewebe- und Blutverträglichkeitsmerkmalen für die passende Spenderauswahl auf den Gebieten der
- Transfusion von verträglichen Thrombozyten (Blutplättchen) zur Vermeidung von Blutungen (z.B. bei Leukämie-Patienten)
- Transfusion von verträglichen Granulozyten (weißen Blutkörperchen) bei abwehrgeschwächten Patienten
- Transplantation von Organen, z.B. Niere, Leber, Herz, Bauchspeicheldrüse, etc.
- Transplantation von verträglichem Knochemark bzw. peripheren Blutstammzellen zur Heilung von Leukämien, angeborenen Immundefekten, angeborenen Stoffwechselkrankheiten u.a.

Neben Vorträgen über den aktuellen Wissensstand zu den Spenderauswahlverfahren und ihrer Bedeutung für die Therapie werden unter anderem neue Verfahren der Blutstammzell-Transplantation vorgestellt: die sogenannte Mini-Tranplantation beispielsweise, eine Transplantation unter reduziertem Einsatz von Chemotherapie und bei geringerer Strahlenbelastung, kann eine Behandlung von älteren und schwer erkrankten Patienten ermöglichen. So versucht man die heutige Altersgrenze für Transplantationen von Blutstammzellen/Knochenmark von 50 auf 70 Jahre hinauszuschieben. Ein weiterer Vortrag beschäftigt sich mit der Rolle der Xeno-Transplantation (Verpflanzung von tierischen Organen auf den Menschen) im kommenden Jahrtausend. Außerdem sind angemeldet Vorträge über neue Erkenntnisse und Übersichtsreferate zum Stand der Wissenschaft in der Genetik von Erkrankungen, die durch bestimmmte HLA-Merkmale beeinflußt sind, darunter die Schuppenflechte (Psoriasis), rheumatische Gelenkentzündungen (rheumatische Arthritis) sowie jugendliche Zuckererkrankheit (juveniler oder Typ-I-Diabetes).

Ein Hauptvortrag berichtet über die Nutzung patienteneigener Tumorzellen zur Herstellung eines Impfstoffes gegen bereits ausgebrochenen Nierenkrebs beim Menschen. Hier soll die individuelle Gewebe-Merkmal-Konstellation entscheidend für die Erfolgsaussichten der Impfung sein.

Ein weiteres Hauptreferat beschäftigt sich mit der Bedeutung der sogenannten olfaktorischen Rezeptoren, die von den HLA-Genorten bestimmt werden. Sie spielen sehr wahrscheinlich eine große Rolle bei der geruchsbeeinflußten Partnerwahl. Man nimmt an, daß durch Einnahme der "Pille" bzw. durch Schwangerschaften diese vererbbaren Geruchsrezeptoren die Neigungen der Partner zueinander unterschiedlich beeinflussen können.

Kontakt: Abteilung Transplantationsimmunologie,DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg; Prof. Dr. Shraga F. Goldmann, Postfach 1564, 89005 Ulm; Tel. 0731-150-524; Fax 0731-150-650

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