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Jahresversammlung der Rechtsmediziner in Essen: Erhalt der Institute ist für Opferschutz unabdingbar

28.09.2000 - (idw) Universität Essen (bis 31.12.2002)

232/2000
28. September 2000

"Mangelndes Problembewusstsein gegenüber Opferschutz, Verbrechensbekämp-fung und Menschenrechten" werfen Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen vor. Sie diskutiere, erklärte gestern (Donnerstag, 28. September) im Universitätsklinikum Essen an-lässlich der Jahrestagung der Gesellschaft deren Präsident, Professor Dr. Bernd Brinkman, Universität Münster, gegenwärtig die Schließung von drei der insge-samt sechs Institute für Rechtsmedizin an nordrhein-westfälischen Universitäten. Die Auffassung der Landesregierung, für Lehre und Forschung seien "höchstens drei" dieser Institute "ausreichend", die anderen drei also überflüssig, werde durch die mehr als 200 wissenschaftlichen Beiträge der Tagung widerlegt, sagte Brinkmann in einer Pressekonferenz zu Beginn der Tagung.

Mehr als 400 Ärzte und Naturwissenschaftler, die an rechtsmedizinischen Insti-tuten im deutschsprachigen Raum sowie in anderen europäischen Ländern, in Japan und den USA tätig sind, diskutieren am Essener Universitätsklinikum und im Casino der Zeche Zollverein bis einschließlich Samstag, 30. September, neue Entwicklungen in ihrer Disziplin. Während der Eröffnungssitzung auf Zollverein gingen Professor Dr. Bernd Brinkmann und Professor Dr. Claus Henßge, der als Direktor des Instituts für Rechtsmedizin am Essener Klinikum Tagungspräsident ist, aber auch auf die aktuelle hochschulpolitische Diskussion über die Institute
ein. Die Lehre für Medizinstudenten im Staatsexamensfach Rechtsmedizin und die Ausbildung zum Facharzt für Rechtsmedizin würden ebenso wie rechtsmedi-zinische Forschung - im Gegensatz zu anderen Medizinischen Fachdisziplinen - ausschließlich von den Universitätsinstituten für Rechtsmedizin getragen. Mit der in NRW geplanten drastischen Reduktion rechtsmedizinischer Universitätsinsti-tute würde neben Lehre, Ausbildung und Forschung auch die rechtsmedizinische Präsenz für die Verbrechensbekämpfung im bevölkerungsreichsten Bundesland drastisch reduziert, hieß es.

Die wissenschaftlichen Schwerpunkte der Tagung stellten Brinkmann, Henßge und der Präsident der Jahrestagung 2001, Professor Dr. Richard Dirnhofer, Uni-versität Bern, in der Pressekonferenz vor. Zu den wichtigen Themen gehören neue Methoden und Erkenntnisse zu Entdeckung, Dokumentation, Rekonstruktion und Beweis von Gewalttaten gegen Leben, Gesundheit und sexuelle Selbstbe-stimmung, von Gewalt gegen Kinder und Frauen, von ärztlichen Behandlungs-fehlern, von groben Pflegeschäden alter Menschen, und von Gefährdung der Ver-kehrssicherheit. Auf neue Entwicklungen des "molekulargenetischen Fingerab-drucks" ("DNA-Fingerprinting") können sich die Wissenschaftler bei der Täter-identifizierung aus tatrelevanten Minimal-Spuren, bei der Identifizierung unbe-kannter Toter bzw. von Leichenteilen, bei der Abstammungsaufklärung und bei der Populationsgenetik stützen. Der Wissenschaftspreis 2000 der Deutschen Ge-sellschaft für Rechtsmedizin wurde während der Eröffnungssitzung für eine Ar-beit zu diesem Themenkomplex vergeben. Den Preis erhielten Privatdozentin Dr. Heidi Pfeiffer, Universität Münster, und Diplom-Biologin Dr. S. Lutz, Universi-tät Freiburg/Br.

Neue Sachgebiete von besonderem öffentlichen Interesse sind die vom Hambur-ger Institut für Rechtsmedizin 1998 begonnene systematische und umfassende wissenschaftliche Analyse von schweren Gesundheitsschädigungen durch Pflege-mängel alter Menschen und die daraus resultierenden zahlreichen Initiativen zu ihrer Vermeidung.

Untersuchungen zur Epidemiologie des Führens von Kraftfahrzeugen unter Ein-fluss von Alkohol, Drogen und Medikamenten offenbaren ein erhebliches Gefährdungspotential im Straßenverkehr und die Notwendigkeit seiner Reduktion, die ohne rechtsmedizinische Mitwirkung in Forschung und Praxis undenkbar ist.


Redaktion: Monika Rögge, Telefon (02 01) 1 83-20 85
Weitere Informationen: Professor Dr. Bernd Brinkmann, Präsident der Deutschen Ge-sellschaft für Rechtsmedizin, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Münster;
Professor Dr. Claus Henßge, Präsident der Jahrestagung 2000, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Essen;
Professor Dr. Richard Dirnhofer, Präsident der Jahrestagung 2001, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Bern.
Sie sind seit Donnerstag über das Kongressbüro im Essener Universitätsklinikum, Tele-fon (02 01) 7 23-34 89, zu erreichen.
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