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Augsburger Romanistentheater mit Magnus-Spiel in Füssen

05.10.2000 - (idw) Universität Augsburg

Am 13., 14., 15. sowie am 20, 21. und 22. Oktober 2000 ist die Stadtpfarrkirche St. Mang in Füssen Aufführungsort für "Sprung aus dem Dunkel", ein Spiel um den Heiligen Magnus von Franz R. Miller in der Bearbeitung des Leiters und Regisseurs des Romanistentheaters der Universität Augsburg, Dr. Hanspeter Plocher. Mitwirkende sind neben dem Romanistentheater Kinder und Jugendliche aus Füssen sowie Chöre des Chorverbandes Bayerisch-Schwaben. Die ca. 90-minütigen Vorstellungen beginnen jeweils um 20.00 Uhr. Karten zu DM 20,- (Kinder und Jugendliche DM 8,-) gibt es an der Abendkasse, aber auch im Vorverkauf bei Füssen Tourismus (Telefon 08362/958514).

Eine ganze Region gedenkt im Jahre 2000 des 1250. Todestag einer ihrer frühen Lichtgestalten. Die Rede ist von Magnus, dem St. Galler Mönch, der im Land zwischen Bodensee, Vorarlberg und Allgäu den christlichen Glauben verbreitete und die Menschen dabei lehrte, mit ihren Alltagsproblemen fertig zu werden und sie überdies in ganz praktischen Dingen - Ackerbau, Viehzucht und Heilkunde - unterrichtete. Legenden sind seine Heldentaten, von der Tötung des Bären und Drachen in den wilden Wäldern um Füssen, wo er eine Klosterzelle errichtete, bis zum Sprung über die Lechschlucht. Sage, Märchen, Erzählung und Spiel berichten vom Wirken des heiligen Mannes.

Der Mensch der Magnus-Zeit

Eine Form der Auseinandersetzung mit diesem Stoff fand der aus Füssen stammende und in Augsburg lebende Komponist und ehemalige Rundfunkautor Franz R. Miller im Auftrag der Pfarrgemeinde St. Mang in Füssen. Im Mittelpunkt seines Spiels steht nicht der volkstümliche Heilige, jedenfalls nicht in leibhaftiger Erscheinung mit Wanderstab und Pilgertasche, sondern der Mensch der Magnus-Zeit mit all seinen Hoffnungen, Erwartungen, Befürchtungen und Ängsten, die er mit der Erscheinung einer Gestalt verbindet, von der er nur gehört, die er aber nie gesehen hat. Franz R. Millers Absicht war es nicht, den vielen traditionellen Magnus-Spielen ein weiteres hinzuzufügen (mit Bär, Drache und Sprung), sondern, angereichert mit Chören, Vokalstimmen, Orgel und Schlagzeug (Motettenchor Füssen, Einstudierung Albert Frey; Männerchor Liederkranz Füssen, Einstudierung Herbert Thaler; musikalische Gesamtleitung Albert Frey; Kinder- und Jugendspielgruppe, Einstudierung Hanni Huber) ein Polyphones und widersprüchliche Meinungsbild zu schaffen, das sich bei Herrschenden und Beherrschten, bei Reichen und Armen, bei starken und Schwachen um diese legendäre Figur herum bildet. Gibt es Magnus wirklich oder ist alles nur Schall und Rauch, geboren aus der unstillbaren Sehnsucht der Menschen nach einem Erlöser?

Herausforderung für das studentische Romanistentheater

Autor und Pfarrgemeinde St. Mang beauftragten das "Romanistentheater der Universität Augsburg" mit der theatralischen Umsetzung der Spielvorlage. Die studentische Truppe, obschon in den fast fünfundzwanzig Jahren ihres Bestehens recht versiert im Umgang mit Texten verschiedenster Couleur und Provenienz, sah sich vor eine ebenso reizvolle wie riskante Herausforderung gestellt, angefangen bei der Aufgabe, die Kirche St. Mang in Füssen - romanisch im Kern, barock in der Ausgestaltung - mit ihren überdimensionalen Ausmaßen als Spielort in ihre Inszenierungsüberlegungen mit einbeziehen zu müssen. Und auch Franz R. Millers Theatersprache - unpathetisch, aber nicht unpoetisch; fromm, aber nicht heilig; alltäglich, aber nicht gewöhnlich - stellt ihre ganz besonderen Ansprüche. Sie verursacht zwar keine Knoten in der Zunge, perlt aber auch nicht eben gefällig aus dem Mund.

Kontakt und weitere Informationen:

Dr. Hanspeter Plocher, Universität Augsburg, Philosophische Fakultät II, 86135 Augsburg, Telefon 0821/598-5726, e-mail: hanspeter.plocher@phil.uni-augsburg.de

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