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Krankenpfleger schreibt Lehrbuch zu speziellen Stützverbänden

01.11.2000 - (idw) Bereich Humanmedizin der Universität Göttingen


Buchautor Adolf Schleikis - Bild: Uniklinikum Krankenpfleger schreibt Lehrbuch zu speziellen Stützverbänden
Göttinger Pfleger beschreibt erstmals innovative Stützverbände mit Hochleistungskunststoff

(ukg) Der Krankenpfleger Adolf Schleikis aus der Klinik für Unfallchirurgie, Plastische und Wiederherstellungschirurgie der Universität Göttingen - Bereich Humanmedizin hat erstmals ein Lehrbuch über spezielle Materialien bei Stützverbänden geschrieben. Thema des Fachbuches ist die Entwicklung des Stützverbandes vom normalen Gips- zum Hochleistungskunststoff - Verband. Der Leitfaden ist für Schüler, Studenten, Ärzte und Mitarbeiter/innen der Pflege geeignet, die sich schrittweise anhand von über 340 Abbildungen mit herkömmlichen und völlig neuen Methoden der Stützverbandtechnik vertraut machen wollen. Bestimmte Vorgehensweisen dieser neuen Methoden sind erstmalig in Göttingen von Schleikis entwickelt worden ("Göttinger Modell"). Das Buch gehört nach Angaben des Verlages mit mehr als 600 verkauften Exemplaren seit Juli dieses Jahres zu den Ausnahmeerscheinungen auf dem Fachmarkt. Adolf Schleikis ist seit 1973 in der Pflege tätig und stammt aus Lindau (Kreis Northeim). Der 50-jährige Vater von zwei erwachsenen Kindern wurde nach Feierabend zum Hobby-Autor und während der Arbeitszeit auch vom Leiter der Abteilung, Professor Dr. Klaus Michael Stürmer, unterstützt. Erstmals ist ein solches Lehrbuch mit einem speziellen Leitfaden und reichhaltigem Fotomaterial von einem Autor erstellt worden, der direkten Praxisbezug hat, weiterhin in der Pflege tätig ist und selbst innovative Verbände und Verbandkonzepte entwickelt hat. Schleikis ist außerdem seit 1989 in der Ärzte- und Pflegefortbildung in Deutschland und im europäischen Ausland tätig.

Das Besondere an den von Schleikis beschriebenen Verbänden aus einem speziellen Kunststoff ist, dass sie oftmals kleiner als herkömmliche Verbände und angenehmer zu tragen sind. Außerdem können sie oftmals, bei ausgesuchten Indikationen, in der Erstversorgung den herkömmlichen Gipsverband ablösen. Sie sind kostensparend, da sie häufig gleich zu Beginn einer Stabilisation eingesetzt und nicht ausgetauscht werden müssen (primäre Definitivversorgung). Dieses spezielle Verfahren wird auch als "Göttinger Modell" bezeichnet. Dazu gab es Anfang der neunziger Jahre bereits Veröffentlichungen. Das neue Buch beschreibt außerdem handgefertigte bewegliche Verbände, die so genannten Orthesen. Mit ihnen ist der Patient in der Lage, nach einer Operation schneller betroffene und benachbarte Gliedmaßen wieder zu bewegen.

Ziel ist es, dem Patienten durch die leichteste aber auch wirksamste Methode einer Fixation, einer Ruhigstellung des verletzten Körperteils, zu helfen. Das Buch ist in drei Teile untergliedert. Im ersten Teil beschreibt Schleikis Basiswissen zur Stützverbandlehre. Der zweite Teil stellt in Einzelschritten die häufigsten Verbände dar. Der dritte Teil dient als Leitfaden in Form von übersichtlichen Tabellen und demonstriert die Vorgehensweise der Abteilung Unfallchirurgie, Plastische und Wiederherstellungschirurgie der Universität Göttingen. Das Anlegen eines Verbandes wird vielfach in der Fachliteratur als Kunst beschrieben, zu der sowohl eine gute Ausbildung, Erfahrung und viel Liebe gehört. Trotzdem bleibt es, nach Ansicht Schleikis, ein Stiefkind der Chirurgie. Problematisch sei in Deutschland vor allem, so Schleikis, dass es keinen gesetzlich geregelten Ausbildungsweg für die Ausführung von Verbänden gibt. "Momentan haben wir nur die Möglichkeit, eine Lehre weiterzugeben und aus der Tradition und der eigenen Erfahrung heraus Fortbildungen durchzuführen," sagt Adolf Schleikis. In den Niederlanden hingegen gebe es zum Beispiel eine Ausbildung zum Gipsmeister.

Neben den konkreten Anleitungen anhand von Bildern, wie unterschiedliche Verbände anzulegen sind, widmet sich Schleikis auch der Geschichte der so genannten "immobilisierender" Verbände. Bereits 350 vor Christus beschrieb Hippokrates Bandagen, die mit Wachs und Harz bestrichen wurden, um Beinfrakturen zu schienen. 860 nach Christus verwendete der arabische Arzt Rhazes Bandagen, die durch eine Mixtur aus Kalk und Eiweiß gestärkt wurden. Die Geschichte geht weiter zu Mathijsen, einem niederländischen Armeechirurg. Er entwickelte 1851 Vorläufer der heutigen Gipsbandagen, indem er pulverisierten Gips auf eine Bandage streute, die als Trägermaterial fungierte. Bis in die heutige Zeit wurde die Technik der Verbände ständig weiterentwickelt. Adolf Schleikis hat dazu mit seinem Buch eine Beitrag, vor allem in Bezug auf patientenorientierte, kostensparende und effiziente Verwendung von Kunststoffen bei Stützverbänden geleistet. Das Buch "Gips und synthetischer Stützverband" von Adolf Schleikis ist im Steinkopff Verlag Darmstadt erschienen, hat 150 Seiten und kostet 98 Mark.

Ein Foto von Adolf Schleikis ist über die Pressestelle erhältlich.

Anforderung von Rezensionsexemplaren über den Verlag, Frau Scheffler Tel. 06151/82 899-0

Weitere Informationen:
Universität Göttingen - Bereich Humanmedizin
Klinik für Unfallchirurgie, Plastische und Wiederherstellungschirurgie
Adolf Schleikis
Robert-Koch-Str. 40
37075 Göttingen
Telefon: 0551/39 - 6105
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