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GMW-Fachtagung: Verleihung des mediendidaktischen Hochschulpreises

28.09.2000 - (idw) Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft e.V.

Die Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft (GMW) hat ihre diesjährige Fachtagung an der Universität Innsbruck zum Thema "Campus 2000 - Lehren und Lernen in neuen Organisationsformen" vom 19.-21. September 2000 abgehalten. Ca. 200 Fachleute, insbesondere aus den deutschsprachigen Ländern waren während der wissenschaftlichen Fachtagung zugegen, mit dem Ziel, kritische Aspekte rund um den "virtuellen Campus" herauszukristallisieren und Antworten auf die neuen Potentiale und Anforderungen des Medieneinsatz zu finden. Neben vielen Vorträgen zu den Bereichen Personal- und Organisationsentwicklung, Qualitätssicherung und Evaluationsverfahren und didaktische Methoden, stand in diesem Jahr ferner die erstmalige Vergabe des mediendidaktischen Hochschulpreises (MeDiDa-Prix 2000) im Vordergrund.

Um didaktisch motivierte Medienprojekte, die einen besonderen Beitrag zur Qualitätssicherung an der Hochschule leisten, zu unterstützen, hat auf Initiative der GMW das österreichische Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur (bm:bwk) finanzielle Mittel für die Vergabe des MeDiDa-Prix 2000 bereitgestellt. Das Preisgeld von ATS 1.000.000. - wurde vor einigen Tagen auf Basis einer Juryentscheidung zweckgebunden für die weitere Projektentwicklung vergeben.

Ziel des MeDiDa-Prix ist es, einen Beitrag zur Qualität in der (mediengestützten) Lehre zu leisten. Es werden Innovationen eines mediendidaktisch sinnvollen Einsatzes an den Universitäten gefördert und einer breiten Öffentlichkeit als positive Beispiele vorgestellt. Gleichzeitig werden Bewertungsverfahren und -kriterien, die im Zuge der Ausschreibung angewandt werden, Aspekte der Evaluation und der Qualitätssicherung in der Lehre eine Diskussion unter Universitätsangehörigen fördern. Im Unterschied zu zahlreichen anderen Medienwettbewerben geht es hierbei nicht um technische, sondern um didaktische Innovationen; nicht um Software, sondern um Prozesse. Der Fokus der Ausschreibung lag daher nicht auf der (einmaligen) Produktentwicklung, sondern auf den didaktischen, organisatorischen oder personalentwicklerischen Prozessen zur Qualitätssicherung mediengestützter Lehre.

Mit dem MeDiDa-Prix soll die Qualität in der mediengestützten Lehre besonders unter folgenden Gesichtspunkten unterstützt und gefördert werden:
- Didaktische Motivation
- Nachhaltigkeit
- Übertragbarkeit
- Alltagstauglichkeit
- Nutzen der Medien
- Qualitätssicherung und -kontrolle

Vor ca. 250 ExpertInnen aus dem deutschsprachigen Raum hatten die Vertreter von insgesamt zehn Projekten auf der GMW-Fachtagung die Gelegenheit, ihre Ideen, Ergebnisse und Vorhaben der Fachöffentlichkeit zu präsentieren. Eine fünfzehnköpfige, international besetzte Jury, moderiert von o. Univ.-Prof. Dr. Peter Baumgartner vom Institut für Organisation und Lernen, entschied während der Tagung über die Vergabe der Preisgelder. Diese Jury entschied sich dafür, den Hauptpreis zu splitten und zwei Projekte mit je ATS 500.000 auszuzeichnen. Zwischen den vielen hervorragenden Finalprojekten ragten beide Initiativen gleichrangig im Punkt der Organisationsentwicklung unter Nutzung der neuen Medien heraus.

Das erste ausgezeichnete Projekt "Leben was wir lehren", eingereicht von Prof. Dr.-Ing. Peter Göhner vom Institut für Automatisierungs- und Softwaretechnik (IAS) der Universität Stuttgart, wurde von der Jury folgendermaßen gewürdigt:

"Leben was wir lehren" fördert wesentlich eine verbesserte Strukturierung des Studiums und des Lernprozesses durch Vorgehensmodelle. Dadurch ergibt sich verlässliche Transparenz für alle Beteiligten. Dadurch fällt es den Studierenden wesentlich leichter, ihren Arbeitprozess zu steuern. Innovative Prüfungs- und Administrationsprozesses bis hin zu neuen Ansätzen der Prüfungsdidaktik runden das Bild ab. Das System unterstützt Gruppenprozesse und stärkt die Studien- und Berufskompetenz. Der konsequente Einsatz eines Qualitätssicherungssystems und ein hoher Praxisbezug beeinflussten die Entscheidung der Jury maßgeblich. (Zitat aus der Begründung der Jury)

Prof. Dr. Göhner selbst veranschaulicht sein Projekt folgendermaßen:

Das IAS-Vorgehensmodell wurde auf der Basis eines generischen Vorgehensmodells entwickelt, das weder eine spezielle Organisationsstruktur, noch einen bestimmten zeitlichen Ablauf vorschreibt. Dieses Modell wurde zunächst an die Belange des Instituts angepasst, d.h. die Aktivitäten und Produkte wurden auf die speziellen Bedürfnisse studentischer Projekte zugeschnitten unter Berücksichtigung der Organisationsstruktur des Instituts. Die Festlegung des zeitlichen Ablaufs von Entwicklungsprozessen im Rahmen der studentischen Arbeiten erfolgte durch die Kombination des generischen Vorgehensmodells mit einem einfachen Phasenmodell. Der Einsatz von Vorgehensmodellen stellt die Anwendung eines wichtigen Lehrinhalts unserer Vorlesung Softwaretechnik dar.

Die unterschiedlichen Themenstellungen der studentischen Arbeiten am IAS werden durch fünf verschiedene Klassen von Vorgehensmodellen berücksichtigt, bei deren Anwendung eine Reihe von Dokumenten und Ergebnissen entstehen. Diese Arbeitsprodukte werden durch das Werkzeug AISA (Aktive Information studentischer Arbeiten), das im Rahmen unseres Projektes entwickelt wurde, in eine einheitliche hyper- und multimediale Präsentation konvertiert. Durch die kontinuierliche Aufbereitung der Arbeitsergebnisse ist eine einfache Verfolgung des Projektstands möglich. Die Studierenden erstellen nach Beendigung ihrer Arbeit eine CD-ROM mit der multimedialen Präsentation ihrer Ergebnisse. Die einheitliche Präsentation der Arbeitsergebnisse führt zu einer einfacheren, gerechten und nachvollziehbaren Benotung. Die erstellte CD-ROM kann auch als Bewerbungs-CD eingesetzt werden.

Der Bereich Qualitätssicherung ist ein wesentlicher Bestandteil des Vorgehensmodells, nach dem die Studierenden arbeiten. Die Durchführung der studentischen Arbeiten wird zusätzlich durch ein nach DIN EN ISO 9001 zertifiziertes Qualitätsmanagement-System unterstützt. Damit vermitteln wir Qualitätsbewusstsein und die Studierenden lernen, Qualitätsanforderungen an die eigene Arbeit zu stellen. Umfragen unter den Studierenden geben uns fast ausschließlich positive Rückmeldungen zum Erfolg unseres Projektes.

Das zweite von der Jury ausgezeichnete Projekt wurde von drei Studierenden der Universität Zürich eingereicht. Franziska Schneider, Florian Gnaegi, Sabina Jeger aus der Software Engineering Group vom Institut für Informatik haben in mehrjähriger Teamarbeit die webbasierte Lehr- und Lernumgebung OLAT (Online Learning an Testing) entwickelt und erfolgreich in die Praxis umgesetzt. Die einreichenden Studierenden schreiben selbst:

"OLAT ist ein Prototyp einer internetbasierten Lernumgebung, welche neben Online-Kursen auch in Kombination mit Präsenz-Veranstaltungen eingesetzt werden kann. Als Client-Server-System bedient es sich offener Internetstandards und ist daher sehr einfach in der Benutzung. Der Server wurde mit Hilfe einer Datenbank (MySQL) und der Skriptsprache PHP realisiert. Er generiert dynamisch HTML-Seiten, welche mit einem gängigen Webbrowser (Client) orts- und zeitunabhängig betrachtet werden können. Zum Zwecke der synchronen und asynchronen Kommunikation wurden externe Dienste wie die Groupware BSCW, das Emailsystem der Universität Zürich und ein Chatserver integriert.
OLAT bietet folgende Ansichten:
§ Die Lernumgebung des Studierenden, in welcher der individuelle Punktestand, Skripte, Tests zur Selbst- und Fremdkontrolle usw. abrufbar sind. Es werden virtuelle sowie physische Arbeitsgruppen unterstützt.
§ Die Tutorenumgebung ermöglicht eine individuelle Bewertung der Studierenden sowie das Coaching der Gruppen.
Die Administrationsumgebung erlaubt die Verwaltung der Personen und Lehrveranstaltungen. Das Erstellen von Lerninhalten erfolgt ebenfalls mittels Webbrowser.
Das in OLAT integrierte Evaluations-System unterstützt die kontinuierliche, prozessorientierte Weiterentwicklung. Die Erhebungen tragen dazu bei, dass die Lernmethoden sich vermehrt auf die Tendenz des lebenslangen Lernens ausrichten und die Lernumgebung den tatsächlichen Anwendungsbedürfnissen entsprechend weiterentwickelt wird.
OLAT stand erstmals in einem Pilotprojekt im WS 99/00 mit ca. 750 Studierenden erfolgreich im Einsatz. Bereits sind weiterführende Kooperationen eingegangen worden z.B. mit der Universität Linz, an der es seit Anfang Jahr eingesetzt und getestet wird. Die Lernplattform wird auch hinsichtlich der Verwendung bei Projekten des virtuellen Campus Schweiz evaluiert. Am Institut für Informatik selbst sind weitere Lehrveranstaltungen mit OLAT geplant.
Um die Weiterentwicklung und die Zusammenarbeit mit all den erwähnten Projekten zu garantieren, wurden neu zwei zusätzliche Assistenten angestellt. Die Weichen sind gestellt für eine breite universitäre Anwendung von OLAT!

Die Begründung der Jury verdeutlicht, warum die Auszeichnung ausgesprochen wurde:
Das Vorhaben fasziniert durch seine grundlegend pragmatische Orientierung. Es ist auf das gesamte Curriculum orientiert und eröffnet auch anderen Fachgebieten die Chance dieses System ohne allzu hohen Aufwand zu nutzen. Es kombiniert auf elegante Weise vorhandene Lösungen mit eigenen Entwicklungen. Es verknüpft die Inhaltspräsentation mit studienorganisatorischen und -administrativen Anwendungen auf einer personalisierten Oberfläche. Das System ist sehr anschlussfähig, weil es neue Lösungen für vertraute Arbeitsformen der Universität adaptiert. Wir verleihen den Preis an OLAT, damit dem Team neben den Ideen auch das Geld nicht ausgeht. (Zitat aus der Begründung der Jury)

Die Jury befand sich bei OLAT in bestem Einvernehmen mit dem Publikum, dem ebenfalls (und zwar zeitlich parallel zur Jury) die Gelegenheit gegeben wurde, einen Favoriten zu küren. Die schweizerischen Studierenden erhielten einen Gutschein über ATS 20.000.- aus der Hand von Herrn Dr. Josef Prader, dem Direktor und Vorstandvorsitzenden der Hypo Tirol Bank. Der privatwirtschaftliche Hauptsponsor von GMW-Kongress und MeDiDa-Prix stellte diesen Betrag für einen Skiurlaub in Tirol zur Verfügung.

Verliehen wurde der Preis während einer feierlichen Veranstaltung in der SoWi-Aula, die von Senatsvorsitzenden der Universität, o. Univ.-Prof. Dr. Stephan Laske kurzweilig moderiert wurde. Der Rektor der Universität, o. Univ.-Prof. Dr. Hans Moser reflektierte die Wichtigkeit der neuen Medien für die fortlaufende Verbesserung des Universitätssystems mit dem Hinweis darauf, dass dieser kontinuierliche Wandel nicht von oben verordnet werden könne, sondern von allen Angehörigen der Hochschulen getragen werden müsse. Diesen Umstand reflektiert auch die Zusammensetzung der Jury, die aus Professoren, Mittelbau und Studierenden aus Österreich, Deutschland und der Schweiz gebildet wurde. Zum Ausklang der spannenden Preisverleihung in der SoWi nahmen die Ausgezeichneten die Schecks von Frau Dr. Felecitas Pflichter vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur sowie vom wissenschaftlichen Leiter des MeDiDa-Prix, Herrn o. Univ.-Prof. Dr. Peter Baumgartner (Wirtschaftspädagogik), entgegen. Der Abend fand seinen Abschluss in einem Abendessen auf der Seegrube.

Das Organisationsteam des MeDiDa-Prix freut sich besonders darüber, dass die in Innsbruck begonnene Arbeit in den nächsten Jahren auf einer sogar stärker institutionalisierten Basis fortgeführt wird. Das deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung (2001) und das schweizerische Bundesamt für Bildung und Wissenschaft (2002) werden den MeDiDa-Prix in den nächsten Jahren weiterführen. Das Preisgeld wird dann auf EUR 100.000.- erhöht werden.

Aktuelle Informationen zur Tagung und den Preisträgern werden in den nächsten Tagen im Internet zur Verfügung stehen.

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