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Interdisziplinäres Forum in Heidelberg: "Schmerz tut gut"

11.10.2000 - (idw) Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Der Körper als Instrument zur Bewältigung psychischer Krisen - Freitag, 20. Oktober 2000, 16.15 - 20.00 Uhr: Interdisziplinäres Forum der Abteilung Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitätsklinikums Heidelberg in Zusammenarbeit mit der Körber-Stiftung

"Schmerz tut gut" - So äußern sich nicht selten Jugendliche mit psychischen Problemen, die sich selbst Schnittverletzungen, Verbrennungen und andere Schädigungen zufügen. Die Jugendlichen berichten, dass sie durch die selbstzugefügten Schmerzen oder Verletzungen eine Entlastung von psychischer Anspannung erfahren und aus diesem Grund diese Handlungen häufig wiederholen. Aber auch in bestimmten Jugendkulturen werden selbstschädigende Handlungen vorgenommen, deren Motive schwer verständlich erscheinen, zum Beispiel extreme Form von Piercing, Drogenkonsum, gestörtes Essverhalten oder exzessiv körperliche Betätigung. Ein interdisziplinäres Forum unter Leitung des ärztlichen Direktors der kinder- und jugendpsychiatrischen Abteilung im Universitätsklinikum Heidelberg, Prof. Dr. Franz Resch, beschäftigt sich mit den möglichen Gründen, Auslösefaktoren und Interventionsmöglichkeiten bei Kindern und Jugendlichen mit diesen vielfältigen Formen selbstschädigenden Verhaltens. Das Forum findet am Freitag, 20. Oktober 2000, von 16.15 bis 20 Uhr im Hörsaal der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg, Voßstraße 4, statt.

Das Forum wird veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Studienpreis, einem Forschungswettbewerb für Studierende aller Fachbereiche, den die Hamburger Körber-Stiftung ausschreibt. Ein Ziel des Forums ist es, Studierende zur Teilnahme am Deutschen Studienpreis anzuregen. Dessen aktuelles Ausschreibungs-thema lautet "Bodycheck - Wie viel Körper braucht der Mensch?". Der Umgang mit dem menschlichen Körper steht also im Mittelpunkt des Wettbewerbs. Daran knüpft die Thematik des interdisziplinären Forums an und möchte aus interdisziplinärer Sicht die Motive und Behandlungsmöglichkeiten selbstschädigender Handlungen beleuchten.

Wie gesund ist die Love-Parade?

Dr. Sabine Andresen vom Erziehungswissenschaftlichen Seminar der Universität Heidelberg wird in ihrem Vortrag das selbstschädigende Verhalten in jugendlichen Subkulturen am Beispiel von Love-Parade-Teilnehmern beschreiben. Prof. Ingo Pedal wird aus rechtsmedizinischer Sicht Probleme in der Unterscheidung zwischen selbst- und fremdbeigebrachten Verletzungen skizzieren und Prof. Franz Resch aus psychotherapeutischer Sicht die Funktion der Selbstverletzung als Selbstheilungsversuch bei Jugendlichen mit und ohne psychischen Störungen erörtern.

Dr. Inge Jadi, Kustodin der Heidelberger Prinzhorn-Sammlung, wird eine Einführung in die bildhaften Zeugnisse von schizophrenen Patienten in der Jahrhundertwende geben, die ihre Selbstschädigungserfahrungen und Irritation ihres Körpererlebens in eindrucksvollen Bildern dargestellt haben. Prof. Jürgen Sandkühler vom Physiologischen Institut der Universität Heidelberg wird in dem Abendvortrag (Beginn 19.00 Uhr) die neurobiologischen Grundlagen des Schmerzerlebens und der Schmerzverarbeitung erläutern und gleichzeitig diese Erkenntnisse als Voraussetzung für die Entwicklung therapeutischer Intervention beschreiben. Weitere Auskünfte erteilt gerne das Sekretariat der Abteilung Kinder- und Jugendpsychiatrie der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg.

Programm

"Schmerz tut gut"
Der Körper als Instrument zur Bewältigung psychischer Krisen

Einführung und Moderation: Prof. Franz Resch

Vorstellung des Deutschen Studienpreises: Friederike Schneider, Körber-Stiftung, Hamburg

Wie gesund ist die Love-Parade? - Körperinszenierungen in heutigen Jugendkulturen - Dr. Sabine Andresen, Erziehungswissenschaftliches Seminar der Universität Heidelberg

Wie können selbstzugefügte Körperverletzungen von Schädigungen durch Fremdeinwirkung unterschieden werden? - Rechtsmedizinische Befunde - Prof. Ingo Pedal, Institut für Rechtsmedizin der Universität Heidelberg

Hilft Selbstverletzung gegen "Blues und Horror"? - Eine psychotherapeutische Perspektive - Prof. Franz Resch, Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie

Ausstellung:
Beschädigung des Körpers und Irritation des Körpererlebens bei schizophrenen Patienten in der Jahrhundertwende: Bildmaterial aus Werken der Prinzhornsammlung - Präsentation im Dialog mit Dr. Inge Jadi, Kustodin der Prinzhornsammlung

Abendvortrag (Beginn 19.00 Uhr)
Gedächtnisspuren des Schmerzes - Neurobiologische Konzepte zur Vermeidung und Behandlung von Schmerz - Prof. Jürgen Sandkühler, Institut für Physiologie und Pathophysiologie der Universität Heidelberg

Das Interdisziplinäre Forum "Schmerz tut gut. Der Körper als Instrument zur Bewältigung psychischer Krisen" findet im Rahmen der dritten Ausschreibung des Deutschen Studienpreises statt. "Bodycheck - Wie viel Körper braucht der Mensch?" lautet das aktuelle Thema dieses Forschungswettbewerbs für Studierende. Der Deutsche Studienpreis wird von der Hamburger Körber-Stiftung ausgeschrieben. Mehr Informationen unter www.studienpreis.de oder per Telefon unter 040/72 50 30 57.

Kontaktadresse:

Sekretariat der Abteilung Kinder- und Jugendpsychiatrie
der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg
Blumenstrasse 8, 69115 Heidelberg
Tel. 06221 970415, Fax 970441
Romuald_Brunner@med.uni-heidelberg.de

Rückfragen von Journalisten auch an:
Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
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