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Das Otto Schmidt-Labor für Polar- und Meeresforschung in St. Petersburg eingeweiht

10.10.2000 - (idw) Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung

Die intensive deutsch/russische Zusammenarbeit in der Polar- und Meeresforschung hat sich weiterentwickelt. Vor einem Jahr wurde das Otto-Schmidt-Labor für Polar- und Meeresforschung am Institut für Arktis- und Antarktisforschung (AARI) in St. Petersburg und am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven gegründet. Die Labors und Büros in St. Petersburg und Bremerhaven wurden seitdem renoviert und eingerichtet. Der Hauptlaborkomplex befindet sich in St. Petersburg und wird am 12.10. offiziell eingeweiht. Thematischer Schwerpunkt ist die Erforschung der natürlichen Hintergründe, Auswirkungen und Rückkoppelungsmechanismen von kurzfristigen Klimaveränderungen in der sibirischen Arktis.

Am 12. Oktober wird das Otto-Schmidt-Labor für Polar- und Meeresforschung (OSL) in St. Petersburg offiziell eingeweiht. Es wurde nach dem russischen Polarforscher Otto Juristisch Schmidt (1891 bis 1956) benannt und bildet eine ideelle und logistische Basis für Forschungsvorhaben, die im Rahmen der bilateralen Fachvereinbarung Polar- und Meeresforschung zwischen der Russischen Föderation und der Bundesrepublik Deutschland durchgeführt werden. Es wird vom Russischen Ministerium für Wissenschaft und Technische Politik und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert.

Schon seit 1993 forschen russische und deutsche Wissenschaftler gemeinsam im Rahmen des Verbundprojekts "System Laptew-See 2000". Die bilaterale Zusammenarbeit in der Polar- und Meeresforschung hat sich seitdem positiv weiterentwickelt und vor einem Jahr wurde das Otto-Schmidt-Labor für Polar- und Meeresforschung am Institut für Arktis und Antarktisforschung (AARI) in St. Petersburg und am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven gegründet. Die Labors und Büros in St. Petersburg und Bremerhaven wurden seitdem renoviert und eingerichtet. Nun kann das Otto-Schmidt-Labor offiziell eingeweiht werden. Der Hauptkomplex befindet sich am AARI in St. Petersburg. Er ist mit modernen Geräten für die Analyse von Proben, die bei gemeinsamen Expeditionen genommen wurden, einer wissenschaftlichen-technischen Fachbibliothek und modernen Kommunikationsmedien ausgerüstet. Seit dem 1. Juli 2000 arbeiten dort neun Arbeitsgruppen mit jeweils drei russischen Wissenschaftler/innen. Das Labor steht jedoch auch deutschen Forschern zur Verfügung und hält über das Internet Verbindung mit der ganzen Welt.

Der Schwerpunkt der Arbeiten liegt auf der Erforschung der natürlichen Hintergründe, Auswirkungen und Rückkoppelungsmechanismen von kurzfristigen Klimaveränderungen in der sibirischen Arktis. In das Konzept wurde ein breites Spektrum wissenschaftlicher Disziplinen (Ozeanographie, Paläogeographie, Hydrochemie, Geochemie, Paläoklimatologie, Biologie, Glaziologie und andere) integriert. Unser Wissen über das arktische Klimasystem ist lückenhaft. Wir wissen, dass es empfindlich ist und vermutlich schnell auf Veränderungen des globalen Klimas reagieren wird. Der interdiziplinäre Forschungsansatz soll dazu beitragen, die aktuellen Klimaentwicklungen ganzheitlich zu untersuchen, die Daten auszuwerten und somit ein Verständnis des gesamten Umweltsystems ermöglichen.

Der Standort des OSL in St. Petersburg ist für Forschungsprojekte in der Arktis geradezu ideal. Direkt vor Ort können Expeditionen gestartet und Untersuchungen durchgeführt werden.
Das Otto-Schmidt-Labor arbeitet mit seinen Teilen in St. Petersburg und in Bremerhaven im Sinne einer bilateralen Vereinbarung eng zusammen und befindet sich im ständigen Austausch. Die Koordinatoren sind das staatliche Institut für Arktis- und Antarktisforschung (AARI) in St. Petersburg sowie das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, Bremerhaven und GEOMAR, Kiel.

Das Forschungsprogramm des Verbundprojektes "System Laptev-See" umfasst seit 1993 Arbeiten im Gelände sowohl des Landes (Lenadelta, Taymyr-Halbinsel, Severnaja Semlja und andere) als auch des Meeres (Laptewsee, Arktischer Ozean) zu verschiedenen Jahreszeiten. Ziel des Projektes ist unter anderem die Erfassung des äußerst komplexen gegenwärtigen Systems und anschließend die Erarbeitung detaillierter Umweltrekonstruktionen für die letzten 500 000 Jahre. Beispielsweise stellen Dauerfrostablagerungen ein exzellentes Datenarchiv dar. Die Zusammensetzung dieser Ablagerungen lässt Rückschlüsse auf vergangene Klimaentwicklungen zu und liest sich für die Wissenschaftler wie ein Geschichtsbuch. Das Otto-Schmidt-Labor führt diese Forschungen fort und vertieft sie. Die Daten über aktuelle und vergangene Klimaentwicklungen können gegenübergestellt und in Klimamodellen umgesetzt werden.

Die daraus resultierenden Erkenntnisse sind bedeutsame Meilensteine auf einem Weg, dessen Ziel es ist, künftige Umweltveränderungen vorauszusagen. Bisher deutet alles darauf hin, dass Veränderungen in diesem Gebiet nicht nur Auswirkungen auf den Arktischen Ozean haben, sondern auch maßgeblich Mechanismen beeinflussen, die globale Umweltveränderungen und das Klima über Nordwesteuropa steuern. Die eigentlichen Ursachen und Auswirkungen von Veränderungen einzelner Komponenten dieses extremen und sensiblen Umweltsystems sowie Ausmaß der Veränderungen in der Erdgeschichte bleiben aber weiterhin offen.

Das Otto-Schmidt-Labor dient als Plattform für die Koordination und Weiterentwicklung der Forschungsvorhaben und ist eine Art Schnittstelle im Netzwerk der beteiligten Institute auf beiden Seiten. Die Zusammenarbeit deutscher und russischer Wissenschaftler soll gefördert werden. Im Mittelpunkt steht dabei die Unterstützung und Förderung russischer Nachwuchswissenschaftler. Die internationale Zusammenarbeit und der kontinuierliche Austausch der Wissenschaftler beider Länder ermöglicht eine verstärkte wissenschaftliche Qualifizierung von Nachwuchswissenschaftlern und den Ausbau des Wissenschaftsstandortes Deutschland.

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