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Symposium zu Michael Mästlin - einem großen Tübinger Astronomen

05.10.2000 - (idw) Eberhard-Karls-Universität Tübingen

Veranstaltung der Fakultät für Physik zum 450. Geburtstag des Wissenschaftlers

Zum 450. Geburtstag des Astronomen Michael Mästlin veranstaltet die Fakultät für Physik der Universität Tübingen vom 11. bis 13. Oktober 2000 ein wissenschaftshistorisches Symposium mit Teilnehmern aus Deutschland, der Schweiz und Tschechien. In Vorträgen und einem Stadtrundgang soll vor allem das wissenschaftliche Werk Michael Mästlins (1550 - 1631) beleuchtet werden.
Das genaue Programm kann unter http://www.uni-tuebingen.de/qvo/pm/pm363.html eingesehen werden.

Michael Mästlin war zunächst in Heidelberg, danach fast ein halbes Jahrhundert lang in Tübingen Professor der mathematischen Wissenschaften. Sein hohes wissenschaftliches Ansehen beruhte auf seinen astronomischen Forschungen und Beobachtungen. 1572 entdeckte Mästlin einen neuen Stern im Sternbild der Cassiopeia und beschrieb seine Position in der Gestirnssphäre mit einem besonders einfachen Verfahren: Er peilte mit Hilfe eines gespannten Fadens. Diese Beobachtung hatte wichtige naturphilosophische Konsequenzen, nämlich dass es entgegen Aristoteles' Ansichten jenseits des Mondes substanzielle Veränderungen geben kann. Überhaupt verstand es Mästlin, mit einfachsten Mitteln Beobachtungen auszuführen, deren Präzision denen des großen Tycho Brahe (1546 - 1601) gleichkam. In seinem vielleicht bedeutendsten Werk, einer Schrift über den Kometen von 1577, konnte Mästlin erstmals eine Kometenbahn bestimmen. Spätestens seit dieser Arbeit war er überzeugter Kopernikaner. 1580 erschienen Mästlins Ephemeriden, Tafeln für astronomische Beobachtungen, die für den Horizont von Tübingen berechnet sind. Zwei Jahre später folgte sein Lehrbuch "Epitome Astronomiae" (Abriss der Astronomie), das bis 1624 sechs weitere Auflagen erlebte. Mästlin war Lehrer und wichtiger Briefpartner von Johannes Kepler (1571 - 1630). Ein weiterer Schüler von Mästlin war Wilhelm Schickard (1592 - 1635), der 1623 die erste bekannte Rechenmaschine konstruierte. Matthäus Beger, Tuchscherer und Ratsherr in Reutlingen und nach eigenem Bekunden ein "Mathematophilus", erfuhr vielfache Förderung durch Mästlin.

Der am 30. September 1550 in Göppingen geborene Mästlin durchlief den typischen Bildungsgang des altwürttembergischen Theologen: Er besuchte die Klosterschulen in Königsbronn und im damals württembergischen Herrenalb. Anschließend studierte er im Tübinger "Stift". 1571 erwarb Mästlin den Magistergrad und begann mit dem eigentlichen Studium der Theologie. 1572 wurde er Repetent für mathematische Fächer am Tübinger Stift. Nach einer kurzen Tätigkeit als Diaconus, zweiter Pfarrer, in Backnang ging Mästlin 1580 als Professor nach Heidelberg. 1584 kehrte er nach Tübingen zurück, wo er bis zu seinem Tod am 20. Oktober 1631 wirkte. Mästlin wohnte in der Burgsteige 7; eine Plakette am Haus erinnert noch heute an den berühmten Bewohner.

Nähere Informationen: Dr. Gerhard Betsch, Tel. 0 71 57/6 40 59, e-mail: gerhard.betsch@t-online.de
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